Wird die erwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank die stagnierende Wirtschaft in der Eurozone wiederbeleben?

Deepali Singh
17. Okt. 2024, 14:03 PM
  • Als Reaktion auf die sinkende Inflation wird die Europäische Zentralbank den Leitzins von 3,5% auf 3,25% senken.
  • Die Inflation in der Eurozone erreichte im September 1,8 Prozent und lag damit unter dem Zielwert von 2 Prozent.
  • Das Wirtschaftswachstum verläuft schleppend und lag im zweiten Quartal bei nur 0,3 Prozent.

Im Rahmen einer bedeutenden Änderung ihrer Geldpolitik wird die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Zinsen erneut senken.

Diese mit Spannung erwartete Entscheidung erfolgt als Reaktion auf einen kürzlich veröffentlichten Bericht, der darauf hinweist, dass die Inflation in der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahren gefallen ist und gleichzeitig eine spürbare Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu verzeichnen ist.

Während einer Sitzung im slowenischen Ljubljana – die anders als sonst in Frankfurt stattfinden würde – wird der Zinssatzrat der EZB voraussichtlich den Leitzins von 3,5% auf 3,25% anheben.

Wenn dies gelingt, wäre dies die dritte Zinssenkung in Folge seit Juni.

Die Inflationsentwicklung überraschte die Analysten, denn sie fiel stärker als erwartet.

Im September sank die Inflation auf 1,8 Prozent und lag damit erstmals seit 2020 unter dem EZB-Ziel von 2 Prozent.

Angesichts der zunehmenden Anzeichen einer Stagnation in der Eurozone, die im zweiten Quartal ein mageres Wachstum von 0,3 Prozent verzeichnete, glauben viele Experten, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde möglicherweise im Dezember zu weiteren Zinssenkungen neigen wird.

Holger Schmieding, chief economist at Berenberg Bank, noted:

Der weltweite Rückgang der Inflation ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass die Zentralbanken während der Covid-19-Pandemie die Kreditkosten von einem nahezu nullten Niveau aus drastisch erhöht haben.

Dieser Preisanstieg war zunächst eine Reaktion auf die steigenden Preise infolge von Unterbrechungen in den Lieferketten. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine, der wiederum zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise führte, verschärfte die Situation noch weiter.

Die EZB wurde 1999 zusammen mit der Einführung des Euro gegründet. Sie begann im Sommer 2021 mit ihrem Zinserhöhungszyklus und erreichte im September 2023 schließlich einen historischen Höchststand von 4 %.

Ziel dieser Strategie war es, die Inflation zu bekämpfen, indem Kredite sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen verteuert wurden.

Allerdings hatten diese Maßnahmen auch Nachwirkungen und trugen zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der gesamten Region bei.