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Investieren für Anfänger: Der komplette Einstiegsguide für Deutschland

Aktualisiert am
02. Aug. 2026
Haftungsausschluss

Wer heute Geld auf dem Girokonto liegen lässt, verliert real an Kaufkraft: Die Inflation frisst mehr, als klassisches Sparen zurücklegt. Immer mehr Menschen in Deutschland ziehen daraus Konsequenzen.

2025 besaßen 14,1 Millionen Menschen hierzulande Aktien, Aktienfonds oder ETFs, zwei Millionen mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert.

Damit ist inzwischen etwa jeder Fünfte ab 14 Jahren direkt oder indirekt am Aktienmarkt investiert, und Anleger unter 40 Jahren trugen 2025 über 60 Prozent zu diesem Zuwachs bei.

Der Einstieg in die Geldanlage war dabei noch nie so einfach wie jetzt: Online-Broker und Trading-Apps machen es möglich, schon mit wenigen Euro pro Monat ein Depot aufzubauen, ganz ohne Bankberater und Mindesteinlage.

Trotzdem schrecken viele Menschen in Deutschland vor dem ersten Schritt zurück, weil Begriffe wie ETF, Volatilität oder Sparerpauschbetrag abschreckend wirken.

Wie fange ich als Anfänger mit dem investieren an?

Am einfachsten startest du in fünf Schritten: Zuerst schaffst du dir einen Notgroschen von zwei bis drei Nettomonatsgehältern und tilgst teure Schulden. Dann legst du dein Sparziel und deinen Anlagehorizont fest. Danach eröffnest du ein Depot bei einem regulierten Online-Broker und verifizierst deine Identität per Video-Ident. Anschließend richtest du einen ETF-Sparplan ein, zum Beispiel auf einen breit gestreuten Weltindex, schon ab 1 bis 25 Euro im Monat. Zum Schluss vergisst du nicht, einen Freistellungsauftrag einzurichten, und überprüfst dein Portfolio dann nur noch ein- bis zweimal im Jahr, statt täglich auf die Kurse zu schauen.

Was bedeutet Investieren überhaupt?

Investieren heißt, Geld heute so anzulegen, dass es sich über die Zeit vermehrt – im Gegensatz zum reinen Sparen, bei dem Geld lediglich zurückgelegt wird.

Der entscheidende Unterschied liegt im Risiko: Ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto ist praktisch verlustsicher, wirft aber auch kaum Rendite ab. Aktien, ETFs oder Fonds können dagegen im Wert schwanken, bieten aber langfristig deutlich höhere Renditechancen.

Der Grund dafür ist der sogenannte Zinseszinseffekt: Erträge aus einer Geldanlage werden reinvestiert und erwirtschaften ihrerseits wieder Erträge. Über viele Jahre hinweg kann dieser Effekt aus kleinen, regelmäßigen Beträgen ein beachtliches Vermögen wachsen lassen.

Wer beispielsweise ab dem 25. Lebensjahr monatlich 150 Euro in einen breit gestreuten ETF investiert, kann bei einer durchschnittlichen Rendite von 6 bis 7 Prozent pro Jahr bis zur Rente einen sechsstelligen Betrag ansparen – ganz ohne aktives Trading.

Bevor du investierst: Die finanzielle Basis schaffen

Bevor du dich mit Aktien, ETFs oder Kryptowährungen beschäftigst, solltest du ein paar Hausaufgaben erledigen.

Investieren funktioniert nur nachhaltig, wenn die Grundlagen stimmen.

  • Notgroschen aufbauen. Finanzexperten empfehlen, zunächst zwei bis drei Nettomonatsgehälter auf einem jederzeit verfügbaren Tagesgeldkonto zurückzulegen. Dieser Puffer verhindert, dass du im Notfall, etwa bei einer kaputten Waschmaschine oder einem Jobverlust, Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen musst.
  • Teure Schulden abbauen. Ein Dispokredit oder ein Konsumentenkredit kostet häufig 8 bis 12 Prozent Zinsen pro Jahr. Keine Geldanlage erzielt zuverlässig eine höhere Rendite als diese Zinslast. Bevor du investierst, lohnt es sich fast immer, solche Schulden zuerst zu tilgen.
  • Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Nur wer weiß, wie viel Geld monatlich übrig bleibt, kann realistisch einschätzen, wie viel er investieren kann, ohne die eigene Liquidität zu gefährden. Ein einfaches Haushaltsbuch oder eine Budget-App reicht dafür meist schon aus.

