Inflationsdaten Deutschlands: Steuert das Land auf eine Stagflation zu?

Inflationsdaten Deutschlands: Steuert das Land auf eine Stagflation zu?
Katya Stead
31. Jan. 2024, 14:51 PM
  • Deutschlands BIP-Zahlen, Inflationsdaten und Arbeitslosigkeit könnten auf eine drohende Stagflation hinweisen
  • Das deutsche BIP ist in den letzten Monaten in besorgniserregender Weise geschrumpft
  • In der Zwischenzeit stagniert die Beschäftigung, und die Inflation ist noch nicht besiegt

Gestern hat ein Großteil Europas seine Zahlen für das 4. Quartal zum BIP-Wachstum - oder -Schrumpfung bekannt gegeben. Und in keinem Land waren die Daten alarmierender als in Deutschland.

Heute kamen weitere beunruhigende Zahlen ans Licht, als Deutschland seine Arbeitslosen- und Inflationszahlen für Januar 2024 bekannt gab. Dies warf die Frage auf: Steuert Deutschland auf eine Stagflation zu?

Was ist eine Stagflation?

Eine Stagflation wird von Ökonomen weitgehend als das schlimmste aller wirtschaftlichen Umfelder angesehen, mit dem man umgehen muss - noch schlimmer als eine einfache Rezession.

Das liegt daran, dass eine Stagflation aus drei negativen Auswirkungen besteht - hohe Inflation, steigende Arbeitslosigkeit und geringes oder gar kein Wirtschaftswachstum. Diese drei Faktoren verstärken sich im Laufe der Zeit gegenseitig in einem Teufelskreis, so dass es in den meisten Fällen äußerst schwierig ist, eine Stagflation zu überwinden.

Langsames bis kein Wirtschaftswachstum

Die deutsche Wirtschaft boomt sicherlich nicht. Gestern meldete Deutschland, dass seine Wirtschaft in den letzten Monaten des Jahres um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und für 2023 insgesamt um 0,2 % geschrumpft ist.

Tatsächlich wäre das Land in eine technische Rezession eingetreten, wenn die Zahlen der Vormonate nicht nach oben korrigiert worden wären. Eine technische Rezession ist definiert durch zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum - etwas, das sicherlich auch 2024 noch möglich ist.

Die heutigen Beschäftigungszahlen

Heute Morgen gab die Bundesagentur für Arbeit bekannt, dass die offizielle Arbeitslosenquote des Landes im Januar 2024 geringfügig von 5,9 % auf 5,8 % gesunken ist.

Die bereinigte Arbeitslosenquote lag jedoch im Januar bei 5,8 % und damit auf dem gleichen Niveau wie im Dezember und November 2023. Damals wurde auch bekannt, dass die deutsche Arbeitslosenquote im Dezember 2023 auf 2,9 % revidiert wurde, womit sie seit Dezember 2022 unverändert blieb.

Die Beschäftigung bleibt also "stabil", hat aber auch ein Plateau erreicht und ist in den letzten drei Monaten und sogar im Jahresvergleich seit Dezember 2022 nicht mehr gewachsen, obwohl die Inflation sowohl im November als auch im Dezember 2023 angeblich gesunken ist.

Inflation: die gute - und die schlechte - Nachricht

Im Vorfeld der Bekanntgabe der Inflationsrate am heutigen Nachmittag gehen Marktexperten davon aus, dass die Inflation im Januar bei 3 % im Jahresvergleich liegen wird, was einen erfreulichen Rückgang gegenüber den 3,7 % im Januar 2022 bedeutet.

Bei der Inflation im Monatsvergleich sieht es jedoch anders aus. Die Prognostiker rechnen für Januar mit einem Anstieg der Inflation um 0,1 Prozentpunkte auf 0,2 %, ein Anstieg gegenüber der Inflationsrate von 0,1 % im Dezember, über die sich das Land seinerzeit freute.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, die Inflation wahrscheinlich geringfügig ansteigt und die Arbeitslosenzahlen unverändert bleiben - aber auch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden.

Eine Stagflation ist für Deutschland in Zukunft durchaus denkbar, zumal die Europäische Zentralbank zunehmend unter Druck steht, die Zinssätze zu senken, um das Wachstum anderer Volkswirtschaften wie Spanien und Italien nicht zu bremsen.