Wird eine Zinssenkung der Fed um 50 Basispunkte die Wirtschaft retten?
- Die Zahl der offenen Stellen liegt auf dem niedrigsten Stand seit 2021, was auf eine zunehmende Selektivität der Arbeitgeber hindeutet.
- Der Markt rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 % dafür, dass die Fed die Zinsen um 50 Basispunkte senkt.
- Eine geringere Senkung um 25 Basispunkte würde Spielraum für künftige politische Anpassungen lassen.
Mit der bevorstehenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) nehmen die Spekulationen über das weitere Vorgehen der US-Notenbank zu.
Da die Wirtschaft widersprüchliche Signale aussendet, erwarten die Anleger gespannt eine Zinssenkung bei der kommenden Sitzung der US-Notenbank.
Doch stellt sich allen die Frage: Wird eine Senkung um 50 Basispunkte die Wirtschaft tatsächlich retten oder ist sie möglicherweise ein Zeichen für etwas Beunruhigenderes?
Ein problematischer Arbeitsmarkt
Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt waren alles andere als beruhigend. Der Beschäftigungsbericht für August, von dem viele gehofft hatten, er würde eine stabile Beschäftigungslandschaft signalisieren, blieb hinter den Erwartungen zurück.
Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft wuchs nur um 160.000, was im Vergleich zu den 114.000 Stellen im Juli ein bescheidener Anstieg ist. Unterdessen ging die Arbeitslosenquote, die sich in der Nähe eines Dreijahreshochs bewegt hatte, leicht von 4,3% auf 4,2% zurück.
Doch hinter diesen Schlagzeilen verbirgt sich eine beunruhigendere Geschichte. Laut der Job Openings and Labour Turnover Survey (JOLTS) ist die Zahl der offenen Stellen auf den niedrigsten Stand seit 2021 gesunken.
Dieser Rückgang zeichnet in Verbindung mit dem Beige-Book-Bericht der US-Notenbank das Bild einer Wirtschaft, in der die Einstellungsquote zurückgeht, und begründet dies mit Bedenken hinsichtlich der Nachfrage und unsicheren Konjunkturaussichten.
Die jüngsten Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben zu Spekulationen geführt, dass sich die US-Notenbank bei ihrer Septembersitzung für eine aggressivere Zinssenkung entscheiden könnte.
Während allgemein mit einer Senkung um einen Viertelprozentpunkt gerechnet wurde, steht nun auch eine Reduzierung um 50 Basispunkte im Raum. Der Markt preist die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung um 50 Basispunkte mit 45 Prozent und für eine Senkung um 25 Basispunkte mit 55 Prozent ein.
Dieser Wandel der Erwartungen spiegelt die wachsende Sorge wider, dass die Konjunktur schneller schwächeln könnte als erwartet.
Argumente für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte
Eine Zinssenkung um 50 Basispunkte ist zwar größer als üblich, könnte aber als notwendiger Schritt zur Verhinderung eines stärkeren Abschwungs angesehen werden.
Eine Senkung der Zinssätze würde die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher senken und so möglicherweise Investitionen und Ausgaben ankurbeln. Dies wiederum könnte zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes beitragen und weiteren Arbeitsplatzverlusten vorbeugen.
Zudem verfügt die US-Notenbank angesichts der sich abschwächenden Inflation über mehr Handlungsspielraum.
Das Beige Book stellte fest, dass in den letzten Wochen „Preise und Löhne moderat gestiegen“ seien, was darauf schließen lässt, dass der Kampf der Zentralbank gegen die Inflation Ergebnisse zeigt.
Angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks kann es sich die Fed leisten, ihren Schwerpunkt auf die Förderung von Wachstum und Beschäftigung zu verlagern.
Vielleicht hat der Markt das Ausmaß der Schwäche des Arbeitsmarktes erst spät erkannt. Schließlich steigt die Arbeitslosenquote seit Monaten langsam an, was darauf hindeutet, dass der Arbeitsmarkt schwächer wird.
