Australiens Notenbankchef hält trotz schwachen Wachstums an Zinssenkungen fest

Australiens Notenbankchef hält trotz schwachen Wachstums an Zinssenkungen fest
Prachi Khanna
05. Sept. 2024, 06:35 AM
  • Der Gouverneur der RBA sagt, Zinssenkungen seien verfrüht, da die Inflation weiterhin hoch sei.
  • Die australische Wirtschaft weist ein schwaches Wachstum auf und der private Konsum schleppt sich.
  • Die Märkte erwarten Zinssenkungen bis Dezember, aber die RBA bleibt bei ihrer vorsichtigen Haltung.

In einer Rede bekräftigte die Gouverneurin der Reserve Bank of Australia (RBA), Michele Bullock, dass es noch verfrüht sei, kurzfristige Zinssenkungen in Betracht zu ziehen, und betonte, dass der Schwerpunkt der Zentralbank weiterhin auf der Bekämpfung der Inflation liege.

Ihre Bemerkungen fielen vor dem Hintergrund schwachen Wirtschaftswachstums und gemischter Inflationsdaten. Gouverneur Bullock bekräftigte, dass die oberste Priorität der RBA darin bestehe, die Inflation auf ihren Zielbereich von 2-3% zu senken.

Obwohl ein monatlicher Verbraucherpreisindexbericht auswies, dass die Inflation im Juli auf 3,5% zurückgegangen sei, warnte sie, dass der Inflationsdruck insbesondere im Wohnungs- und Marktdienstleistungssektor anhalte.

Bullock betonte, diese Faktoren würden dazu beitragen, dass die Kerninflation über der Zielspanne bleibe, die voraussichtlich erst Ende 2025 erreicht werde.

„Wenn sich die Wirtschaft im Großen und Ganzen wie erwartet entwickelt, geht der Vorstand nicht davon aus, dass er in der Lage sein wird, die Zinsen kurzfristig zu senken“, erklärte Bullock.

Ihre Kommentare spiegeln ihr anhaltendes Bekenntnis zu einer harten Geldpolitik wider, auch wenn aktuelle Daten zeigen, dass die australische Wirtschaft nur schwer in Schwung kommt.

Australische Wirtschaft kämpft

Aktuelle Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass Australiens Wirtschaft im zweiten Quartal 2024 kaum gewachsen ist, wobei der private Konsum das Gesamtwachstum bremste.

Diese schleppende Entwicklung heizte die Marktspekulationen über mögliche Zinssenkungen an, doch Bullocks Rede unterstreicht die Zurückhaltung der Zentralbank, ihren geldpolitischen Kurs voreilig zu ändern.

Die RBA hat den Leitzins seit November 2023 bei 4,35 % belassen, einem Niveau, das als restriktiv genug gilt, um ihr Inflationsziel zu erreichen und gleichzeitig den Beschäftigungszuwachs zu unterstützen.

Bullock warnte jedoch, dass die Zentralbank möglicherweise drastischere Maßnahmen zur Kontrolle der Inflation ergreifen müsse, wenn sich diese in den Erwartungen verfestige. Dies könne zu einer weiteren Verlangsamung der Konjunktur führen.

Märkte rechnen mit möglichen Zinssenkungen

Trotz der aktuellen Position der RBA gehen Marktteilnehmer immer noch davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank im November eine Zinssenkung vornehmen könnte, bei 42 % liegt.

Diese Erwartung ist teilweise auf erwartete Anpassungen der Geldpolitik der US-Notenbank und anderer wichtiger Notenbanken zurückzuführen, die ihre Geldpolitik in naher Zukunft ebenfalls lockern dürften.

Bullock räumte zwar die Unsicherheit ein, die die Wirtschaftsprognosen der RBA umgibt, betonte jedoch, dass jede Entscheidung zur Anpassung der Zinssätze auf der Grundlage sich entwickelnder wirtschaftlicher Bedingungen getroffen würde.

Sie wies darauf hin, dass sich die Inflation im Einzelhandel zwar ihrem historischen Durchschnitt nähere und die administrierten Preise nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt lägen, die Mietinflation und die Arbeitskosten jedoch weiterhin einen Aufwärtsdruck auf die Gesamtinflation ausübten.

Gouverneur betont anhaltenden Inflationsdruck

Bullock betonte, dass die Mietinflation voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erhöht bleiben werde, während das Wachstum der Arbeitskosten robust bleibe.

Die Kombination aus steigenden Löhnen und schwachem Produktivitätswachstum trägt zum anhaltenden Inflationsdruck bei, den die RBA in den Griff zu bekommen versucht.

„Letztendlich ist es entscheidend, sich daran zu erinnern, dass wir unser Ziel der Vollbeschäftigung nicht erreichen, wenn wir die Inflation auf unbestimmte Zeit über dem Zielwert bleiben lassen“, erklärte Bullock.

Ihre Kommentare unterstreichen die Entschlossenheit der Zentralbank, ihre Inflationsziele zu erreichen, selbst wenn dies bedeutet, auf absehbare Zeit eine restriktive Geldpolitik beizubehalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Markterwartungen zwar nahelegen, dass Zinssenkungen bevorstehen könnten, Bullocks Rede jedoch den vorsichtigen Ansatz der RBA bekräftigte.

Die Zentralbank konzentriert sich weiterhin auf die Bekämpfung des anhaltenden Inflationsdrucks und ist bereit, ihren geldpolitischen Kurs bei Bedarf auf der Grundlage der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung anzupassen.