Ziele definieren und Anlagehorizont festlegen

Die Frage "Wie investiere ich richtig?" lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt stark davon ab, wofür du sparst und wie lange dein Geld arbeiten soll.

Stelle dir deshalb vor dem Einstieg folgende Fragen:

  • Wofür lege ich das Geld zurück: Altersvorsorge, ein Immobilienkauf in zehn Jahren, oder einfach allgemeiner Vermögensaufbau?
  • Wie lange kann ich auf das investierte Geld verzichten?
  • Wie viel bin ich bereit, monatlich oder einmalig zu investieren?

Als grobe Faustregel gilt: Je länger dein Anlagehorizont, desto mehr Schwankungen kannst du aussitzen und desto mehr Risiko darfst du eingehen. W

er erst in 20 oder 30 Jahren auf das Geld zugreifen möchte, kann einen hohen Aktienanteil im Portfolio vertragen, weil zwischenzeitliche Kurseinbrüche Zeit haben, sich zu erholen.

Wer dagegen in zwei Jahren eine Anzahlung für eine Wohnung braucht, sollte dieses Geld eher auf einem Tagesgeldkonto parken als in volatile Anlagen zu stecken.

Risikotoleranz realistisch einschätzen

Neben dem Zeithorizont spielt die persönliche Risikotoleranz eine zentrale Rolle. Sie beschreibt, wie gut du es aushältst, wenn dein Depot zwischenzeitlich 20 oder 30 Prozent an Wert verliert – was bei Aktien und ETFs immer wieder vorkommen kann, selbst bei breit gestreuten Indizes.

Wichtig ist hier Ehrlichkeit mit dir selbst: Ein Depot, das dich nachts wachhält, ist auf lange Sicht kontraproduktiv, selbst wenn es theoretisch die höchste erwartete Rendite bietet.

Viele Anfänger überschätzen anfangs ihre Risikobereitschaft und verkaufen dann in der ersten Marktkorrektur panisch – oft zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Ein realistischerer, etwas konservativerer Ansatz führt häufig zu besseren Ergebnissen, weil er leichter durchzuhalten ist.

Die wichtigsten Anlageklassen im Überblick

Für Einsteiger ist es hilfreich, die gängigsten Anlageformen zu kennen, bevor man sich für eine Strategie entscheidet.

Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick, bevor die einzelnen Anlageklassen im Detail erklärt werden.

AnlageklasseRisikoRenditechanceFür Einsteiger geeignet?
Tagesgeld/FestgeldSehr niedrigNiedrigJa, für den Notgroschen
Anleihen (gute Bonität)Niedrig bis mittelNiedrig bis mittelJa, zur Stabilisierung
ETFs (breit gestreut)MittelMittel bis hochJa, meist erste Wahl
Aktiv gemanagte FondsMittelMittelBedingt, wegen hoher Gebühren
EinzelaktienMittel bis hochHochBedingt, erfordert Recherche
EdelmetalleMittelNiedrig bis mittelAls Beimischung
Immobilien(-fonds)MittelMittelBedingt, hoher Kapitalbedarf
KryptowährungenSehr hochSehr hochNur mit kleinem Anteil

Aktien

Mit dem Kauf einer Aktie erwirbst du einen kleinen Anteil an einem Unternehmen.

Du profitierst vom Unternehmenserfolg durch Kursgewinne und gegebenenfalls Dividenden, trägst aber auch das unternehmensspezifische Risiko: Läuft das Geschäft schlecht, kann der Kurs stark fallen oder das Unternehmen im schlimmsten Fall insolvent gehen.

Einzelaktien eignen sich daher eher für Anleger, die bereit sind, sich intensiv mit einzelnen Unternehmen auseinanderzusetzen.

ETFs (Exchange Traded Funds)

ETFs bilden einen ganzen Index nach, etwa den MSCI World mit rund 1.500 Unternehmen aus Industrieländern oder den DAX mit den 40 größten deutschen Aktiengesellschaften.

Statt in ein einzelnes Unternehmen zu investieren, streust du dein Geld automatisch über hunderte oder tausende Firmen. Das reduziert das Einzelrisiko erheblich und ist einer der Hauptgründe, warum ETFs für Einsteiger als besonders geeignet gelten.

Hinzu kommen niedrige laufende Kosten, weil ETFs passiv verwaltet werden und keine teuren Fondsmanager benötigen. Viele Broker bieten ETF-Sparpläne bereits ab 1 bis 25 Euro monatlich an.

