GBP/USD- und EUR/GBP-Analyse: Wie geht es weiter mit dem Pfund?
- Das Paar GBP/USD stürzte diese Woche stark ab, als sich der US-Dollar erholte.
- Andrew Bailey hat auf mögliche aggressive Zinssenkungen hingewiesen.
- Im Nahen Osten nehmen die geopolitischen Risiken zu.
Der GBP/USD-Wechselkurs erlitt diese Woche eine scharfe Wende, da der US-Dollarindex (DXY) ein starkes Comeback hinlegte. Er fiel auf 1,3090, seinen niedrigsten Stand seit dem 12. September und 2,24 % unter seinen Höchststand in dieser Woche.
Der EUR/GBP-Kurs hingegen stieg auf 0,8432 und lag damit deutlich über dem Tiefstand der letzten Woche von 0,8312. Er liegt damit immer noch 3,65 % unter dem Höchststand dieses Jahres.
Steigende geopolitische Risiken
Das Währungspaar GBP/USD stürzte diese Woche stark ab, da der US-Dollar im Zuge der anhaltenden geopolitischen Ereignisse weltweit zulegte.
Die Woche begann mit einem Bodenangriff Israels auf den Libanon, wenige Tage nach der Tötung des Chefs der Hisbollah.
Die Lage beschleunigte sich, als der Iran mit einer Raketensalve auf Israel reagierte.
Deshalb gibt es Befürchtungen, dass sich die Krise in den kommenden Wochen fortsetzen könnte. In einem Bericht der New York Times hieß es, Israel sei nun bereit, gegen den Iran in den Krieg zu ziehen.
Joe Biden und andere amerikanische Politiker befürworten harte Vergeltungsmaßnahmen, insbesondere gegen die iranischen Ölanlagen.
Diese Angriffe werden wahrscheinlich zu einem langen und tödlichen Konflikt führen, in den Länder wie Russland und die Türkei verwickelt werden könnten.
Der US-Dollarindex ist aus zwei Gründen stark gestiegen: Erstens wird die Währung aufgrund der Rolle der USA in der Weltwirtschaft häufig als sicherer Hafen betrachtet, wenn erhebliche geopolitische Risiken bestehen.
Zweitens stieg der Preis, weil ein geopolitisches Ereignis wahrscheinlich zu höheren Energiepreisen führen wird. Brent und West Texas Intermediate (WTI) stiegen alle auf 77,5 bzw. 73,5 Dollar.
Auch der US-Dollarindex erholte sich, nachdem mehrere Vertreter der US-Notenbank darauf hingewiesen hatten, dass künftig die Zinsen schrittweise gesenkt würden. Zu diesen Vertretern zählten unter anderem Jerome Powell, Tom Barkin und Raphael Bostic.
US-Arbeitsmarktdaten außerhalb der Landwirtschaft
Das nächste wichtige GBP/USD-Paar wird als nächstes auf die bevorstehenden US-Nonfarm Payrolls (NFP)-Daten reagieren.
Ökonomen gehen davon aus, dass diese Zahlen zeigen, dass im September 148.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Dies ist ein leichter Anstieg gegenüber den 142.000 im August.
Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,2% verharren, während sich das Lohnwachstum auf 3,3% verlangsamt.
Diese Zahlen sind wichtig, weil sich die Fed hauptsächlich auf den Arbeitsmarkt und nicht auf die Inflation konzentriert. Ein Anzeichen für eine Abschwächung des Arbeitsmarktes wird daher auf aggressivere Zinssenkungen bei den nächsten Sitzungen hindeuten.
Diese Zahlen werden wenige Tage nach der Veröffentlichung schwacher PMI-Zahlen für das verarbeitende Gewerbe in den USA veröffentlicht. Laut ISM und S&P Global ging die Produktion im verarbeitenden Gewerbe weiter zurück, selbst nachdem Biden Milliarden von Dollar investiert hatte, um den Sektor anzukurbeln.
Aggression der Bank of England
Das Paar GBP/USD befand sich letzte Woche in einem starken Aufwärtstrend aufgrund der zunehmenden Anzeichen einer Divergenz zwischen der Fed und der BoE.
Auf ihrer letzten Sitzung beschloss die Bank, die Zinssätze unverändert zu lassen und kündigte für die Zukunft schrittweise Senkungen an.
In einer Erklärung vom Donnerstag warnte Andrew Bailey jedoch, dass die Bank bei Zinssenkungen aggressiver vorgehen könnte. Er deutete auch an, dass der Ausschuss eher aktivistisch vorgehen würde. Ein Analyst von Credit Agricole bemerkte:
„Die besten Tage der Pfund-Rallye liegen möglicherweise hinter uns. Das Pfund scheint gegenüber dem Dollar und dem Euro immer noch überkauft und leicht teuer zu sein.“
Die jüngsten Daten, die eine Abschwächung der Konjunktur zeigten, sprechen für eine aggressivere Zinssenkung durch die BoE. Die PMI-Zahlen für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor blieben hinter den Erwartungen zurück.
GBP/USD technische Analyse
GBP/USD-Chart von TradingView
Das Paar GBP/USD stieg und erreichte letzte Woche einen Höchststand von 1,3433, als Anzeichen für eine Divergenz zwischen BoE und Fed auftauchten.
In dieser Woche erlitt das Paar jedoch einen großen Rückschlag und fiel unter die wichtige Unterstützungsmarke von 1,3272, seinen höchsten Stand im August.
Positiv ist, dass es über dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt blieb, was auf eine mögliche Erholung des britischen Pfunds hindeutet.
Der Relative Strength Index (RSI) zeigte jedoch nach unten und hat die wichtige Marke von 50 überschritten.
Daher wird das Paar wahrscheinlich unter Druck bleiben, wobei der nächste zu beobachtende Punkt bei 1.300 liegt, was mit der aufsteigenden Trendlinie zusammenfällt, die die niedrigsten Schwankungen seit April dieses Jahres verbindet.
EUR/GBP technische Analyse
EUR/GBP-Chart von TradingView
Das Tagesdiagramm zeigt, dass der Wechselkurs EUR/GBP letzte Woche bei 0,8312 seinen Tiefpunkt erreichte und dann wieder auf einen Höchststand von 0,8436 zurückprallte. Er hat sich auf die Mittellinie des in Lila dargestellten absteigenden Kanals bewegt.
Das Paar blieb zudem unter dem 50-Tage-Durchschnitt und schwebt am wichtigen psychologischen Punkt bei 0,8400. Daher wird das Paar wahrscheinlich weiter steigen, da die Bullen den nächsten Punkt bei 0,8500 anpeilen, die Oberseite des absteigenden Kanals.
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