Boeing sieht sich angesichts von Streik und Geldverschwendung mit Junk-Rating bei S&P bedroht

Boeing sieht sich angesichts von Streik und Geldverschwendung mit Junk-Rating bei S&P bedroht
Deepali Singh
09. Okt. 2024, 14:05 PM
  • Aufgrund des Liquiditätsbedarfs und des anhaltenden Streiks erwägt S&P eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Boeing.
  • Es wird erwartet, dass Boeing im Jahr 2024 10 Milliarden US-Dollar in bar verwenden wird.
  • Für Boeing sind im Jahr 2025 4 Milliarden US-Dollar und im Jahr 2026 8 Milliarden US-Dollar fällig.

Boeing Co. steht vor einem erheblichen finanziellen Rückschlag, da S&P Global Ratings erwägt, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf Ramschniveau herabzustufen.

Gründe für die drohende Herabstufung sind der steigende Bargeldbedarf von Boeing und der anhaltende Streik der Maschinisten, der die Produktionskapazitäten des Unternehmens stark beeinträchtigt hat.

Laut S&P dürfte Boeing im Jahr 2024 rund 10 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln verbrennen und das Unternehmen wird vermutlich zusätzliche Finanzmittel benötigen, um die Betriebskosten und anstehende Schulden zu decken.

„Der Streik gefährdet die Erholung von Boeing“, erklärte S&P in einem Bericht.

Boeing steht vor steigenden Schulden und finanziellen Problemen

Boeing steht laut Moody's Ratings eine erhebliche Schuldentilgung bevor: Vier Milliarden Dollar laufen im Jahr 2025 aus, acht Milliarden Dollar sind 2026 fällig. Die Ratingagentur warnte im vergangenen Monat zudem vor einer möglichen Herabstufung der Bonität von Boeing auf Ramschniveau.

Unternehmen mit der Einstufung als Ramsch müssen typischerweise mit höheren Kreditkosten rechnen, was den finanziellen Druck auf Boeing noch weiter erhöht.

Der Luft- und Raumfahrtriese hat seit 2019 mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen, zu denen auch anhaltende Fertigungsprobleme hinzukommen.

Dieses Jahr kam noch eine zusätzliche Belastung hinzu: der Streik von 33.000 Fabrikarbeitern, der die Produktion im gesamten pazifischen Nordwesten zum Erliegen brachte.

S&P schätzt, dass der Streik Boeing trotz der getroffenen Kostensenkungsmaßnahmen monatlich über eine Milliarde Dollar kostet.

Boeings Produktionsverzögerungen und verfehlte Ziele

Auch die Produktionsziele von Boeing wurden durch den Streik beeinträchtigt.

Das ursprünglich für Ende 2024 geplante Ziel des Unternehmens, 38 seiner 737 Max-Jets pro Monat herzustellen, dürfte sich nun auf Mitte 2025 verzögern.

S&P geht zwar davon aus, dass Boeing im nächsten Jahr einen positiven freien Cashflow erwirtschaften wird, warnt jedoch, dass anhaltende Arbeitsunterbrechungen und erhöhte Kosten diese Prognosen gefährden könnten.

Ein Boeing-Sprecher wollte sich weder zu der möglichen Herabstufung noch zu den laufenden Verhandlungen mit der Gewerkschaft äußern.

Forderungen der Gewerkschaften verlängern Pattsituation

Der Streik ist das Ergebnis einer Pattsituation zwischen Boeing und der International Association of Machinists and Aerospace Workers.

Die Gewerkschaftsführer drängten auf eine Lohnerhöhung von 40 % und die Wiedereinführung eines leistungsorientierten Pensionsplans, was zu langwierigen Vertragsverhandlungen führte.

Beide Parteien befinden sich derzeit in einem Mediationsverfahren und versuchen, den Streit beizulegen.

Eine Herabstufung auf Ramschstatus könnte schwerwiegende Folgen für die künftigen Kreditkosten von Boeing haben.

Schon eine einzige Herabstufung führt typischerweise zu höheren Kosten. Zwei oder mehr Herabstufungen können dazu führen, dass ein Unternehmen nicht mehr in den wichtigen Indizes für erstklassige Anleihen aufgeführt wird. Anleger sind dann gezwungen, ihre Anteile zu verkaufen, was wiederum die Kosten künftiger Finanzierungen in die Höhe treibt.

Laufende Herausforderungen in der Fertigung

Die finanziellen Probleme von Boeing sind nicht allein die Folge des aktuellen Streiks.

Das Unternehmen hat seit Jahren mit operativen Rückschlägen zu kämpfen. Unter anderem sieht es sich einer verschärften behördlichen Kontrolle ausgesetzt, nachdem es im Januar beinahe zu einer Katastrophe gekommen wäre, als sich mitten im Flug eine türgroße Platte von einer 737 Max 9 löste.

Dieser Vorfall zwang Boeing dazu, die Produktion seines 737 Max-Jets, seines größten Umsatzbringers, zu drosseln.

Aufgrund des Streiks steht die Produktion nun schon seit über drei Wochen still, was die finanzielle Lage des Unternehmens erheblich beeinträchtigt.

Downgrade droht

Während sich der Streik hinzieht, wird die Möglichkeit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens immer wahrscheinlicher. S&P bewertet Boeing derzeit mit BBB-, dem niedrigsten Investment-Grade-Rating.

Eine weitere Herabstufung würde das Unternehmen in den Ramschbereich drängen und seine finanzielle Erholung noch schwieriger machen.

Da keine unmittelbare Lösung des Streiks in Sicht ist, bleibt die finanzielle Lage von Boeing prekär. Die Zukunft des Unternehmens hängt vom Ausgang der laufenden Vertragsverhandlungen und von seiner Fähigkeit ab, die Produktion wieder auf das Vorstreikniveau zu bringen.