Aktiv gemanagte Fonds

Investmentfonds funktionieren ähnlich wie ETFs, werden aber von einem Fondsmanagement aktiv gesteuert, das versucht, den Markt zu schlagen.

Das bringt in der Regel deutlich höhere Gebühren mit sich – häufig 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr statt 0,1 bis 0,5 Prozent bei ETFs. Studien zeigen wiederholt, dass es den meisten aktiven Fonds langfristig nicht gelingt, ihre Vergleichsindizes nach Kosten zu schlagen.

Anleihen

Bei einer Anleihe leihst du einem Staat oder Unternehmen Geld gegen eine feste Verzinsung über einen festgelegten Zeitraum.

Anleihen gelten im Vergleich zu Aktien als risikoärmer, insbesondere Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität wie Deutschland. Sie eignen sich gut, um ein Portfolio zu stabilisieren, bieten aber auf lange Sicht meist niedrigere Renditen als Aktien.

Tagesgeld und Festgeld

Tagesgeld- und Festgeldkonten zählen im engeren Sinn nicht zum Investieren, sind aber ein wichtiger Baustein der Geldanlage.

Dank der gesetzlichen Einlagensicherung sind Guthaben bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde geschützt. Sie eignen sich vor allem für den Notgroschen und für Geld, das kurzfristig benötigt wird.

Kryptowährungen

Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen haben sich als eigene, aber sehr volatile Anlageklasse etabliert. Kursschwankungen von 20 bis 30 Prozent innerhalb weniger Wochen sind keine Seltenheit.

Wer in Kryptowährungen investiert, sollte nur Geld einsetzen, dessen Verlust er verschmerzen kann, und den Anteil am Gesamtportfolio bewusst begrenzen – viele Berater empfehlen hier einstellige Prozentwerte.

Edelmetalle

Gold gilt traditionell als Absicherung gegen Inflation und Krisenzeiten. Wer in Gold investieren möchte, sollte wissen: Physisches Gold wirft keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab, und die Aufbewahrung kann zusätzliche Kosten verursachen.

Alternativ lässt sich über Gold-ETCs oder entsprechende Sparpläne auch indirekt in Edelmetalle investieren.

Immobilien

Der direkte Kauf einer Immobilie erfordert hohe Kapitalbeträge und ist meist mit einer langfristigen Kreditfinanzierung verbunden.

Wer ohne den Aufwand von Vermietung und Instandhaltung an der Wertentwicklung des Immobilienmarkts teilhaben möchte, kann alternativ in Immobilienfonds oder REIT-ETFs investieren, die mit deutlich kleineren Beträgen zugänglich sind.

Wie viel Geld brauche ich, um anzufangen?

Eine der häufigsten Sorgen von Einsteigern lautet: "Ich habe doch gar nicht genug Geld, um zu investieren." Diese Sorge ist in den meisten Fällen unbegründet.

Viele ETF-Sparpläne bei deutschen Online-Brokern lassen sich bereits ab 1 bis 25 Euro pro Monat einrichten, und einige Anbieter verzichten sogar ganz auf einen Mindestbetrag.

Auch der Kauf einzelner Aktien ist dank sogenannter Bruchstücke (Fractional Shares) heute oft schon mit kleinen Beträgen möglich, ohne dass du eine ganze Aktie zum vollen Kurswert kaufen musst.

Wichtiger als die absolute Höhe des Betrags ist die Regelmäßigkeit. 50 Euro, die du jeden Monat konsequent investierst, führen über 20 oder 30 Jahre durch den Zinseszinseffekt oft zu einem größeren Vermögen als eine einmalige, aber unregelmäßige Investition.

Setze dir daher lieber einen kleinen, realistischen Betrag, den du dauerhaft durchhalten kannst, statt dich zu Beginn finanziell zu übernehmen.

Robo-Advisor als Alternative zum Selbstentscheiden

Wer sich mit der Auswahl einzelner ETFs oder der Zusammenstellung eines Portfolios überfordert fühlt, kann alternativ auf einen Robo-Advisor zurückgreifen.

Dabei handelt es sich um digitale Vermögensverwaltungen, die anhand eines kurzen Fragebogens zu Risikotoleranz und Anlagehorizont automatisch ein passendes, meist ETF-basiertes Portfolio zusammenstellen und dieses auch laufend automatisch anpassen (Rebalancing).

