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Fitch bestätigt US-Kreditrating „AA+“ trotz steigender Verschuldung und politischer Polarisierung

Fitch bestätigt US-Kreditrating „AA+“ trotz steigender Verschuldung und politischer Polarisierung
Vatsala Gaur
29. Aug. 2024, 21:34 PM
  • Die USA profitieren von ihrer Rolle als größte Volkswirtschaft der Welt und der Dominanz des Dollars.
  • Die politische Polarisierung und fiskalische Herausforderungen beeinträchtigen das Rating weiterhin.
  • Fitch prognostiziert für 2024 eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 2,1 %.

Fitch Ratings hat die Kreditwürdigkeit der USA mit „AA+“ und stabilem Ausblick bestätigt und verwies dabei auf die strukturelle Stärke der US-Wirtschaft sowie die beispiellose Finanzierungsflexibilität, die der Status des US-Dollars als weltweit führende Reservewährung bietet.

Allerdings hat die Ratingagentur auch auf wachsende Bedenken hinsichtlich der hohen Haushaltsdefizite, der steigenden Schuldenlast und der zunehmenden politischen Polarisierung des Landes hingewiesen, die allesamt eine Gefahr für die langfristige wirtschaftliche Stabilität darstellen.

Steigende Defizite und Schuldenlast

Fitch hat erhebliche Bedenken hinsichtlich der Haushaltslage der USA geäußert, insbesondere hinsichtlich der hohen Haushaltsdefizite und der erheblichen Staatsverschuldung des Landes.

Im Jahr 2023 stieg das gesamtstaatliche Defizit auf 8,8 Prozent des BIP, gegenüber 4,1 Prozent im Jahr 2022.

Diese immer größer werdende Kluft war vor allem auf sinkende Einnahmen, höhere Zinszahlungen und eine sich verschlechternde Finanzlage auf Staats- und Kommunalebene zurückzuführen.

Die Ratingagentur stellte fest: „Die Regierung hat es nicht geschafft, die großen Haushaltsdefizite, die wachsende Schuldenlast und die drohenden Ausgabensteigerungen infolge der alternden Bevölkerung ernsthaft in Angriff zu nehmen.“

Für die Zukunft erwartet Fitch, dass sich das Bruttoinlandsprodukt-Defizit bis 2024 leicht auf 8,1 Prozent des BIP verringern wird, die Zinslast aufgrund höherer Schulden und erhöhter Zinssätze jedoch wahrscheinlich weiter steigen wird.

Fitch prognostiziert, dass die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP bis 2026 124,4 Prozent erreichen könnte, verglichen mit 114 Prozent Ende 2023. Ohne wesentliche Änderungen in der Haushaltspolitik könnte diese Quote bis 2028 auf 131 Prozent steigen.

Politische Polarisierung und Governance-Herausforderungen

Fitch betonte zudem die Herausforderungen, die das zunehmend polarisierte politische Umfeld in den USA mit sich bringt.

Die Agentur verwies auf häufige Pattsituationen hinsichtlich der Schuldenobergrenze und Drohungen von Regierungsstillständen als Belege für Regierungsprobleme, die die Kreditwürdigkeit der USA beeinträchtigen.

Diese Herausforderungen sowie die fehlende Lösung des Problems der hohen Haushaltsdefizite erschweren die Wirtschaftsaussichten des Landes zusätzlich.

Die Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November 2024 werden voraussichtlich eine entscheidende Rolle bei der Ausgestaltung der US-amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik spielen.

Allerdings geht Fitch unabhängig vom Wahlausgang nicht davon aus, dass sich die grundlegende Haushaltslage deutlich ändern wird.

Die Agentur geht davon aus, dass die führenden Kandidaten – Vizepräsidentin Kamala Harris und der ehemalige Präsident Donald Trump – wahrscheinlich an ihrer Politik festhalten werden, die die Steuersenkungen von 2017 größtenteils verlängert und so die aktuelle Haushaltsentwicklung fortsetzt.

Fitch prognostiziert, dass sich das US-Wirtschaftswachstum im Jahr 2024 verlangsamen wird und die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate nur noch 2,1 Prozent betragen wird (nach 2,5 Prozent im Jahr 2023).

Die Agentur führt diesen Abschwung auf das sinkende Haushaltsdefizit zurück, das voraussichtlich zu einer Verringerung der Staatsausgaben und damit zu einem geringeren Beitrag zum allgemeinen Wirtschaftswachstum führen wird.

Darüber hinaus dürfte ein steigendes Handelsdefizit negative Auswirkungen auf die Nettoexporte haben.

Die Federal Reserve, die die Zinssätze seit Juli 2023 stabil gehalten hat, wird voraussichtlich im September 2024 einen Zinssenkungszyklus einleiten.

Fitch rechnet mit einer Senkung um 25 Basispunkte im September, gefolgt von einer weiteren im Dezember, und im Jahr 2025 dürften weitere Kürzungen erfolgen.