Britische Immobilienpreise verzeichnen im Juli den stärksten Jahresanstieg seit Ende 2022

Britische Immobilienpreise verzeichnen im Juli den stärksten Jahresanstieg seit Ende 2022
Harsh Vardhan
01. Aug. 2024, 13:01 PM
  • Die Immobilienpreise in Großbritannien stiegen im Juli um 2,1 %, der schnellste Jahresanstieg seit Ende 2022.
  • Die Bank of England soll über eine mögliche Senkung des Leitzinses von derzeit 5,25 % entscheiden.
  • Die Erschwinglichkeitsprobleme bestehen weiterhin, doch mit der zunehmenden Käuferaktivität wächst auch das Marktvertrauen.

Die Immobilienpreise in Großbritannien stiegen im Jahresverlauf so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr, als der Immobilienmarkt noch unter den Auswirkungen des Minibudgets von Liz Truss litt.

Dem Hypothekengeber Nationwide zufolge stiegen die Häuserpreise im Juli um 2,1 Prozent (im Vergleich zu 1,5 Prozent im Juni). Der durchschnittliche Immobilienpreis erreichte dabei 266.334 Pfund.

Markterholung und bevorstehende Entscheidung der Bank of England

Die neuesten Daten erscheinen, während sich die Bank of England darauf vorbereitet, über eine mögliche Zinssenkung zu entscheiden.

Der Leitzins der Zentralbank liegt seit fast einem Jahr auf einem 16-Jahres-Hoch von 5,25 Prozent. Die Entscheidung wird genau beobachtet, da sie die Entwicklung des Immobilienmarktes weiter beeinflussen könnte.

Robert Gardner, Chefökonom von Nationwide, stellte fest, dass die Immobilienpreise trotz der jüngsten Gewinne immer noch etwa 2,8 % unter dem Höchststand vom Sommer 2022 liegen.

Diese Zahl liegt etwa 10 % unter dem Niveau vor der Pandemie, ist angesichts des höheren Zinsniveaus aber immer noch respektabel.

Die Herausforderungen hinsichtlich der Erschwinglichkeit bleiben bestehen

Trotz der positiven Entwicklung der Immobilienpreise bleibt die Erschwinglichkeit für viele Käufer eine große Herausforderung.

Gardner betonte, dass die monatlichen Hypothekenzahlungen für einen typischen Erstkäufer mittlerweile etwa 37 % des Nettoeinkommens ausmachen, verglichen mit 28 % vor der Pandemie.

Gardner wies darauf hin, dass die Erwartungen der Anleger hinsichtlich einer moderaten Senkung des Leitzinses der Bank of England in den kommenden Jahren zu einer Senkung der Kreditkosten beitragen könnten.

Er gab jedoch zu bedenken, dass die Auswirkungen gering ausfallen würden, da die derzeitigen Festzinshypothekenpreise bereits erwartete Zinsrückgänge berücksichtigen.

Marktvertrauen und mögliche Zinssenkungen

Alice Haine, Analystin bei Bestinvest by Evelyn Partners, führte den Preisanstieg auf das wachsende Vertrauen in den Immobilienmarkt trotz des anhaltenden Drucks auf die Erschwinglichkeit von Wohnungen zurück.

Sie meinte, eine mögliche Zinssenkung durch die Bank of England könne die Marktaktivität weiter ankurbeln.

Sie verwies auf Daten von Zoopla, die zeigen, dass die Zahl der in den vier Wochen bis zum 21. Juli vereinbarten Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 % gestiegen ist. Dieser Anstieg sowie die höchste Zahl von Häusern auf dem Markt seit sechs Jahren lassen darauf schließen, dass die Verkäufer die verbesserten Bedingungen gerne ausnutzen möchten.

Nathan Emerson von Propertymark schloss sich dieser Meinung an und betonte, dass auf dem Immobilienmarkt wieder positive Stimmung herrscht.

Er betonte, dass eine Zinssenkung zusammen mit der Verpflichtung der neuen Regierung, bis 2029 fast zwei Millionen neue Wohnungen zu bauen, den Wohnungssektor wiederbeleben könne.

Der britische Immobilienmarkt zeigt Anzeichen einer Erholung und die Immobilienpreise steigen so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr.

Zwar bestehen weiterhin Probleme hinsichtlich der Erschwinglichkeit, doch das wachsende Marktvertrauen und mögliche Zinssenkungen seitens der Bank of England sorgen für eine positive Prognose.

Da der Markt diese Dynamik weiterhin nutzt, wird für die zweite Jahreshälfte weiteres Wachstum und Stabilität erwartet.