Der Vorteil liegt in der Einfachheit: Du musst dich nicht selbst um die Auswahl und Gewichtung einzelner Fonds kümmern.

Der Nachteil sind die im Vergleich zu einem selbst zusammengestellten ETF-Portfolio meist etwas höheren jährlichen Verwaltungsgebühren, die häufig zwischen 0,5 und 1 Prozent des angelegten Vermögens liegen.

Für Einsteiger, die vor allem Wert auf Bequemlichkeit legen und bereit sind, dafür etwas mehr zu zahlen, kann ein Robo-Advisor dennoch eine sinnvolle Option sein.

Nachhaltig investieren: Was ESG-Kriterien bedeuten

Immer mehr Anleger in Deutschland möchten ihr Geld nicht nur vermehren, sondern dabei auch ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigen – zusammengefasst unter dem Begriff ESG (Environmental, Social, Governance).

Entsprechende ETFs und Fonds schließen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Kohle, Waffen oder Tabak aus oder gewichten Unternehmen mit besonders guten Nachhaltigkeitsbewertungen stärker.

Wichtig zu wissen: Die Kriterien für "nachhaltig" unterscheiden sich je nach Anbieter und Indexanbieter teils erheblich, weshalb ein genauer Blick in die Zusammensetzung eines ESG-ETFs sinnvoll ist, bevor man investiert.

Wer sich unsicher ist, findet die genaue Aufschlüsselung der enthaltenen Unternehmen meist im sogenannten Factsheet des jeweiligen Fonds, das auf der Website des Anbieters veröffentlicht wird.

Trading versus langfristiges Investieren

Ein wichtiger Unterschied, der Einsteigern oft nicht bewusst ist: Trading und Investieren sind zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze.

Beim Trading versuchst du, von kurzfristigen Kursbewegungen zu profitieren, oft innerhalb von Stunden, Tagen oder wenigen Wochen. Das erfordert viel Zeit, technisches Wissen und eine hohe Risikobereitschaft, da auch Verluste entsprechend schnell entstehen können.

Studien zeigen wiederholt, dass die Mehrheit der privaten Trader auf lange Sicht keine bessere Rendite erzielt als der breite Markt – nach Abzug von Gebühren und Steuern sogar häufig eine schlechtere.

Langfristiges Investieren verfolgt dagegen einen entspannteren Ansatz: Geld wird über Jahre oder Jahrzehnte angelegt, kurzfristige Schwankungen werden bewusst ausgesessen.

Für die meisten Einsteiger, die keine Vollzeitbeschäftigung mit den Finanzmärkten anstreben, ist der langfristige Investitionsansatz der deutlich realistischere Weg zum Vermögensaufbau.

Schritt für Schritt: So investierst du deine ersten Euro

  1. Depot bei einem Broker eröffnen. In Deutschland stehen zahlreiche Online-Broker und Neobroker zur Auswahl, von klassischen Direktbanken bis hin zu App-basierten Anbietern. Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind die Regulierung durch eine anerkannte Aufsichtsbehörde, die Höhe der Order- und Depotgebühren, das Angebot an ETF-Sparplänen sowie die Benutzerfreundlichkeit der Plattform.
  2. Identität verifizieren. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Geldwäscheprävention (KYC/AML) musst du bei jedem regulierten Anbieter deine Identität nachweisen, meist per Video-Ident-Verfahren oder Post-Ident. Dieser Schritt dauert in der Regel nur wenige Minuten.
  3. Konto mit Geld ausstatten. Die meisten Broker akzeptieren SEPA-Überweisungen, Lastschrift oder Kartenzahlungen. Achte darauf, dass du nur Geld einzahlst, das nicht für laufende Ausgaben benötigt wird.
  4. Erste Investition tätigen. Für Einsteiger bietet sich häufig ein ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Weltindex an, weil er automatisch für Diversifikation sorgt und regelmäßiges, diszipliniertes Investieren ermöglicht, ohne dass du den Markt aktiv timen musst.
  5. Regelmäßig überprüfen, aber nicht überreagieren. Es reicht in der Regel, das eigene Portfolio ein- bis zweimal im Jahr zu überprüfen. Tägliches Kursschauen führt häufig eher zu impulsiven, emotional getriebenen Entscheidungen als zu besseren Ergebnissen.

Sparplan oder Einmalanlage?

