Brasilianische Zentralbank steht angesichts widersprüchlicher Daten vor der bisher härtesten Entscheidung zum Zinssatz

Brasilianische Zentralbank steht angesichts widersprüchlicher Daten vor der bisher härtesten Entscheidung zum Zinssatz
Noris Soto
18. Juni 2025, 16:31 PM
  • Die brasilianische Zentralbank steht angesichts widersprüchlicher Inflations- und Aktivitätsdaten vor einer schwierigen Selic-Zinsentscheidung.
  • Die kurzfristige Inflation hat sich verbessert, aber die langfristigen Erwartungen liegen nach wie vor über den Zielwerten.
  • Die Märkte sehen entweder ein Halten bei 14,75% oder eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte, wobei keine weiteren Erhöhungen wahrscheinlich sind.

Die brasilianische Zentralbank steht an diesem Mittwoch vor einem kritischen Zeitpunkt, da sich ihr geldpolitischer Ausschuss (Copom) darauf vorbereitet, ihre Entscheidung über den Selic-Zinssatz bekannt zu geben.

In einem Bericht der lokalen Medienplattform Infomoney wurde der XP-Ökonom Tiago Sbardelotto mit den Worten zitiert, dass er die bevorstehende Entscheidung – ob der Leitzins beibehalten oder angehoben werden soll – als eine der komplexesten der letzten Jahre bezeichnete, inmitten widersprüchlicher Signale aus den jüngsten Wirtschaftsdaten.

Einerseits hat sich die kurzfristige Inflation abgeschwächt, was auf eine stärker als erwartete Produktion im verarbeitenden Gewerbe und einen stabileren Wechselkurs zurückzuführen ist.

Auf der anderen Seite sind die breiteren Konjunkturindikatoren nach wie vor uneinheitlich.

Die Konjunktur zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor.

Die Inflationserwartungen liegen jedoch nach wie vor über dem offiziellen Ziel, was darauf hindeutet, dass der langfristige Inflationsdruck noch nicht vollständig eingedämmt werden kann.

Daten senden gemischte Signale

Die politischen Entscheidungsträger haben seit der letzten COPOM-Sitzung signalisiert, dass zukünftige Zinsentscheidungen stark von den eingehenden Wirtschaftsdaten geleitet werden.

Der XP-Ökonom Sbardelotto merkte jedoch an, dass die jüngsten Indikatoren keine klare Richtung vorgeben.

Der Indikatorstrom erlaube keine sehr schlüssige Meinung darüber, was die Antwort der Zentralbank sein sollte, sagte er im Morning Call-Programm von XP.

Die Zentralbank konzentriert sich weiterhin darauf, die anhaltend hohen Inflationserwartungen zu erfüllen.

Während die Aufwertung des Real – von 6 R$ auf 5,50 R$ – dazu beigetragen hat, den kurzfristigen Inflationsdruck zu verringern, deuten die Prognosen immer noch auf einen Anstieg der Gesamtinflation auf 4,8 % in diesem Jahr und 3,6 % im Jahr 2026 hin.

Beide liegen über dem Inflationsziel der Zentralbank, so dass wenig Spielraum für Zinssenkungen bleibt.

Unsicherheit in den Botschaften der Zentralbanken

Das Fehlen einer Klarstellung durch die Führung der Zentralbank verschärft die Situation.

Präsident Gabriel Galípolo und andere Behörden haben keine klaren Angaben über den zukünftigen Weg der COPOM gemacht.

Aufgrund der Vagheit in der Kommunikation spekulieren Analysten und Märkte darüber, ob der Ausschuss den Zinssatz bei 14,75% belassen oder um 25 Basispunkte anheben wird.

Sbardelotto ist der Ansicht, dass es angesichts der verzögerten Auswirkungen der Geldpolitik und des aktuellen Flusses von Wirtschaftsdaten die klügste Vorgehensweise ist, den Selic-Zinssatz bei 14,75% zu belassen.

Er schloss jedoch die Aussicht auf eine geringfügige Anhebung nicht aus und betonte, dass ein solcher Schritt immer noch mit dem allgemeinen Ziel von Copom vereinbar wäre, die Inflation zu bekämpfen.

Die Zinsen bleiben bis 2026 hoch

Unabhängig davon, ob die Zentralbank die Zinsen in dieser Woche beibehält oder anhebt, glaubt der Ökonom von XP, dass sich der Straffungszyklus seinem Ende nähert.

Ab diesem Zeitpunkt rechnet der Analyst nicht mit weiteren Zinserhöhungen.

Der Spielraum für Zinssenkungen wird begrenzt bleiben, bis sich die Inflationserwartungen wieder dem gesetzlichen Ziel annähern und die Haushaltskonsolidierung ausgeweitet wird.

Für Sbardelotto deutet dies darauf hin, dass eine geldpolitische Lockerung bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2026 nicht in Frage kommt.