Europäische Märkte: Zusammenfassung der Preisanalysen für LVMH, Daimler, Volvo und ThyssenKrupp

Geschrieben von: Michael Harris
Oktober 16, 2020
  • Der IWF warnte vor einer möglichen Korrektur der Aktienmärkte in den kommenden Monaten
  • Der DAX-Index liegt heute bei 12745, über 0,3% im grünen Bereich, während der FTSE 100 um 0,2% auf 5869 stieg
  • Auf der anderen Seite stieg der Aktienkurs von ThyssenKrupp um 25%
  • LVMH, Daimler und Volvo, alle haben die Erwartungen des Marktes für das 3. Quartal übertroffen

Die europäischen Märkte verzeichnen heute leichte Gewinne, um eine Reihe von aufeinanderfolgenden Verlusten auf täglicher Basis zu beenden. Unabhängig davon warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor der Korrektur der Aktienmärkte in den kommenden Monaten.

Fundamentale Analyse: Warnung des IWF

IDer IWF sagte, dass die Finanzmärkte in den folgenden Monaten schrumpfen könnten, falls die Coronavirus-Krise andauert und sich die wirtschaftliche Erholung langsamer als erwartet erfolgt. Die Aktienmärkte haben sich von ihren Tiefstständen im vergangenen Monat erholt und liegen im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich höher.

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Der S&P 500 befindet sich seit Jahresbeginn um etwa 8% im grünen Bereich und der Nasdaq stieg im gleichen Zeitraum um etwa 30%.

„Es besteht nach wie vor eine Diskrepanz zwischen den Finanzmärkten – wo es steigende Börsenbewertungen gab (trotz der jüngsten Preiskorrekturen) – und der schwachen Wirtschaftsaktivität und den unsicheren Aussichten“, sagte Tobias Adrian, der Leiter der Abteilung für Währungs- und Kapitalmärkte des IWF.

Adrian sagte jedoch auch, dass der Optimismus der Anleger im Falle einer verzögerten wirtschaftlichen Erholung nachlassen könnte.

„Solange die Anleger glauben, dass die Märkte weiterhin von der politischen Unterstützung profitieren werden, könnten die Bewertungen von Vermögenswerten noch einige Zeit auf hohem Niveau bleiben. Nichtsdestotrotz und insbesondere dann, wenn sich die wirtschaftliche Erholung verzögert, besteht die Gefahr einer starken Preisanpassung der Vermögenswerte und periodischer Kursschwankungen“, sagte er.

Adrian ist nicht der Einzige, der die klare Diskrepanz zwischen Märkten und Wirtschaft bemerkt hat.

Gary Shilling, ein bekannter US-Finanzanalyst, warnte im Sommer vor einer möglichen Krise der Aktienmärkte, ähnlich wie in den 1930er Jahren, da die wirtschaftliche Erholung länger als üblich dauert und viel schwieriger als erwartet ist. Darüber hinaus warnte die Bespoke Investment Group auch vor „einem klassischen Anzeichen für einen sich windenden Markt“.

Angesichts der Umstände war die Performance des Aktienmarktes in diesem Jahr bemerkenswert, was vor allem auf die umfangreichen geldpolitischen Impulse zurückzuführen ist, die von den Zentralbanken in die Volkswirtschaften eingeleitet wurden, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Der IWF ist der Ansicht, dass die globalen Behörden an dieser Strategie festhalten müssen, da der Gesundheitsnotstand wegen des Coronavirus Anzeichen einer Verlangsamung zeigt.

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Technische Analyse: Die Berichtssaison geht los

Der DAX-Index liegt heute bei 12745, über 0,3% im grünen Bereich. Sein britisches Pendant FTSE 100 ist um 0,2% auf 5869 gestiegen, da Investoren auf Nachrichten aus den USA bezüglich des neuen Konjunkturprogramms warten. Hier sind die größten Performer von heute.

LVMH übertrifft die Prognosen für das 3. Quartal

Der Aktienkurs von LVMH (EPA: MC) stieg heute um etwa 7%. Der Luxusmode-Riese meldete Umsätze, die die Prognosen der Analysten für das 3. Quartal deutlich übertrafen.

„Das Update bestätigt unseren Eindruck von einem starken Sommer für Luxusartikel. Vuitton verzeichnete In China ein positives 3. Quartal“, schrieb der Bernstein-Analyst Luca Solca in einer Notiz.

LVMH, dem Louis Vuitton, Christian Dior, Celine und Fendi gehören, berichtete, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 7% zurückgegangen sei, aber immer noch deutlich über dem erwarteten Rückgang von 12% lag.

Der Mode-Riese meldete für das Quartal einen Umsatz von 12 Mrd. €, was einem Rückgang von 21% seit Anfang des Jahres entspricht. Obwohl die Umsätze in der Mode- und Handtaschen-Abteilung aufgrund der starken Nachfrage in China nach den Handtaschen von Louis Vuitton um 12% stiegen, enttäuschten andere Abteilungen.

