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Warum das FBI seinen eigenen Krypto-Token namens „NexFundAI“ erstellt hat

Warum das FBI seinen eigenen Krypto-Token namens „NexFundAI“ erstellt hat
Deepali Singh
10. Okt. 2024, 07:41 AM
  • Das FBI hat einen Kryptowährungs-Token namens NexFundAI eingeführt, um Marktmanipulatoren zu fassen.
  • Das US-Justizministerium hat erstmals ein Strafverfahren gegen Finanzunternehmen wegen Manipulation des Kryptomarkts eingeleitet.
  • Die Angeklagten nutzten klassische Pump-and-Dump- und Wash-Trading-Systeme, um die Token-Preise in die Höhe zu treiben.

In einem bahnbrechenden Schritt hat das US-Justizministerium (DOJ) achtzehn Personen und Unternehmen wegen der Manipulation der Kryptowährungsmärkte angeklagt. Dies ist die erste strafrechtliche Verfolgung von Finanzdienstleistungsunternehmen, die an derartigen Aktivitäten beteiligt waren.

Der Fall, der am Mittwoch von einem Bundesrichter geöffnet wurde, enthüllt ein ausgeklügeltes System, das darauf abzielt, den Wert von Kryptowährungs-Token durch illegale Praktiken in die Höhe zu treiben.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der einzigartige Ansatz des Federal Bureau of Investigation (FBI): die Schaffung eines eigenen Kryptowährungs-Tokens namens NexFundAI und einer Scheinfirma, um die Verantwortlichen für die Marktmanipulation zu infiltrieren und zu entlarven.

In der Beschwerde des US-Justizministeriums wird dargelegt, wie diese verdeckte Operation auf ein namhaftes Kryptowährungsunternehmen mit einem Marktwert von mehreren Milliarden Dollar abzielte.

Erstes Strafverfahren gegen Finanzunternehmen im Kryptobereich

Dieser Fall ist das erste Mal, dass das US-Justizministerium Finanzunternehmen und nicht Einzelpersonen wegen kryptobezogener Marktmanipulation anklagt.

Zuvor hatte das Justizministerium Avraham Eisenberg strafrechtlich verfolgt, der im April wegen seiner Beteiligung an der Manipulation der Mango Markets-Plattform verurteilt wurde.

Die verdeckte Operation des FBI führte jedoch zu einer neuen Ebene der Kreativität in der Taktik der Strafverfolgungsbehörden.

Jodi Cohen, die leitende Sonderagentin des FBI-Büros in Boston, erklärte, die Behörde habe einen „beispiellosen Schritt“ unternommen, indem sie einen neuen Kryptowährungs-Token entworfen und ihn als Köder verwendet habe, um mutmaßliche Manipulatoren anzulocken.

Diese Strategie spielte laut Cohen eine entscheidende Rolle bei der Ergreifung derjenigen, die für die künstliche Steigerung der Token-Preise verantwortlich waren.

Uraltes Schema in einer neuen Branche
Kryptowährungen mögen ein relativ neues Finanzumfeld darstellen, die Methoden, sie zu manipulieren, sind es jedoch nicht.

Die von den Angeklagten angewandten Manipulationstaktiken, wie etwa das sogenannte Wash-Trading – eine Praxis, bei der gefälschte Kauf- und Verkaufsaufträge erstellt werden, um die Marktnachfrage zu simulieren – werden in der Klage als „jahrhundertealtes Schema“ bezeichnet.

Marktmanipulation ist im Kryptowährungssektor seit Jahren ein bekanntes Problem.

Insbesondere Offshore-Börsen sind dafür berüchtigt, die Token-Preise in die Höhe zu treiben. Einige Analysten gehen davon aus, dass bis zu 50 % oder mehr aller Handelsvolumina durch betrügerische Praktiken künstlich in die Höhe getrieben werden.

NexFundAI: Ein Token, der erstellt wurde, um Betrug aufzudecken
Die vom FBI geschaffene Plattform NexFundAI, die auf der Ethereum-Blockchain basierte, ermöglichte es den Agenten, wichtige Marktteilnehmer unter dem Vorwand, deren illegale Dienste in Anspruch zu nehmen, zu kontaktieren.

Einer der Angeklagten, der sich selbst als „Mastermind“ bezeichnete, beschrieb, wie sein Unternehmen automatisierte Bots nutzte, um gleichzeitige Kauf- und Verkaufsaufträge an zentralen Börsen auszuführen und so das Handelsvolumen zu steigern.

Im September verlangte der Angeklagte eine Vorauszahlung von 2.000 Dollar für seine Dienste und noch letzte Woche führten die Bots seiner Firma Wash-Trades im Wert von mehreren Millionen Dollar durch.

Schließlich griffen die Strafverfolgungsbehörden ein und deaktivierten die Bots.

Interessanterweise wird NexFundAI laut DEX Screener, einem Dienst zur Verfolgung von Kryptowährungspreisen, selbst nach der Pleite immer noch aktiv gehandelt und hat eine Marktkapitalisierung von rund 237.000 US-Dollar.

Saitama und Gotbit: Ein 7,5 Milliarden Dollar schweres Pump-and-Dump-System
Zu den Hauptakteuren dieses Plans gehörte Saitama, ein in Massachusetts ansässiges Kryptounternehmen.

Laut dem Justizministerium arbeitete Saitama mit einem Market Maker namens Gotbit zusammen, um den Wert seines Tokens auf außergewöhnliche 7,5 Milliarden Dollar zu steigern.

Angeblich verkauften Führungskräfte bei Saitama ihre Token im Geheimen und strichen auf dem aufgeblähten Markt Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe ein.

Gotbit, das zuvor wegen unethischen Verhaltens aufgefallen war, spielte bei dieser Manipulation eine bedeutende Rolle.

Ein Mitbegründer von Gotbit hatte gegenüber CoinDesk im Jahr 2019 zugegeben, dass die Praktiken des Unternehmens „nicht ganz ethisch“ seien.

Internationale Angeklagte und umfassendere Gerichtsverfahren
Mehrere der Angeklagten waren international tätig, wobei wichtige Akteure in Portugal und Russland ansässig waren.

Fünf der Angeklagten haben sich bereits schuldig bekannt oder sich im Austausch für mildere Strafen bereit erklärt, mit dem Justizministerium zusammenzuarbeiten.

Zusätzlich zu den Strafanzeigen des US-Justizministeriums hat die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) separate Zivilklagen eingereicht, in denen sie den Market-Making-Unternehmen vorwirft, gegen US-Wertpapiergesetze verstoßen zu haben.

Dieser Fall stellt einen bedeutenden Präzedenzfall in der Welt der Kryptowährungsregulierung dar und könnte ein Zeichen für eine aggressivere Haltung der US-Behörden im Kampf gegen betrügerische Praktiken innerhalb der Branche sein.

Die erfolgreiche Strafverfolgung durch das US-Justizministerium, die durch die verdeckte Arbeit des FBI unterstützt wurde, unterstreicht die zunehmende Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität im digitalen Zeitalter.