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PwC verliert größten Kunden Bank of China im Zuge aufsichtsrechtlicher Ermittlungen

PwC verliert größten Kunden Bank of China im Zuge aufsichtsrechtlicher Ermittlungen
Vatsala Gaur
20. Aug. 2024, 08:11 AM
  • Aufgrund des regulatorischen Drucks verliert PwC die Bank of China als Kunden.
  • EY gewinnt die Bank of China, während PwC wegen der Prüfungen von Evergrande unter die Lupe genommen wird.
  • Über 50 chinesische Firmen haben in den letzten Monaten PwC als Wirtschaftsprüfer abgesetzt.

PricewaterhouseCoopers (PwC), einst die führende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Chinas, hat seinen größten in Festlandchina notierten Kunden, die Bank of China (BOC), an den Konkurrenten Ernst & Young (EY) verloren.

Dieser Kurswechsel erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden behördlichen Kontrolle der Wirtschaftsprüfungen von PwC, insbesondere im Zusammenhang mit dem in Schwierigkeiten geratenen Immobilienentwickler China Evergrande Group.

Der Exodus der PwC-Kunden unterstreicht die wachsenden Herausforderungen, denen sich das Unternehmen in China gegenübersieht, wo sich staatliche Unternehmen und Finanzinstitute zunehmend für inländische oder andere internationale Wirtschaftsprüfer entscheiden.

Bank of China wechselt zu EY, da PwC unter Beobachtung steht

Die staatliche Bank of China, die ursprünglich geplant hatte, PwC für 2024 erneut als Wirtschaftsprüfer zu ernennen, gab in einer Mitteilung vom späten Montag bekannt, dass sie stattdessen EY beauftragen wolle.

Diese Entscheidung wird den Aktionären zur Genehmigung vorgelegt. Der Schritt ist ein schwerer Schlag für PwC, da BOC sein größter Kunde auf dem chinesischen Festland war und im vergangenen Jahr 193 Millionen Yuan (27 Millionen Dollar) an Prüfungsgebühren zahlte.

Diese Gebühr übersteigt die kombinierten Prüfungsgebühren der drei nächsten größten im Inland börsennotierten Kunden von PwC für das Jahr 2023: China Life Insurance, China Telecom und der Versicherungsriese PICC, die allesamt ebenfalls PwC als ihren Prüfer abgesetzt haben.

Aufsichtsrechtliche Untersuchung der Audits von Evergrande

Der Kurswechsel der Bank of China und anderer großer chinesischer Firmen erfolgt im Gefolge einer laufenden aufsichtsrechtlichen Untersuchung der von PwC durchgeführten Prüfungen der China Evergrande Group, eines Immobilienentwicklers, dem die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde einen Betrug im Wert von 78 Milliarden Dollar vorwirft.

PwC hat Evergrande fast 14 Jahre lang bis Anfang 2023 geprüft. Die Untersuchung dürfte für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hohe Geldstrafen nach sich ziehen.

Berichten zufolge haben chinesische Aufsichtsbehörden mehreren großen staatlichen Kunden von PwC spätestens seit April geraten, den Wirtschaftsprüfer zu entlassen, was die Probleme des Unternehmens in der Region noch verschärft hat.

Kundenflucht und Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von PwC

Mindestens 50 chinesische Firmen, viele davon Staatsbetriebe oder Finanzinstitute, haben in den vergangenen Monaten entweder PwC als Wirtschaftsprüfer abgewählt oder Pläne, das Unternehmen zu beauftragen, abgesagt, wie aus einer Prüfung der Unterlagen durch Reuters hervorgeht.

Im März war PwC der Wirtschaftsprüfer für rund 110 in Festlandchina börsennotierte Unternehmen, heißt es auf der Website des Unternehmens.

Der jüngste Exodus hatte erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von PwC im Land und führte zu Personalkürzungen in den Büros in Peking, Shanghai und an anderen Standorten.

Mindestens 100 Mitarbeiter wurden entlassen, da PwC seine Organisationsstruktur an die veränderte Marktnachfrage anpasst, berichtete Bloomberg letzten Monat.

EY und KPMG gewinnen an Boden, während PwC Kunden verliert

Die Folgen der behördlichen Prüfung haben nicht nur PwC betroffen, sondern auch zu verbesserten Chancen für andere der „Big Four“ wie EY und KPMG geführt.

Ungefähr die Hälfte der Unternehmenskunden, die PwC den Rücken gekehrt haben, wurden von diesen Konkurrenten abgeworben, berichtete Reuters.

Besonders hervorzuheben ist, dass EY bereits acht Jahre lang die Bank of China geprüft hatte, bevor PwC sie 2021 übernahm. Die chinesischen Vorschriften schreiben vor, dass staatliche Unternehmen denselben Wirtschaftsprüfer nicht länger als acht aufeinanderfolgende Jahre beschäftigen dürfen, was auch die Entscheidung der BOC, zu EY zurückzukehren, beeinflusst haben könnte.