Die Abteilungen Einzelhandel, Parfüm und Kosmetik sowie Uhren und Schmuck verzeichneten einen Umsatzrückgang von 29%, 16% bzw. 14%.

Der allgemeine Anstieg der Verkäufe reichte jedoch aus, um den Aktienkurs von LVMH um 7% auf das 9-Monatshoch von 432,00 € zu treiben. Es bleibt abzuwarten, ob die Aktie an den Gewinnen festhalten und einen Tages-/Wochenschluss über 427,75 € erreichen kann.

Das nächste Ziel ist das 2020-Hoch über der 438,00 €-Marke.

ThyssenKrupp kann sein Stahlgeschäft verkaufen; der Aktienkurs steigt stark an

Die Aktien des deutschen Riesen ThyssenKrupp (ETR: TKA) sind um 25% gestiegen, nachdem das deutsche Magazin „Der Spiegel“ gestern Abend berichtete, dass Liberty Steel ein Angebot für das Stahlgeschäft des Unternehmens abgeben wird.

ThyssenKrupp hat sein Aufzugsgeschäft Anfang dieses Jahres verkauft, um Kapital zu beschaffen, und will sich nun von seiner historischen Stahlsparte trennen. Dieser Geschäftsbereich machte ThyssenKrupp zu einem Konglomerat.

Obwohl der deutsche Riese im vergangenen Jahr einem Joint Venture mit Tata Steel zustimmte, blockierte die EU-Kommission den Deal. Das Unternehmen hofft nun, dass eine Einigung mit Liberty Steel erzielt werden kann, da es daran arbeitet, sein Geschäft zu rationalisieren, das im vergangenen Jahr einen Verlust von 1 Mrd. € erlitt.

Der Aktienkurs von ThyssenKrupp stieg um rund 25 % auf 5,18 € und liegt jetzt aber bei 4,80 €. Das nächste Kursziel für die Haussiers ist 5,70 €.

Daimler und Volvo übertreffen die Schätzungen für das 3. Quartal

Zwei große europäische Wettbewerber, Daimler AG (ETR: DAI) und Volvo AB SER (STO: VOLV), meldeten heute Morgen höher als erwartete Zahlen für das 3. Quartal.

Daimler AG übertraf die Markterwartungen mit einem EBIT von 3,07 Mrd. € gegenüber den erwarteten 1,95 Mrd. €. Der Eigentümer der Marke Mercedes Benz meldete einen beeindruckenden Barmittelzufluss von 5,14 Mrd. € gegenüber einer Markterwartung von 2,97 Mrd. €.

„Das dritte Quartal zeigt eine sehr starke Leistung und ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind, die Gewinnschwelle unseres Unternehmens zu senken“, sagte Harald Wilhelm, Vorstandsmitglied der Daimler AG.

Der skandinavische Rivale Volvo erzielte einen bereinigten Betriebsgewinn von 7,22 Mrd. SEK (813 Mio. $), was gegenüber dem Vorjahresergebnis von 10,89 Mrd. SEK niedriger ist. Dennoch sind die Aktien gestiegen, da der Marktkonsens bei 5,82 Mrd. SEK lag.

Die Aktien von Volvo erhielten auch Unterstützung durch die Netto-Auftragseingänge von 57.530 Lkw, ein beeindruckender Anstieg um 61% im Vergleich zu 2019.

„In den letzten zwei Quartalen haben unsere Organisation und Geschäftspartner große Volumenflexibilität gezeigt, indem sie zuerst einen dramatischen Volumenrückgang und dann eine steile Erholung bei anhaltend guter Produktivität bewältigt haben“, sagte CEO Martin Lundstedt in einer Erklärung.

Der Aktienkurs von Volvo stieg um rund 4% und näherte sich damit dem vor einigen Tagen erreichten Rekordhoch von 184,45. Inzwischen ist der Aktienkurs auf 178,00 gesunken und die nächste Unterstützung könnte bei 175 liegen.

Auf der anderen Seite stieg der Aktienkurs von Daimler um rund 5% auf 49,42 € an. Die Käufer peilen nun eine Bewegung über den Höchststand dieses Jahres von 50,31 € an.

Zusammenfassung

Der Internationale Währungsfonds sagte, dass die Performance der Aktienmärkte in diesem Jahr „bemerkenswert“ gewesen sei, warnte aber davor, dass sich dies ändern könnte, falls die Coronavirus-Krise andauert und die wirtschaftliche Erholung verzögert wird.

Auf der anderen Seite erholten sich die europäischen Aktien heute, als Daimler, Volvo und LVMH die Markterwartungen übertrafen. Der Aktienkurs von ThyssenKrupp stieg hingegen um 25%, nachdem berichtet wurde, dass Liberty Steel heute ein Angebot für die Stahlsparte des Unternehmens abgeben wird.