EZB senkt voraussichtlich den Leitzins im Vorfeld der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank

EZB senkt voraussichtlich den Leitzins im Vorfeld der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank
Diya Poddar
11. Sept. 2024, 13:02 PM
  • Die Inflation in der Eurozone ist im August auf ein Dreijahrestief von 2,2 % gefallen, während die Kerninflation mit 2,8 % weiterhin erhöht ist.
  • Der Leitzins der EZB beträgt aktuell 3,75%.
  • Die Bundesbank hat signalisiert, dass sie eine Zinssenkung unterstützt, und damit ihre traditionell harte Haltung geändert.

Es wird allgemein erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins um 25 Basispunkte senkt. Diese Entscheidung fällt kurz vor den für Mitte September erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank.

Nachdem sich die Inflation in der Eurozone im August auf ein Dreijahrestief von 2,2 Prozent abgeschwächt hatte, konzentriert sich die EZB nun vor allem auf die Stabilisierung des nach wie vor fragilen Wachstums.

Das in Frankfurt ansässige Institut wird voraussichtlich weiterhin eine vorsichtige geldpolitische Haltung beibehalten, da es versucht, die Inflationskontrolle mit dem Wirtschaftswachstum in der Region in Einklang zu bringen.

Inflation in der Eurozone erreicht Dreijahrestief

Im August fiel die Inflation in der Eurozone aufgrund niedrigerer Energiekosten und einer verringerten Verbrauchernachfrage auf ein Dreijahrestief von 2,2 Prozent.

Die Kerninflation, die volatile Posten wie Energie und Lebensmittel ausschließt, liegt mit 2,8% nach wie vor hoch, was auf einen anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor hindeutet.

Diese Divergenz lässt darauf schließen, dass die Gesamtinflation zwar gedämpft erscheinen mag, die zugrunde liegende Preisdynamik für die EZB bei der Entscheidung über ihre nächsten geldpolitischen Schritte jedoch immer noch eine Herausforderung darstellen könnte.

Die erwartete Zinssenkung der EZB um 25 Basispunkte soll das Wirtschaftswachstum in der gesamten Eurozone unterstützen. Der Leitzins der EZB liegt derzeit bei 3,75%, nachdem er in den letzten Jahren mehrfach stark angehoben wurde.

Eine schwächer als erwartete Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2024, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und bei der Verbrauchernachfrage, hat Ökonomen dazu veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum nach unten zu korrigieren.

Quelle: CNBC

Laut Société Générale könnte sich die „Schwäche im verarbeitenden Gewerbe ausbreiten und starke Arbeitsmärkte beeinträchtigen“, was die Notwendigkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung unterstreiche.

Bundesbank ändert Haltung zu Zinssenkungen

Die Bundesbank, traditionell eines der eher kriegstreiberischen Mitglieder des EZB-Rats, signalisierte einen Kurswechsel.

Präsident Joachim Nagel hat angedeutet, dass er eine Zinssenkung unterstützen würde, sofern die Wirtschaftsdaten dies stützen. Dieser Kurswechsel erfolgt, während sich die EZB darauf vorbereitet, ihre neuen Wirtschaftsprognosen zu veröffentlichen.

Zwar werden keine größeren Korrekturen bei den Inflations- oder Wachstumszahlen erwartet, die aktualisierten Projektionen werden jedoch wichtige Erkenntnisse über die künftige Ausrichtung der EZB-Politik liefern.

Gemischte Signale von den Entscheidungsträgern der EZB

Während die meisten Analysten davon ausgehen, dass die EZB ihre Zinssenkungen nach September aussetzen wird, gibt es im EZB-Rat zunehmend Diskussionen über die Möglichkeit schnellerer Zinssenkungen.

Der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, wies kürzlich auf diese Möglichkeit hin, als er auf dem Wirtschaftssymposium in Jackson Hole erklärte, eine „Rückkehr zum Ziel sei noch nicht sicher.“

Lane warnte außerdem vor den Risiken einer „chronisch unter dem Zielwert liegenden Inflation“, falls die Zinsen zu lange zu hoch gehalten würden.

Dies unterstreicht die anhaltende Debatte innerhalb der EZB darüber, wie ein Gleichgewicht zwischen der Kontrolle der Inflation und der Förderung des Wachstums erreicht werden kann.

Die bevorstehende EZB-Sitzung im Oktober im slowenischen Ljubljana könnte für die künftige Entwicklung der Zinssätze von entscheidender Bedeutung sein.

Da die Inflation Anzeichen einer Stabilisierung zeigt, das Wirtschaftswachstum jedoch weiterhin unsicher ist, steht die EZB vor einem heiklen Balanceakt.

Um die Wirtschaft der Eurozone wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen, muss die Notenbank die Risiken eines zu frühen oder zu späten Handelns sorgfältig abwägen.