Ernst & Young wird wegen des Buchhaltungsskandals von Wirecard in Höhe von 1,7 Mrd. Pfund vor Gericht gestellt

Ernst & Young wird wegen des Buchhaltungsskandals von Wirecard in Höhe von 1,7 Mrd. Pfund vor Gericht gestellt
Wajeeh Khan
27. Juni 2020, 18:59 PM
  • Ernst & Young muss sich wegen Wirecard-Skandal i.H.v 1,7 Mrd. Pfund vor Gericht verantworten.
  • Schirp & Partner reicht eine Sammelklage gegen Ernst & Young ein.
  • SoftBank kann EY auch wegen seiner Investition in Wirecard i.H.v 818,38 Mio. Pfund verklagen.

Der Bilanzskandal der Wirecard AG (ETR: WDI) führte nicht nur zum Zusammenbruch des Zahlungsunternehmens, das einst als Deutschlands Erfolgsgeschichte im Fintech-Bereich bezeichnet wurde, sondern auch der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young wird von den Aktionären unter Druck gesetzt.

Die Aktien des Unternehmens gingen am Freitag um rund 50% zurück. Mit 1,14 £ pro Aktie liegt Wirecard nun 99% unter dem bisherigen Jahreskurs an der Börse. Erfahren Sie mehr über die Finanzanalyse eines Unternehmens.

Schirp & Partner reicht eine Sammelklage gegen Ernst & Young ein

In seiner Erklärung vom Freitag kündigte der deutsche Aktionärsverein an, eine Klage gegen einen ehemaligen Mitarbeiter und zwei aktuelle Mitarbeiter von EY eingereicht zu haben. Der Wirtschaftsprüfer hatte in der vergangenen Woche die Genehmigung des Wirecard-Abschlusses 2019 wegen einer Diskrepanz von 1,7 Mrd. Pfund verweigert. Das deutsche Unternehmen hat daraufhin am Donnerstag dieser Woche Insolvenz angemeldet.

In einem Interview mit CNBC am Donnerstag sagte Ernst & Young:

"Es gibt klare Anzeichen dafür, dass es sich um einen ausgeklügelten und raffinierten Betrug handelte, an dem mehrere Parteien in verschiedenen Institutionen auf der ganzen Welt beteiligt waren und der vorsätzlich auf Täuschung abzielte.

Im Zuge der Aufklärung des Skandals nimmt der rechtliche Druck auf den Rechnungsprüfer ständig zu. Anfang Juni sah sich EY mit einer Sammelklage von Schirp & Partner konfrontiert. Die Anwaltskanzlei behauptete, dass das Beratungsunternehmen es nicht geschafft habe, einen Buchhaltungsfehler in Höhe von 910 Mio. Pfund Sterling in den Wirecard-Konten für 2018 aufzuzeigen.

Die deutsche Staatsanwaltschaft strebt zudem einen internationalen Haftbefehl gegen den ehemaligen COO von Wirecard, Jan Marsalek, an, der wegen Beteiligung an dem Finanzbetrug angezeigt ist. Nach Angaben des Justizministers von Manila war Marsalek diese Woche auf den Philippinen. Das ehemalige Vorstandsmitglied ist nun nach China geflohen.

SoftBank kann auch Ernst & Young verklagen

Wie der Spiegel berichtet, steht auch SoftBank kurz davor, den Rechnungsprüfer zu verklagen. Im Jahr 2019 investierte der japanische Mischkonzern 818,38 Mio. Pfund in den deutschen Zahlungsverkehrsabwickler. Auch die britische Financial Conduct Authority hat Wirecard Card Solutions am Freitag angewiesen, alle regulierten Aktivitäten sofort einzustellen.

Wirecard prüft derzeit die Notwendigkeit eines Insolvenzantrags für ihre Tochtergesellschaften und wies darauf hin, dass ihre deutsche Bank von dem anfänglichen Verfahren ausgenommen ist. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat einen Sonderbeauftragten für die Wirecard Bank ernannt, die ihrerseits von der Europäischen Union wegen des Zusammenbruchs von Wirecard untersucht wird.

Einst auf 22,5 Mrd. £ geschätzt, hat das deutsche Fintech-Unternehmen heute eine Marktkapitalisierung von 177,42 Mio. £ und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 0,33.