Samsung will im Kampf gegen den KI-Markt Tausende Stellen streichen

Samsung will im Kampf gegen den KI-Markt Tausende Stellen streichen
Deepali Singh
02. Okt. 2024, 08:06 AM
  • Samsung zielt hauptsächlich auf ausländische Tochtergesellschaften in Südostasien, Australien und Neuseeland ab.
  • Von den Entlassungen könnten in bestimmten Märkten bis zu 10 % der Belegschaft betroffen sein.
  • Der Konkurrent SK Hynix hat Samsung bei der Herstellung von Hochbandbreiten-Speicherchips für KI überholt.

Samsung Electronics Co. steht vor einer deutlichen Reduzierung seiner weltweiten Belegschaft; in Südostasien, Australien und Neuseeland sind Entlassungen geplant.

Mit der Situation vertraute Quellen sagten gegenüber Bloomberg, dass etwa 10 % der Mitarbeiter des Unternehmens in diesen Regionen betroffen sein könnten.

Zwar wird der Stellenabbau je nach Tochtergesellschaft unterschiedlich ausfallen, doch wird auch in anderen internationalen Märkten mit ähnlichen Reduzierungen gerechnet.

Samsung, ein südkoreanischer Technologieriese, beschäftigt laut seinem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht weltweit mehr als 267.800 Menschen, wobei über die Hälfte seiner Belegschaft – rund 147.000 – im Ausland ansässig ist.

Allerdings sind auf dem Heimatmarkt des Unternehmens keine unmittelbaren Entlassungspläne vorgesehen.

Mitarbeiter werden in vertraulichen Gesprächen über Entlassungen informiert

In Singapur wurden Samsung-Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen Berichten zufolge am Dienstag zu privaten Treffen mit der Personalabteilung und dem Management einbestellt, bei denen sie über bevorstehende Entlassungen und Abfindungspakete informiert wurden.

Laut einem Insider handelt es sich bei diesem Schritt um eine routinemäßige Anpassung der Belegschaft, die auf eine Verbesserung der Betriebseffizienz abzielt.

„Einige Tochtergesellschaften im Ausland führen routinemäßige Anpassungen der Belegschaft durch, um die Betriebseffizienz zu verbessern“, sagte ein Samsung-Sprecher gegenüber Bloomberg und fügte hinzu, dass das Unternehmen kein konkretes Ziel für die Streichung bestimmter Stellen festgelegt habe.

Marktprobleme belasten Samsungs Leistung stark

Die geplanten Entlassungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass Samsung auf dem Weltmarkt vor erheblichen Herausforderungen steht.

Die Aktien des weltweit größten Herstellers von Speicherchips und Smartphones mussten in diesem Jahr einen Einbruch von über 20 Prozent hinnehmen.

Die Leistung des Unternehmens wurde insbesondere durch die Schwierigkeiten im Bereich der künstlichen Intelligenz beeinträchtigt, da das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz zurückbleibt.

Samsung hat gegenüber SK Hynix Inc. deutlich an Boden verloren, einem inländischen Konkurrenten, der die Führung bei der Herstellung von Speicherchips mit hoher Bandbreite übernommen hat, die neben den KI-Beschleunigern von Nvidia Corp. wesentliche Komponenten für das Training künstlicher Intelligenz sind.

Darüber hinaus hat Samsung bei der Herstellung maßgeschneiderter Chips für externe Kunden Mühe, mit der Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. zu konkurrieren.

Der Vorstandsvorsitzende von Samsung, Jay Y. Lee, Enkel des Firmengründers, steht nun vor der Herausforderung, den Technologieriesen durch diese schwierigen Zeiten zu steuern.

Lee, der kürzlich vom Vorwurf der Aktienmanipulation freigesprochen wurde, hat das Ruder zu einem kritischen Zeitpunkt übernommen, als das Unternehmen darum kämpft, seine Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen.

Als Reaktion auf die jüngsten Rückschläge des Unternehmens nahm Samsung Anfang des Jahres einen Führungswechsel vor und ersetzte den Leiter seiner Chip-Sparte. Jun Young-hyun, der neue Chef des Chip-Geschäfts, betonte die Notwendigkeit eines Kulturwandels innerhalb des Unternehmens, um nicht in einen „Teufelskreis“ zu geraten.

Personalabbau und Arbeitskonflikte verschärfen Samsungs Probleme

Samsung hat in der Vergangenheit in schwierigen Zeiten auf dem volatilen Markt für Speicherchips mehrfach seine Belegschaft reduziert.

Anfang des Jahres hat das Unternehmen Berichten zufolge 10 % seiner Stellen in Indien und Teilen Lateinamerikas abgebaut.

Allerdings dürfte die jüngste Entlassungswelle weniger als 10 Prozent der 147.000 Mitarbeiter im Ausland betreffen.

Die Kürzungen betreffen vor allem Führungs- und Supportfunktionen, während das Unternehmen gleichzeitig seine Arbeitsplätze in der Produktion sichern möchte.

Zusätzlich zum Personalabbau im Ausland ist Samsung auch im Inland in Arbeitskonflikte verwickelt.

Die größte Gewerkschaft, die die Beschäftigten des Unternehmens in Südkorea vertritt, rief im Mai zum ersten Streik ihrer Geschichte auf, was die Lage für den Technologiegiganten noch komplizierter machte.