Japanische Chiphersteller sind angesichts der US-Exportbeschränkungen auf China-Verkäufe angewiesen

Japanische Chiphersteller sind angesichts der US-Exportbeschränkungen auf China-Verkäufe angewiesen
Diya Poddar
06. Sept. 2024, 14:06 PM
  • Der Umsatzanteil von Tokyo Electron in China stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 auf fast 50 %.
  • Screen Holdings meldete im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 einen Umsatzanteil von 51 % in China.
  • China kauft Ausrüstung zur Chipherstellung im Wert von 25 Milliarden US-Dollar und übertrifft damit die USA, Südkorea, Taiwan und Japan zusammen.

Japans Anbieter von Halbleiterausrüstungen verlassen sich zunehmend auf China als ihre größte Einnahmequelle, selbst wenn sie sich gleichzeitig mit den Komplexitäten der Handelsspannungen zwischen den USA und China auseinandersetzen müssen.

Während die USA neue Exportkontrollen für Chip-Produkte einführen, befinden sich japanische Firmen in einem heiklen Balanceakt: Sie müssen einerseits die Wirtschaftsbeziehungen zu China aufrechterhalten und andererseits den Forderungen ihres wichtigsten Verbündeten, den USA, nachkommen.

Umsatz von Tokyo Electron in China steigt sprunghaft

Tokyo Electron, ein führender Hersteller von Halbleiterausrüstung mit einer Marktkapitalisierung von fast 72 Milliarden Dollar, verzeichnete einen deutlichen Anstieg seines Umsatzes in China.

Im Geschäftsjahr, das im März 2024 endete, entfielen 44 % des Umsatzes von Tokyo Electron auf China, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 23 % im Vorjahr.

Aus dem Ergebnisbericht des Unternehmens geht außerdem hervor, dass diese Zahl im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 auf fast 50 % gestiegen ist, gegenüber 39,3 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Diese wachsende Abhängigkeit von China ist verbunden mit zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China im Hinblick auf Technologieexporte und versetzt Tokyo Electron in eine komplexe geopolitische Lage.

Die US-Regierung verhängt strengere Kontrollen für den Export von Hochtechnologie, darunter Chip-Produkte und Quantencomputer, was sich möglicherweise auf die künftigen Einnahmequellen von Unternehmen auswirkt, die stark in China investiert haben.

51 % des Umsatzes durch Screen Holdings generiert

Ein weiterer japanischer Hersteller von Halbleiterausrüstung, Screen Holdings, meldete einen Anstieg der Verkäufe aus China.

Im Geschäftsjahr, das im März 2024 endete, erwirtschaftete Screen Holdings 43 % seines Gesamtumsatzes in China, gegenüber 19 % im vorherigen Geschäftsjahr.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025 stieg dieser Anteil auf 51 %, verglichen mit 23 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Unternehmen geht davon aus, dass China bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 41 % seines Gesamtumsatzes ausmachen wird.

Die bedeutenden Geschäftsbeziehungen von Screen Holdings zu China unterstreichen die Herausforderung für Japan, einen engen Verbündeten der USA, seine geopolitischen Verpflichtungen mit seinen wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen.

Aufgrund ihrer zunehmenden Abhängigkeit von China als Umsatzbringer sind diese Unternehmen den Risiken der US-amerikanischen Exportkontrollmaßnahmen ausgesetzt.

US-Exportkontrollmaßnahmen stellen Herausforderung dar

Das US-Handelsministerium kündigte vor Kurzem Pläne zur Einführung neuer Exportkontrollmaßnahmen an, unter anderem für Quantencomputer und Chip-bezogene Waren, wodurch Chinas Zugang zu Hochtechnologien stärker eingeschränkt würde.

Diese Maßnahmen könnten möglicherweise japanische Halbleiterausrüstungsunternehmen wie Tokyo Electron und Screen Holdings beeinträchtigen, die zu den Hauptlieferanten Chinas zählen.

Die von japanischen Unternehmen bereitgestellten Anlagen zur Halbleiterherstellung sind in erster Linie für die Produktion veralteter Chips vorgesehen.

Diese Chips werden eher im Automobilbereich als in Smartphones oder fortgeschrittenen Trainingsmodellen für künstliche Intelligenz eingesetzt.

Die Möglichkeit umfassenderer US-Beschränkungen stellt ein Risiko für japanische Unternehmen dar, die in hohem Maße von China als Schlüsselmarkt abhängig sind.

Chinas Haltung zu Exportkontrollen

China reagierte auf die Exportkontrollen Japans mit Kritik und bezeichnete sie als „Missbrauch der Exportkontrolle“ und „schweren Verstoß gegen WTO-Pflichten“.

Peking deutete zudem an, dass es Vergeltungsmaßnahmen ergreifen könnte, falls Japan seine Exportbeschränkungen für den Verkauf von Halbleiterausrüstung nach China ausweitet.

Dennoch bleibe China der Aufrechterhaltung einer stabilen und sicheren globalen Lieferkette verpflichtet, so Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Diese diplomatischen Spannungen verdeutlichen die komplexen Dynamiken in der globalen Lieferkette für Halbleiter, wo mehrere Länder um die technologische Überlegenheit wetteifern und gleichzeitig versuchen, ihre wirtschaftlichen Interessen zu sichern.

China steigert Käufe von Chipausrüstung

Trotz des zunehmenden Drucks seitens der USA und ihrer Verbündeten hat China seine Käufe von Anlagen zur Chipherstellung erhöht.

Der Branchenverband SEMI berichtete, dass China im ersten Halbjahr 2024 Halbleiterausrüstung im Wert von rund 25 Milliarden Dollar gekauft habe.

Diese Zahl übertrifft die Gesamtzahl der USA, Südkorea, Taiwan und Japan zusammen.

Chinas Strategie, seine inländischen Chip-Produktionskapazitäten zu steigern, spiegelt seine Absicht wider, angesichts des anhaltenden Handelskonflikts die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern.

Zukunftsaussichten für Japans Halbleiterunternehmen

Japanische Halbleiterhersteller wie Tokyo Electron und Screen Holdings stehen an einem Wendepunkt. Zwar bleibt China ein lukrativer Markt, doch die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China bergen erhebliche Risiken.

Während diese Unternehmen diese Herausforderungen meistern, werden ihre Strategien wahrscheinlich auf die Diversifizierung ihrer Marktbasis bei gleichzeitiger Einhaltung internationaler Vorschriften ausgerichtet sein.

Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, wie diese Unternehmen wirtschaftliche Chancen mit geopolitischen Realitäten in Einklang bringen.