Vor diesem Hintergrund könnte eine Senkung um 50 Basispunkte nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig sein, um ein Abrutschen der Wirtschaft in eine Rezession zu verhindern.
Durch entschlossenes Handeln könnte die Fed dazu beitragen, das Vertrauen wiederherzustellen und die Unternehmen ermutigen, ihre Belegschaften zu halten oder sogar aufzustocken.
Die Risiken des Big-Starts
Eine stärkere Zinssenkung birgt allerdings auch erhebliche Risiken. Kritiker argumentieren, ein solcher Schritt könnte das falsche Signal an die Märkte senden und signalisieren, dass die Federal Reserve sich mehr um eine mögliche Rezession als um die Bekämpfung der Inflation sorgt.
Dies könnte das Vertrauen untergraben und zu erhöhter Volatilität auf den Finanzmärkten führen.
David Sekera, Chefstratege für den US-Markt bei Morningstar, warnt, eine Senkung um 50 Basispunkte wäre „so, als würde ein Pilot den Knopf für die Sauerstoffmaske drücken – nicht gerade das Rezept für eine ‚sanfte Landung‘.“
Mit anderen Worten: Eine drastischere Zinssenkung könnte unbeabsichtigt Panik auslösen, statt für Beruhigung zu sorgen.
Und obwohl niedrigere Zinssätze die Nachfrage ankurbeln können, reichen sie möglicherweise nicht aus, um die grundlegenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen.
Im Beige Book wurde darauf hingewiesen, dass einige Firmen bereits jetzt Schichten und Arbeitszeiten reduzieren, Stellen unbesetzt lassen oder den Personalbestand durch Personalfluktuation abbauen.
Diese Tendenzen lassen darauf schließen, dass die Unternehmen nicht nur auf die Zinssätze reagieren, sondern auch über allgemeinere wirtschaftliche Unsicherheiten besorgt sind.
Eine stärkere Zinssenkung könnte auch längerfristige Folgen für die US-Wirtschaft haben. Da die Zinsen bereits nahe historischer Tiefstände liegen, hat die Federal Reserve nur noch wenig Munition, um auf künftige Krisen zu reagieren.
Indem sich die Zentralbank jetzt für eine Senkung um 50 Basispunkte entscheidet, besteht das Risiko, dass ihre politischen Instrumente vorzeitig erschöpft sind und ihr bei einer weiteren Verschlechterung der Konjunktur weniger Optionen zur Verfügung stehen.
Seien Sie vorsichtig mit Ihren Wünschen
Sollten Anleger also einer stärkeren Zinssenkung zujubeln? Die Antwort ist nicht so einfach. Zwar könnte eine Senkung um 50 Basispunkte den Märkten kurzfristig etwas Optimismus verleihen, doch birgt sie auch das Risiko, auf tiefer liegende wirtschaftliche Probleme hinzuweisen.
Anleger sollten daher keine voreiligen Lockerungsmaßnahmen der Fed bejubeln. Eine plötzliche, deutliche Zinssenkung könnte eher ein Warnsignal als ein grünes Licht sein.
Angesichts dieser Erwägungen gehen viele Volkswirte davon aus, dass sich die US-Notenbank bei ihrer kommenden Tagung eher für eine Senkung um einen Viertelprozentpunkt entscheiden wird.
Dieser gemäßigtere Ansatz würde der Wirtschaft dennoch gewisse Impulse verleihen und zugleich die potenziellen Fallstricke einer umfassenderen Kürzung vermeiden.
Eine Senkung um 25 Basispunkte wäre ein Zeichen dafür, dass die Fed die Risiken für die Wirtschaft im Auge behält, ohne auf die neuesten Daten überzureagieren.
Dies ließe der Notenbank zudem für die kommenden Monate Handlungsspielraum, falls weitere Kürzungen nötig sein sollten.
Letztlich wird die Entscheidung der Fed von ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Verfassung abhängen. Ob eine stärkere Zinssenkung die Wirtschaft retten wird oder tiefere Probleme signalisiert, bleibt abzuwarten.
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