Südafrika ist das erste afrikanische Land, das Marihuana legalisiert

Südafrika ist das erste afrikanische Land, das Marihuana legalisiert
Harsh Vardhan
10. Juni 2024, 12:53 PM
  • Südafrika ist das erste afrikanische Land, das den Marihuanakonsum legalisiert.
  • Das Cannabis for Private Purposes Act erlaubt Erwachsenen den Anbau und Konsum von Cannabis, außer in Anwesenheit von Kindern.
  • Trotz Legalisierung bleibt der Verkauf von Cannabis ohne ärztliches Rezept illegal.

Am Vorabend der Parlamentswahlen am 27. Mai unterzeichnete Präsident Cyril Ramaphosa das Cannabis for Private Purposes Act, wodurch Südafrika das erste afrikanische Land wurde, das den Marihuanakonsum legalisierte.

Dieses bahnbrechende Gesetz, das im Wahltrubel kaum Beachtung fand, markiert einen deutlichen Kurswechsel in der Drogenpolitik des Landes.

Durch den Gesetzentwurf wird Cannabis in Südafrika von der Liste der verbotenen Betäubungsmittel gestrichen. Erwachsene dürfen die Pflanze nun anbauen und konsumieren, außer in Gegenwart von Kindern.

Große Wende in der Drogenpolitik: Die Akten sollen gelöscht werden

Das Gesetz über Cannabis für private Zwecke sieht vor, dass die Eintragungen von Personen, die zuvor durch die Teilnahme an derartigen Aktivitäten gegen das Gesetz verstoßen haben, automatisch gelöscht werden.

Allerdings sind die Einzelheiten der Umsetzung noch unklar, etwa wann und wie die Akten der 3.000 Menschen gelöscht werden sollen, die ab 2022 wegen Cannabisdelikten inhaftiert sind.

Myrtle Clarke, Mitbegründerin der NGO Fields of Green for ALL, lobte die Gesetzesänderung und erklärte:

Clarke betonte, dass als nächstes die Handelsvorschriften angegangen werden müssten, da der Verkauf von Cannabis weiterhin illegal sei, sofern es nicht zu medizinischen Zwecken verschrieben werde.

Legaler Cannabishandel bleibt ungeklärt

Anders als Länder wie Malta, Kanada und Uruguay gibt es in Südafrika keinen Rechtsrahmen für den gelegentlichen Kauf von Cannabis. Erwachsene dürfen zwar ihre eigenen Pflanzen anbauen, der Verkauf von Cannabis ohne ärztliche Verschreibung ist jedoch weiterhin verboten.

Clarke erläuterte, dass Personen, die mit Cannabis erwischt werden, zwar nicht mehr als Drogenhändler gelten, der Markt jedoch weitgehend unreguliert bleibt, was zu einem florierenden Graumarkt führt.

Diese Gesetzesänderung folgt einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2018, wonach der private Konsum von Cannabis verfassungsmäßig sei. Seitdem hat die Regierung den Verkauf von Cannabis gemäß Abschnitt 21 des Arzneimittelgesetzes erlaubt, was „nicht registrierte Medikamente“ erlaubt, wenn sie von einem Arzt verschrieben werden.

Wirtschaftliche Auswirkungen und anhaltende Herausforderungen

Das Ende des Cannabisverbots in Südafrika könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Laut Myrtle Clarke

Durch die zunehmende Verbreitung von Cannabis-Clubs und -Apotheken ist ein De-facto-Markt entstanden, in dem viele Einrichtungen nach dem Prinzip des privaten Konsums funktionieren.

Allerdings führten rechtliche Unsicherheiten immer wieder zu Durchsetzungsmaßnahmen, wie etwa bei der Razzia im Haze Club in Johannesburg im Jahr 2020.

Südafrikas Geschichte mit Cannabis, vor Ort als Dagga bekannt, reicht Jahrhunderte zurück. Die Pflanze wurde vom indigenen Volk der Khoisan und später von den Zulu-Kriegern und Sotho-Frauen für verschiedene Zwecke genutzt.

Trotz seiner tiefen kulturellen Wurzeln wurde Cannabis 1922 verboten und während der Apartheid mit harten Strafen belegt.

Legalisierungsstreitigkeiten und Zukunftsaussichten

Der moderne Vorstoß zur Legalisierung begann 2017 mit einem Fall, den der Rastafari-Anwalt Ras Gareth Prince vor Gericht brachte. Das Obergericht der Provinz Westkap entschied, dass das Verbot von Cannabis sein Recht auf Privatsphäre verletzte. Diese Entscheidung wurde 2018 vom Verfassungsgericht bestätigt.

Dieses Urteil verpflichtete die Regierung zur Überarbeitung ihrer Gesetze; ein Prozess, der in der jüngsten Gesetzesänderung gipfelte.

Clarke und andere Aktivisten konzentrieren sich nun auf die Regulierung des Handels und wollen der anhaltenden Wahrnehmung von Cannabis als gefährliche Droge entgegenwirken.

„Wir lachen immer und sagen, die Regierung denkt, wir würden die Blätter rauchen [was keine Wirkung hat], aber es stimmt“, bemerkte Clarke und betonte die Notwendigkeit einer fundierten Politikgestaltung.

Regionale Auswirkungen und potenzieller Dominoeffekt

Südafrikas vorsichtiges Vorgehen könnte dazu beitragen, eine Gegenreaktion wie in Thailand zu vermeiden, wo schnelle Cannabisreformen zu einer moralischen Panik und einer möglichen Kehrtwende in der Gesetzgebung führten.

Südafrika ist das erste afrikanische Land, das den Freizeitkonsum von Cannabis legalisiert hat. Die Entscheidung des Landes könnte auch die Nachbarländer beeinflussen. Eswatini, ein von Südafrika und Mosambik umschlossenes Binnenland, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam. Lokale Cannabisbauern fürchten, dass die Legalisierung in Südafrika ihre Existenzgrundlage gefährden könnte.

Trevor Shongwe von der Eswatini Hemp and Cannabis Association (EHCA) äußerte sich besorgt über die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Kleinbauern, die auf den Cannabisanbau angewiesen sind.

„Wir glauben, dass die Legalisierung von Cannabis in Südafrika zu einer ungleichen wirtschaftlichen Beteiligung an einem der größten Märkte Afrikas geführt hat“, sagte Shongwe.

Er plädiert dafür, dass Eswatini seinen Binnenmarkt legitimiert und seine einheimischen Cannabissorten, wie beispielsweise Swazi Gold, schützt.