Shell gibt seine "niederländische" Identität auf

Shell gibt seine "niederländische" Identität auf
Wajeeh Khan
16. Nov. 2021, 12:48 PM
  • Shell will seinen steuerlichen Hauptsitz ins Vereinigte Königreich verlegen
  • Der Ölriese wird seine seit langem bestehende doppelte Aktienstruktur auflösen
  • Die Änderungen bedürfen der Zustimmung der Aktionäre am 10. Dezember

Royal Dutch Shell plc (LON: RDSB) will die Niederlande verlassen und seine Steuerzentrale im Vereinigten Königreich ansiedeln, teilte der Ölriese am Montag mit.

Shell wird seine Doppelaktienstruktur auflösen

Shell kündigte außerdem an, die seit langem bestehende doppelte Aktienstruktur auflzuösen und die Bezeichnung "Royal Dutch" aus seinem Namen zu streichen. Die Ankündigung ist ein schwerer Schlag für die Niederlande, die bereits im vergangenen Jahr Unilever verloren haben.

Damit Shell die vorgeschlagenen Änderungen umsetzen kann, müssen mindestens 75% der Aktionäre auf einer Hauptversammlung am 10. Dezember dafür stimmen.

Die Nachricht kommt Wochen, nachdem Daniel Loeb von Third Point eine Beteiligung im Wert von 500 Mio. $ an Shell eingegangen ist und empfohlen hat, das Unternehmen in zwei Teile aufzuspalten, von denen sich einer auf das alte Geschäft und der andere auf saubere Energieprodukte konzentriert.

Gründe für den Rückzug von Shell aus den Niederlanden

Der multinationale Öl- und Gaskonzern verlässt Den Haag vor allem aus zwei Gründen: erstens, um sich von den strengen Steuervorschriften zu befreien, und zweitens, um sich dem übermäßigen Druck der niederländischen Regierung zu entziehen, seine Geschäftstätigkeit schneller als geplant zu dekarbonisieren.

Eine Quellensteuer von 15% auf die in den Niederlanden notierten Shell-Aktien ist für internationale Investoren ein Dorn im Auge. Da das Unternehmen nun aber nur noch die britischen Vorschriften einhalten muss, wäre eine solche Steuer kein Thema mehr.

Shell ist das größte und eines der ältesten niederländischen Unternehmen, und deshalb möchte die niederländische Regierung das Zünglein an der Waage wieder in ihre Richtung lenken. Zu diesem Zweck ist für heute eine Sitzung des Parlaments anberaumt, um zu prüfen, ob die Dividendensteuer abgeschafft werden kann.

Aber das ist nicht alles, was Shell anstrebt. Die einfachere Struktur wird es auch leichter machen, M&As zu unterzeichnen und die Beschränkungen seiner Fähigkeit, Aktien zurückzukaufen, zu lockern. Der Ölkonzern könnte auch durch die Ankündigung von ABP (dem größten staatlichen Pensionsfonds in den Niederlanden) im Oktober abgeschreckt worden sein, seine gesamte Beteiligung an Shell abzustoßen.