Wer bereits eine größere Summe zur Verfügung hat, steht vor der Frage, ob er sie auf einen Schlag investieren oder über mehrere Monate verteilen soll. Statistisch gesehen erzielt eine sofortige Einmalanlage im Durchschnitt etwas höhere Renditen, weil das Geld länger am Markt arbeitet.

Der sogenannte Cost-Average-Effekt beim schrittweisen Einstieg – bei dem du zu unterschiedlichen Kursniveaus kaufst – reduziert dafür psychologisch das Risiko, exakt zum ungünstigsten Zeitpunkt einzusteigen, und eignet sich besonders für Einsteiger, die noch unsicher sind.

In der Praxis kombinieren viele Anleger beide Ansätze: einen Teil sofort investieren, den Rest über einen Sparplan verteilt nachziehen.

Steuern beim Investieren in Deutschland

Kapitalerträge unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungssteuer von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Diese Steuer wird von deinem Broker automatisch einbehalten und ans Finanzamt abgeführt, sodass du dich in den meisten Fällen nicht selbst darum kümmern musst.

Wichtig zu wissen: Der Sparerpauschbetrag legt fest, bis zu welcher Höhe Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei bleiben.

VeranlagungSparerpauschbetrag pro Jahr
Einzelperson1.000 Euro
Gemeinsam veranlagte Ehepaare2.000 Euro

Damit dein Broker diesen Freibetrag automatisch berücksichtigt, solltest du frühzeitig einen Freistellungsauftrag einrichten.

Das lässt sich in der Regel direkt online im Kundenportal erledigen und dauert nur wenige Minuten.

Diversifikation: Nicht alles auf eine Karte setzen

Diversifikation gehört zu den wichtigsten Prinzipien beim Investieren überhaupt.

Die Grundidee: Wenn du dein Geld über verschiedene Anlageklassen, Branchen und Regionen verteilst, wiegt der Wertverlust einer einzelnen Position weniger schwer, und dein Portfolio entwickelt sich insgesamt stabiler.

Ein häufiger Fehler deutscher Anleger ist der sogenannte Home Bias – die Tendenz, überproportional in heimische Aktien zu investieren, einfach weil sie vertrauter wirken.

Ein global gestreuter ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World deckt dagegen automatisch tausende Unternehmen aus zahlreichen Ländern und Branchen ab und reduziert dieses Klumpenrisiko erheblich.

Eine bewährte, einfache Grundstruktur für Einsteiger ist die sogenannte Kern-Satelliten-Strategie: Der überwiegende Teil des Portfolios – etwa 70 bis 90 Prozent – besteht aus einem oder zwei breit gestreuten Welt-ETFs als stabiles Fundament.

Der restliche, kleinere Teil kann in spezifischere Themen wie einzelne Aktien, Schwellenländer-ETFs oder auch Kryptowährungen fließen, ohne das Gesamtrisiko des Portfolios zu gefährden.

Häufige Fehler, die Anfänger vermeiden sollten

  • Den Markt timen wollen. Selbst professionelle Fondsmanager schaffen es selten zuverlässig, den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen. Ein regelmäßiger Sparplan über einen langen Zeitraum ist für die meisten Privatanleger die realistischere Strategie.
  • Emotional statt rational handeln. Panikverkäufe in Krisenzeiten und euphorische Käufe auf Marktspitzen zählen zu den häufigsten Renditekillern. Eine klar definierte Strategie, an die man sich auch in turbulenten Marktphasen hält, schützt vor solchen Fehlentscheidungen.
  • In Produkte investieren, die man nicht versteht. Wer nicht erklären kann, wie ein Finanzprodukt funktioniert und welche Risiken damit verbunden sind, sollte zunächst nicht investieren, egal wie vielversprechend die Rendite klingt.
  • Gebühren unterschätzen. Schon scheinbar kleine Unterschiede bei Order- oder Verwaltungsgebühren summieren sich über Jahrzehnte zu erheblichen Beträgen und schmälern die Rendite spürbar.
  • Nicht diversifizieren. Das gesamte Kapital in eine einzelne Aktie oder einen einzelnen Trend zu stecken, erhöht das Risiko unnötig, ohne dass dafür zwingend eine höhere erwartete Rendite winkt.
  • Zu spät anfangen. Der Zinseszinseffekt braucht Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten. Selbst kleine Beträge, die früh investiert werden, können langfristig mehr wert sein als größere Summen, die erst spät angelegt werden.

