PIMCO glaubt, dass der britische Haushaltsplan die Märkte nicht schockieren wird: Darum geht es

PIMCO glaubt, dass der britische Haushaltsplan die Märkte nicht schockieren wird: Darum geht es
Diya Poddar
16. Okt. 2024, 18:19 PM
  • Die britische Regierung wird unter Finanzministerin Rachel Reeves am 30. Oktober ihren ersten Haushalt bekannt geben.
  • PIMCO geht davon aus, dass die Bank of England den Leitzins früher senken wird als von den Märkten erwartet.
  • Das Wirtschaftswachstum Großbritanniens wird auf 1–1,25 % pro Jahr geschätzt und entspricht den Trends in der Eurozone.

Die neue britische Regierung wird voraussichtlich am 30. Oktober einen Haushalt vorlegen, der das Vertrauen der Anleger stärken soll. Der globale Vermögensverwalter PIMCO deutet dabei einen strafferen Haushaltsausblick an, als Marktspekulationen vermuten lassen.

Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer, die im Juli an die Macht zurückkehrte, steht wegen einer möglichen Erhöhung der Staatsverschuldung unter Beobachtung.

PIMCO geht allerdings davon aus, dass die anfänglichen Steuer- und Ausgabenpläne der Regierung keine nennenswerten Störungen an den Finanzmärkten verursachen werden.

Wird der neue britische Haushalt die Sorgen der Anleger lindern?

Peder Beck-Friis, Senior Vice President bei PIMCO, versicherte, dass die Regierung trotz der Sorgen über eine erhöhte Kreditaufnahme voraussichtlich an ihrer Haushaltsdisziplin festhalten und so in den kommenden Jahren zu einer schrittweisen Reduzierung des britischen Defizits beitragen werde.

Er wies darauf hin, dass die Finanzmärkte möglicherweise einen höheren Endzinssatz als nötig einpreisen, da die Aussichten hinsichtlich Inflation und Wachstum verhaltener erscheinen als derzeit erwartet.

Da mit einem weiteren Rückgang der Inflation zu rechnen ist, ergeben sich für die Bank of England möglicherweise Gelegenheiten, die Zinssätze zu senken und dem Trend in Ländern wie den USA, Kanada und Neuseeland zu folgen.

Britische Staatsanleihen könnten attraktiv sein

Britische Staatsanleihen (Gilts) verzeichneten in letzter Zeit aufgrund von Inflationssorgen und Spekulationen über eine erhöhte Staatsverschuldung eine Underperformance.

Nach schwächer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten kam es bei britischen Staatsanleihen zu einem deutlichen Preisanstieg.

Beck-Friis betonte, dass Staatsanleihen nicht nur aufgrund ihrer Rendite, sondern auch aufgrund ihres potenziellen langfristigen Kapitalzuwachses attraktiv blieben.

Die Aussichten für britische Staatsanleihen sind positiv, insbesondere da sich der Markt auf die Aussicht auf weitere Zinssenkungen durch die Bank of England einstellt, sobald die Inflation zu sinken beginnt.

Manche Anleger bevorzugen Staatsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen

Im Gegensatz zu den steigenden Defiziten in den USA wird Großbritannien voraussichtlich eine konservativere Haushaltsstrategie verfolgen.

Andrew Balls, Chief Investment Officer für globale festverzinsliche Wertpapiere bei PIMCO, merkte an, dass britische Staatsanleihen aufgrund der erwarteten Haushaltsdisziplin ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als US-Staatsanleihen böten.

Er betonte außerdem, dass britische Staatsanleihen eine der attraktivsten Laufzeitquellen weltweit darstellten und sich daher als attraktive langfristige Investition erwiesen.

Labours Haushaltsplan wird wahrscheinlich Wachstum betonen

PIMCO prognostiziert, dass das britische Wirtschaftswachstum aufgrund der schwachen Produktivität, strengerer Einwanderungskontrollen und einer erhöhten Abwesenheitsrate nach der Pandemie bescheiden bleiben wird.

Das Wachstum dürfte den Prognosen zufolge bei etwa 1 bis 1,25 Prozent jährlich liegen und damit den Trends in der Eurozone entsprechen.

Balls identifizierte einen Bereich, der Anlass zu Optimismus gibt: die Pläne der Regierung, die Bürokratie abzubauen und Infrastruktur- und Wohnungsbauprojekte voranzutreiben.

Bei erfolgreicher Umsetzung könnten diese Initiativen die Produktivität steigern und langfristig das Wirtschaftswachstum fördern.

Beck-Friis äußerte sich optimistisch, dass der kommende Haushalt die Märkte nicht dazu veranlassen werde, die finanzpolitische Glaubwürdigkeit Großbritanniens in Frage zu stellen. Diese sei nach dem Marktchaos, das durch die Steuersenkungen von Liz Truss vor zwei Jahren ausgelöst worden war, wiederhergestellt worden.

Angesichts der weiter sinkenden Inflation dürften die Renditen britischer Staatsanleihen attraktiver werden und sowohl Rendite als auch potenzielle Kapitalgewinne bieten.

Dies könnte eine solide Grundlage für die wirtschaftliche Erholung Großbritanniens legen und Anleihegläubiger dürften in den kommenden Jahren vom Halten britischer Staatsanleihen profitieren.