Zinssenkungen der Fed erneut verschoben? Goldman Sachs erwartet Lockerung erst 2027

Zinssenkungen der Fed erneut verschoben? Goldman Sachs erwartet Lockerung erst 2027
Devesh Kumar
08. Juni 2026, 07:12 AM

Unterstützt von

Invezz
Long USD vs majors (UUP)

Länger anhaltend höhere Zinsen stützen den Dollar, da US-Renditen relativ hoch bleiben. Empfehlung: Invesco DB US Dollar Index Bullish Fund (UUP). Warum: Verzögerte Senkungen reduzieren den Anreiz, USD zu verkaufen; der Artikel weist zudem auf steigende Wahrscheinlichkeiten für Erhöhungen hin. Hauptrisiko: Die Inflation kühlt schnell ab und die Märkte kehren zu aggressiver Zinssenkungseingepreisung zurück, wodurch US-Renditen sinken und der Dollar schwächer wird.

Kernrisiko: Die Märkte preisen frühere Senkungen ein, wodurch US-Renditen sinken und der USD schwächer wird.

Short US Duration (TLT)

Dass Goldman die Senkungen bis 2027 verschiebt, bedeutet länger anhaltend höhere Zinsen. Empfehlung: Verkaufen Sie iShares 20+ Year Treasury Bond ETF (TLT), um das Risiko eines Duration-Selloffs auszudrücken, während der Markt weniger Senkungen und mehr Erhöhungen einpreist. Warum: stärkere Beschäftigung und ein hartnäckiger Pfad der Kerninflation verzögern Lockerungen und halten die Renditen am langen Ende erhöht. Hauptrisiko: Ein schneller Rückgang der Kern-PCE in Richtung 2% (oder ein klares Rezessionssignal) zwingt die Fed, früher als 2027 zu senken, was Short-Positionen in Duration stark treffen würde.

Kernrisiko: Die Kern-PCE fällt schnell und die Fed ist gezwungen, früher als erwartet zu senken.

  • Goldman Sachs erwartet jetzt, dass Zinssenkungen der Fed erst 2027 beginnen.
  • Starke US-Arbeitsmarktdaten führen Wall Street zu einer Einschätzung höherer Zinsen.
  • Öl, Zölle und Inflationsrisiken verzögern voraussichtlich eine Lockerung der Fed-Politik.

Goldman Sachs hat seine Prognose für die nächsten Zinssenkungen der Federal Reserve auf 2027 verschoben und signalisiert damit, dass stärkeres US-Wachstum, robustere Einstellungen und hartnäckige Inflationsrisiken die Geldpolitik länger strenger halten könnten als vom Markt erwartet.

Die Wall-Street-Bank rechnet nun damit, dass die Fed die Zinsen bis 2026 unverändert lässt, mit Senkungen im Juni und Dezember 2027.

Die bisherige Prognose sah zwei Reduzierungen um jeweils 25 Basispunkte vor, eine im Dezember 2026 und eine weitere im März 2027.

Die Änderung folgte auf einen stärker als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht, der auf erneute Widerstandskraft auf dem Arbeitsmarkt hindeutete.

Für die Entscheidungsträger ist das wichtig, weil eine gesündere Wirtschaft der Zentralbank mehr Spielraum gibt, mit Lockerungen zu warten, selbst wenn Haushalte und Unternehmen durch Zölle, erhöhte Energiekosten und die breiteren Folgen des Nahostkonflikts unter Druck stehen.

Arbeitsmarktdaten setzen die Fed-Debatte neu

Der US-Arbeitsmarkt ist erneut zum zentralen Anker für Zinserwartungen geworden.

Ein robuster Payroll-Bericht deutete darauf hin, dass die Dynamik bei den Einstellungen stark genug bleibt, um engere Finanzierungsbedingungen zu absorbieren, was den Druck auf die Fed verringert, durch niedrigere Kreditkosten Unterstützung zu leisten.

Goldman erklärte, resiliente Aktivitäts- und Beschäftigungsdaten hätten auch die Schwelle für eine Zinserhöhung gesenkt.

Die Bank betonte, dass dies nicht deshalb sei, weil die Wirtschaft überhitze, sondern weil ein stärkerer Ausgangspunkt jede künftige Erhöhung weniger wie ein politischer Fehler aussehen ließe.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Eine Zinserhöhung ist nach wie vor nicht Goldmans Basisszenario, doch das Institut hält sie nun für etwas wahrscheinlicher als zuvor.

Mit anderen Worten: Die Debatte hat sich von der Frage, wann die Fed senken kann, hin zu der Frage verschoben, ob Inflationsdruck die Notenbank zu erneuter Straffung zwingen könnte.

Inflationsrisiken verschieben Senkungen weiter nach hinten

Goldmans neue Sicht spiegelt ein breiteres Überdenken des Inflationspfads wider.

Die Bank sagte, der wahrscheinlichste Kurs der Fed sei abzuwarten, bis die Effekte von Zöllen, höheren Ölpreisen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt und anderen kriegsbedingten Belastungen aus den Daten herausfallen.

Die Kern-PCE-Inflation, das von der Fed bevorzugte zugrunde liegende Preismaß, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle für die Einschätzung.

Goldman erwartet, dass die Entscheidungsträger abwarten, bis die gegenüber dem Vorjahr gemessene Kern-PCE näher an das 2%-Ziel heranrückt.

Das würde den Verantwortlichen mehr Zuversicht geben, dass die Inflation nicht durch Angebotsschocks, Handelskosten oder Energievolatilität am Leben gehalten wird.

Die Bank nannte außerdem die Notwendigkeit einer Abkühlung der durch KI getriebenen Nachfrage, die sie für überschätzt hält.

Das fügt der geldpolitischen Perspektive eine weitere Dimension hinzu, da die Fed beurteilen muss, ob der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz dauerhaftes Wachstum schafft oder nur kurzfristig Teile der Wirtschaft erhitzt.

Wall Street tendiert zu längerer Pause

Goldman ist nicht allein mit der Erwartung einer verlängerten Fed-Pause.

Nomura sagte vergangenen Monat ebenfalls voraus, dass die Zentralbank bis 2026 auf der Stelle treten werde, was unterstreicht, wie schnell Zinssenkungserwartungen zurückgeschoben wurden.

Für die Märkte ist die Veränderung bedeutend.

Laut Daten von CME FedWatch messen Trader Zinserhöhungen der Fed bis zum Jahresende nun eine Wahrscheinlichkeit von 75,5% zu.