Der britische Gewerbeimmobilienmarkt erholt sich schneller als Europa und verzeichnet im Jahr 2024 einen Anstieg von 1,4 %

Der britische Gewerbeimmobilienmarkt erholt sich schneller als Europa und verzeichnet im Jahr 2024 einen Anstieg von 1,4 %
Harsh Vardhan
18. Aug. 2024, 14:05 PM
  • Die Werte gewerblicher Immobilien stiegen im Vereinigten Königreich im ersten Halbjahr 2024 um 1,4 % und lagen damit an der Spitze Europas.
  • Das Transaktionsvolumen stieg im Vereinigten Königreich um 7 %, während es in Europa stagnierte.
  • Der Büromarkt hinkt hinterher, während Lagerhallen und Wohnimmobilien die Erholung vorantreiben.

Der britische Markt für Gewerbeimmobilien zeigt Anzeichen einer robusten Erholung und lässt den Rest Europas hinter sich, nachdem er aufgrund hoher Zinsen einen zweijährigen Abschwung erlitten hatte.

Aktuelle Daten zeigen, dass es im ersten Halbjahr 2024 in Großbritannien zu einem Wiederanstieg der Transaktionsvolumina und Immobilienwerte kommen wird. Dieser steht im krassen Gegensatz zu der schleppenderen Erholung, die in anderen großen europäischen Märkten wie Deutschland und Frankreich zu beobachten ist.

Marktdaten zufolge sind die Werte gewerblicher Immobilien in ganz Europa seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 um fast 25 % gefallen.

Im ersten Halbjahr 2024 kam es jedoch zu einer bescheidenen Erholung, wobei die Preise auf dem gesamten Kontinent im Durchschnitt um etwa 1 % stiegen.

Spitzenreiter war dabei Großbritannien, wo die Immobilienwerte um 1,4 Prozent zulegten und damit die Zuwächse in Frankreich und Deutschland übertrafen.

Der Vorteil Großbritanniens bei der Erholung

Branchenexperten führen die schnellere Erholung Großbritanniens auf mehrere Faktoren zurück, darunter die Hoffnung auf politische Stabilität nach den Parlamentswahlen, bessere Wirtschaftsaussichten und steigende Mieten.

Darüber hinaus kam es auf dem britischen Gewerbeimmobilienmarkt zwischen der Brexit-Abstimmung und dem Markthöhepunkt im Jahr 2022 nicht zu einem so rasanten Preisanstieg, was im gegenwärtigen Umfeld eine schnellere Neukalibrierung ermöglichte.

Mark Ridley, CEO von Savills, einem führenden Immobilienberatungsunternehmen, kommentierte die Entwicklung in Großbritannien wie folgt:

„Großbritannien hat sich wahrscheinlich am schnellsten neu ausgerichtet. Ungewissheit herrscht darüber, wie schnell und wie weit die Erholung geht.“

Auch andere Branchenführer teilen diesen vorsichtigen Optimismus.

Ben Sanderson, Geschäftsführer für Immobilien bei Aviva, einem der größten institutionellen Immobilieninvestoren Großbritanniens, bemerkte:

Aviva verwaltet ein Immobilienvermögen von rund 50 Milliarden Pfund und hat sich strategisch positioniert, um von der Erholung Großbritanniens zu profitieren.

Das Transaktionsvolumen in Großbritannien steigt rasant und übertrifft das in Europa

Einer der deutlichsten Indikatoren für die Erholung Großbritanniens ist der Anstieg des Transaktionsvolumens.

Daten von MSCI zeigen, dass das Transaktionsvolumen in Großbritannien im ersten Halbjahr 2024 um 7 % gestiegen ist und Immobilien im Wert von 26 Milliarden Euro den Eigentümer wechselten.

Dies steht in scharfem Kontrast zu den stagnierenden Transaktionsvolumina in ganz Kontinentaleuropa.

Mehrere große Transaktionen haben die Marktentwicklung in Großbritannien gestärkt. So haben beispielsweise die Übernahme von LXI durch LondonMetric sowie Kapitalerhöhungen börsennotierter Vermieter wie Segro, Unite Students und Great Portland Estates (GPE) zur positiven Dynamik beigetragen.

Diese Unternehmen möchten von der – wie viele glauben – nachhaltigen Erholung des britischen Marktes profitieren.

Blackstone, eine der weltweit größten Private-Equity-Firmen, hat ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Steigerung der Transaktionsaktivität in Großbritannien gespielt.

Das Unternehmen gab an, im ersten Halbjahr 2024 rund 3 Milliarden US-Dollar in europäische Immobilien investiert zu haben, wobei der größte Teil dieser Investitionen auf das Vereinigte Königreich entfallen wird.