Den passenden Broker oder die passende App auswählen

Die Wahl des richtigen Anbieters hat direkten Einfluss auf Kosten und Nutzererlebnis. Bei der Auswahl lohnt sich ein Blick auf folgende Punkte:

  • Ist der Anbieter durch eine anerkannte Behörde wie die BaFin oder eine andere EU-Aufsichtsbehörde reguliert?
  • Wie hoch sind Order-, Depot- und eventuelle Auszahlungsgebühren?
  • Bietet die Plattform ETF-Sparpläne mit niedrigen oder keinen Mindestbeträgen an?
  • Wie benutzerfreundlich sind Web-Plattform und mobile App im Alltag?

Ein kostenloses Demokonto kann zusätzlich helfen, sich vor der ersten echten Investition mit der Handhabung von Orders, Chartansichten und Portfolioübersichten vertraut zu machen, ohne dabei reales Kapital zu riskieren.

FAQ

Investieren lohnt sich grundsätzlich, sobald ein finanzieller Puffer vorhanden ist und keine teuren Schulden mehr bestehen. Je früher du beginnst, desto länger kann der Zinseszinseffekt wirken – selbst kleine, früh investierte Beträge können langfristig größere Summen ergeben als höhere Beträge, die erst spät angelegt werden.

Ja. Breit gestreute ETF-Sparpläne erfordern kein tiefes Fachwissen über einzelne Unternehmen, da sie automatisch über hunderte oder tausende Firmen streuen. Wichtig ist trotzdem ein grundlegendes Verständnis von Risiko, Diversifikation und dem eigenen Anlagehorizont, bevor man loslegt.

Wertpapiere gelten in Deutschland und der EU als Sondervermögen und sind im Falle einer Insolvenz des Brokers rechtlich vom Vermögen des Unternehmens getrennt. Zusätzlich unterliegen Bareinlagen bei regulierten Anbietern häufig der gesetzlichen Einlagensicherung. Achte dennoch stets darauf, dass dein Anbieter von einer anerkannten Behörde reguliert wird.

Reine Online-Broker und Neobroker sind meist auf den Handel mit Wertpapieren spezialisiert und bieten oft niedrigere Gebühren als klassische Filialbanken, dafür aber in der Regel weniger persönliche Beratung. Für Einsteiger, die selbstständig in ETFs oder Aktien investieren möchten, reicht ein spezialisierter Online-Broker in den meisten Fällen völlig aus.

Bei den meisten Wertpapieren wie Aktien und ETFs ist ein Verkauf an Börsentagen jederzeit möglich, das Geld steht dann nach der Abwicklung meist innerhalb weniger Werktage zur Verfügung. Anders als etwa bei Festgeld gibt es hier keine feste Bindungsfrist. Beachte jedoch, dass ein Verkauf in einer Marktschwäche auch bedeuten kann, mit Verlust zu verkaufen.

In der Regel führt dein Broker die Abgeltungssteuer automatisch ab, sodass keine gesonderte Angabe in der Steuererklärung nötig ist. Ausnahmen gibt es etwa bei ausländischen Brokern ohne deutschen Steuerabzug oder wenn du deinen Sparerpauschbetrag über mehrere Anbieter verteilst – hier lohnt sich im Zweifel eine Rücksprache mit einem Steuerberater.

Für die meisten Einsteiger sind breit gestreute ETFs die pragmatischere Wahl, da sie automatisch für Diversifikation sorgen und keine tiefgehende Analyse einzelner Unternehmen erfordern. Einzelaktien können ergänzend interessant sein, sollten aber eher einen kleineren Teil des Portfolios ausmachen, insbesondere solange noch wenig Erfahrung mit der Bewertung von Unternehmen vorhanden ist.

Am gängigsten sind ETFs, da sie breit gestreut und kostengünstig sind. Daneben eignen sich Tagesgeld für den Notgroschen, Anleihen zur Stabilisierung sowie in kleinerem Umfang Einzelaktien, Edelmetalle oder Kryptowährungen.

Notgroschen aufbauen, Schulden tilgen, Ziel und Anlagehorizont festlegen, dann ein Depot bei einem regulierten Broker eröffnen und mit einem ETF-Sparplan starten, zum Beispiel schon ab 25 Euro im Monat.

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Harry Atkins
Financial Writer
Harry A.
Harry is a Financial Writer for Invezz. He has more than a decade of experience writing, editing, and managing content for blue-chip companies, with a background spanning high street and investment banks, insurance companies, and trading platforms.