Invezz

Ukraine geht gegen 60 Kryptofirmen und 73 Personen wegen Umgehung russischer Sanktionen vor

Ukraine geht gegen 60 Kryptofirmen und 73 Personen wegen Umgehung russischer Sanktionen vor
Diya Poddar
07. Juli 2025, 15:11 PM
  • Zu den Zielen gehören Krypto-Miner, Börsen und Payment-Tech-Unternehmen.
  • Betroffen sind auch ausländische Unternehmen aus Zypern, Kasachstan und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Der Schritt zielt darauf ab, Russland daran zu hindern, Kryptowährungen zur Umgehung von Sanktionen zu nutzen.

Die Ukraine hat ihre Kampagne des wirtschaftlichen Drucks gegen Russland ausgeweitet, indem sie Sanktionen gegen 60 mit Kryptowährungen verbundene Unternehmen und 73 Personen verhängt hat, die an Finanzsystemen beteiligt sind, mit denen internationale Beschränkungen umgangen werden sollen.

Die neuen Sanktionen, die am 6. Juli von Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnet wurden, frieren alle ukrainischen Vermögenswerte der benannten Unternehmen ein und verbieten ihnen, innerhalb des Landes Geschäfte zu tätigen.

Der Schritt zeigt, wie digitale Vermögenswerte zunehmend zur Umgehung traditioneller Sanktionen und zur Finanzierung von Kriegsoperationen eingesetzt werden, insbesondere im Zusammenhang mit der anhaltenden russischen Invasion in der Ukraine.

Krypto-Mining-Infrastruktur auf dem Prüfstand

Die Sanktionen richten sich insbesondere gegen eine Reihe von Akteuren im russischen Ökosystem des digitalen Finanzwesens.

Unter den 55 betroffenen russischen Unternehmen sind 19 Kryptowährungs-Mining-Betriebe, 17 betreiben Informationssysteme für digitale Finanzanlagen und 19 unterstützen die russische Finanzinfrastruktur, einschließlich Herstellern von Zahlungshardware und internationalen Zahlungsvermittlern.

Die Liste umfasst fünf Krypto Börse Operatoren.

Diese koordinierte Anstrengung zielt darauf ab, digitale Zahlungs- und Überweisungsnetzwerke zu zerschlagen, die es Russland nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes und seiner Partneragenturen ermöglicht haben, Gelder in seinen militärisch-industriellen Komplex umzuleiten.

Ein ungenanntes Unternehmen, das in diesem Paket sanktioniert wurde, soll allein in diesem Jahr mehrere Milliarden Dollar durch Krypto-Transaktionen überwiesen und dabei blockierte traditionelle Bankkanäle umgangen haben.

Ausländischen Unternehmen droht das Einfrieren von Vermögenswerten

Die Sanktionen sind nicht auf russische inländische Unternehmen beschränkt. Ausländische Firmen, von denen angenommen wird, dass sie mit sanktionierten russischen Institutionen zusammenarbeiten, wurden ebenfalls einbezogen.

Dazu gehören TOKENTRUST HOLDINGS LIMITED aus Zypern, EXMO RBC LTD aus Kasachstan und drei Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Einige dieser ausländischen Unternehmen wurden bereits von den USA sanktioniert, was den Druck noch erhöhte.

Das Dekret richtet sich auch gegen 73 Personen, von Führungskräften und Eigentümern der sanktionierten Unternehmen bis hin zu Beamten, die mit der russischen Zentralbank in Verbindung stehen.

Diese Personen unterliegen nun dem gleichen Einfrieren von Vermögenswerten und dem Verbot wirtschaftlicher Aktivitäten in der Ukraine, wodurch das Netz um Russlands alternative Finanzierungswege enger wird.

Die Rolle von Kryptowährungen im Krieg

Präsident Selenskyj betonte, dass dieser Schritt nicht nur mit den internationalen Partnern der Ukraine abgestimmt sei, sondern auch auf einer unabhängigen nationalen Strategie beruhe.

Er warnte davor, dass der Kreml sich bei seinen Operationen immer stärker auf dezentrale digitale Vermögenswerte stützt, da die formellen Finanznetzwerke für Moskau immer unzugänglicher werden.

Dem Präsidenten zufolge ist Russlands wachsende Abhängigkeit von Kryptowährungstransaktionen zu einem zentralen Anliegen der ukrainischen und verbündeten Geheimdienste geworden.

Selenskyj sagte auch, dass die Ukraine plant, nächste Woche weitere Maßnahmen einzuführen, um sie vollständig mit den Sanktionspaketen der Europäischen Union zu synchronisieren.

Mit diesen bevorstehenden Maßnahmen soll die Angleichung der Ukraine an die europäischen Sanktionsregime, insbesondere im Finanz- und Digitalvermögenssektor, gestärkt werden.

Digitale Assets verknüpft Spionage

Der Vorfall lenkt die Aufmerksamkeit auf die weitreichenden Auswirkungen der Nutzung von Kryptowährungen in globalen Konflikten.

Digitale Vermögenswerte, die von vornherein dezentralisiert sind und oft außerhalb der Reichweite herkömmlicher Finanzüberwachung operieren, erweisen sich nicht nur als wirksame Instrumente, um Wirtschaftssanktionen zu umgehen, sondern auch um Spionage zu erleichtern.

Diese jüngste Entwicklung bei der finanziellen Razzia in der Ukraine spiegelt eine sich verändernde Landschaft wider, in der Kryptowährungen, die einst für ihr innovatives Potenzial gepriesen wurden, zunehmend als Waffe in geopolitischen Kämpfen eingesetzt werden.

Mit der Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen sind Regierungen und internationale Gremien gezwungen, Kryptoströme genauso wachsam zu überwachen wie traditionelle Geldkanäle.