Zu den bedeutenden Akquisitionen von Blackstone in Großbritannien zählen neue Wohnhäuser in Partnerschaft mit der Hotelkette Vistry, Logistiklagerhäuser und ein Luxus-Einkaufszentrum in der New Bond Street.

Lagerhäuser, Wohngebäude und Hotels führen die Erholung an

Während der britische Markt für Gewerbeimmobilien Anzeichen einer Erholung zeigt, erleben nicht alle Sektoren den gleichen Aufschwung.

Laut dem europäischen Index von Green Street haben sich die Preise für Lagerhallen, Wohnimmobilien und Hotels im vergangenen Jahr bereits leicht verbessert.

Bürogebäude, eine traditionelle tragende Säule gewerblicher Immobilien, haben jedoch nach wie vor mit starken Wertverlusten zu kämpfen.

Besonders hart wurde der Büromarkt in Großbritannien getroffen. Das erste Halbjahr 2024 war mit Transaktionen im Wert von nur 4,2 Milliarden Euro das schlechteste Ergebnis für den britischen Büromarkt seit Beginn der MSCI-Erhebung im Jahr 2001.

Dieser Rückgang steht im Gegensatz zum Wachstum in anderen Sektoren, die sich robuster zeigten, beispielsweise im Mehrfamilienhaus-, Studentenwohnheim- und Hotelsektor.

Ben Sanderson von Aviva warnte, dass die Erholung wahrscheinlich „K-förmig“ verlaufen werde, was bedeute, dass der Wert einiger Immobilienarten weiter sinken werde, während sich andere erholen würden.

Aufgrund dieser ungleichmäßigen Erholung sind die Anleger bei ihren Anschaffungen äußerst selektiv und bevorzugen eindeutig Sektoren, in denen derzeit eine größere Nachfrage besteht.

Trotz Anzeichen einer Erholung bleiben Herausforderungen bestehen

Trotz der positiven Zeichen steht der britische Gewerbeimmobilienmarkt vor mehreren Herausforderungen.

Zwar sind die Zinssätze nach einer Zinssenkung durch die Bank of England im Juni etwas niedriger, sie bleiben aber relativ hoch und stellen somit einen potenziellen Gegenwind für die weitere Markterholung dar.

Darüber hinaus ist das allgemeine wirtschaftliche Umfeld in Europa noch immer von Unsicherheit geprägt, insbesondere da die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank in Ländern wie Deutschland und Frankreich noch nicht zu deutlichen Marktverbesserungen geführt haben.

Darüber hinaus verzeichnen traditionelle Immobiliensektoren wie Büro-, Einzelhandels- und Industrieimmobilien in ganz Europa weiterhin einen Rückgang der Geschäftsabschlüsse im Jahresverlauf.

Dieser Trend lässt darauf schließen, dass sich bestimmte Marktsegmente zwar erholen, andere jedoch noch immer darum kämpfen, wieder Tritt zu fassen.

Zudem sind die Anleger besorgt, dass es zu weiteren Marktschwankungen kommen könnte, insbesondere angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten.

Daher verfolgen viele einen vorsichtigen Ansatz und konzentrieren sich auf hochwertige Vermögenswerte in Sektoren mit starken Nachfragegrundlagen.

Vorsichtiger Optimismus inmitten einer fragilen Erholung

Die Erholung des britischen Gewerbeimmobilienmarktes ist eine positive Entwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund des starken Abschwungs der vergangenen zwei Jahre.

Die Outperformance Großbritanniens im Vergleich zu anderen großen europäischen Märkten ist ermutigend, Branchenexperten geben jedoch zu bedenken, dass sich die Erholung noch in einem frühen Stadium befindet und fragil sein könnte.

Für Anleger wird der Schlüssel zur Bewältigung dieser Erholung darin liegen, selektiv vorzugehen und Disziplin an den Tag zu legen. Während sich der Markt weiter neu ausrichtet, ergeben sich Chancen, aber auch Risiken.

Wer die Marktbedingungen richtig einschätzen und Sektoren mit starkem Wachstumspotenzial identifizieren kann, wird am besten in der Lage sein, von der Erholung des britischen Gewerbeimmobilienmarkts zu profitieren.

In den kommenden Monaten werden die Marktteilnehmer die Konjunkturindikatoren, die Zinsentwicklung und die politischen Entwicklungen in Großbritannien und Europa aufmerksam beobachten.

Zwar besteht Grund für vorsichtigen Optimismus, doch der Weg zu einer vollständigen Erholung bleibt ungewiss, und die Entwicklung des Marktes wird von einer Reihe nationaler und internationaler Faktoren abhängen.