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Welche Prognosen des IWF zur Weltwirtschaft für die Jahre 2024 und 2025 gibt es?

Welche Prognosen des IWF zur Weltwirtschaft für die Jahre 2024 und 2025 gibt es?
Dionysis Partsinevelos
24. Okt. 2024, 14:48 PM
  • Der IWF erhöhte das US-Wachstum für 2024 auf 2,8 Prozent und prognostizierte damit starke Verbraucherausgaben.
  • Für China führen ein schwächerer Immobilienmarkt und ein geringes Verbrauchervertrauen zu einer nach unten korrigierten Prognose von 4,8 Prozent.
  • Geopolitische Spannungen, steigende Schulden und die bevorstehenden US-Wahlen könnten das globale Wachstum bis 2025 beeinträchtigen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor kurzem eine Reihe von Aktualisierungen seines Weltwirtschaftsausblicks veröffentlicht, die Aufschluss über die jüngsten Entwicklungen in allen Volkswirtschaften weltweit geben.

An vorderster Front stehen zwei entscheidende Volkswirtschaften: die Vereinigten Staaten und China.

Während sich die US-Wirtschaft gegenüber einer strafferen Geldpolitik als widerstandsfähig erweist, lässt die wirtschaftliche Dynamik Chinas aufgrund interner Herausforderungen nach.

Zwar bietet der IWF hinsichtlich der allgemeinen Entwicklung der Weltwirtschaft noch immer eine relativ optimistische Einschätzung, er weist jedoch auch auf einige erhebliche Risiken und Chancen hin, die die nächsten Jahre prägen könnten.

Sind die USA immer noch der Motor des globalen Wachstums?

In seiner jüngsten Prognose erhöhte der IWF seine BIP-Wachstumsprognose für die USA im Jahr 2024 von 2,6 Prozent auf 2,8 Prozent. Damit wären die USA die stärkste Volkswirtschaft unter den Industrieländern.

Dieser Anstieg ist größtenteils auf die robusten Verbraucherausgaben zurückzuführen, die durch steigende Löhne und einen angespannten Arbeitsmarkt befeuert werden.

Den USA ist es gelungen, die hohe Inflation zu überstehen, ohne in eine Rezession zu stürzen – eine Leistung, die der IWF als „sanfte Landung“ bezeichnet.

Dieser positive Ausblick lässt darauf schließen, dass die geldpolitische Straffung der US-Notenbank die Wirtschaftstätigkeit nicht so stark beeinträchtigt hat, wie manche befürchtet hatten.

Eine wichtige Säule dieses Wachstums ist die Robustheit der US-Konsumausgaben.

Trotz früherer Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen höherer Zinssätze sind es weiterhin die amerikanischen Haushalte, die die Wirtschaftstätigkeit antreiben.

Diese Stärke hat den USA geholfen, ihre Rolle als stabilisierende Kraft in einer Weltwirtschaft aufrechtzuerhalten, die ansonsten von Unsicherheit geprägt ist.

Laut Pierre-Olivier Gourinchas, dem Chefökonomen des IWF, ist die Gefahr einer Rezession in den USA inzwischen geringer, vorausgesetzt, es kommt nicht zu scharfen Erschütterungen der Wirtschaft.

Doch auch wenn die Aussichten positiv sind, gibt es auch Herausforderungen.

Die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen erhöhen die Unsicherheit für die Wirtschaftsaussichten erheblich. Beide Kandidaten haben erhebliche Zölle auf chinesische Importe diskutiert, wobei der ehemalige Präsident Donald Trump hohe Abgaben von bis zu 60 % vorgeschlagen hat.

Der IWF warnte, dass derartige protektionistische Maßnahmen sowohl der US-Wirtschaft als auch der Weltwirtschaft schaden könnten. Sollten die gegenseitigen Zölle eskalieren, würde das BIP-Wachstum insgesamt bis 2025 um bis zu 0,8 Prozent sinken.

Warum verliert China an Dynamik?

Im Gegensatz zu den optimistischen Aussichten in den USA dürfte sich das Wirtschaftswachstum in China deutlich verlangsamen.

Der IWF korrigierte seine Prognose für China im Jahr 2024 von 5% auf 4,8% nach unten.

Die Gründe dafür sind vielfältig: ein schwächelnder Immobilienmarkt, geringes Verbrauchervertrauen und Konjunkturmaßnahmen, die bislang keine nennenswerten Auswirkungen gezeigt haben.

Trotz der jüngsten Schritte der chinesischen Zentralbank zur Ausweitung der Kreditvergabe hat der IWF diese Maßnahmen nicht in seine Prognosen aufgenommen, da es an Details und unmittelbaren Auswirkungen mangelt.

Chinas Probleme sind tief verwurzelt. Das Land hat mit einer Immobilienkrise zu kämpfen, die eine wichtige Vermögensquelle der Privathaushalte zerstört und die Konsumausgaben weiter gedämpft hat. Während China traditionell auf Exporte als Wachstumsmotor setzt, hat die schwache Binnennachfrage zu einer stärkeren Abhängigkeit von externen Märkten geführt. Diese Abhängigkeit ist jedoch nicht ohne Risiken, insbesondere da die globale Nachfrage weiterhin unsicher ist.

Sowohl die US-Finanzministerin Janet Yellen als auch Gourinchas betonen, wie wichtig es sei, die Binnennachfrage in China anzukurbeln.

Laut Gourinchas sind für Chinas aktuelle Handelsüberschüsse weniger industriepolitische als vielmehr makroökonomische Faktoren verantwortlich.

Der IWF ist der Ansicht, dass China zur Korrektur dieser Ungleichgewichte stärkere soziale Sicherheitsnetze entwickeln und die strukturellen Probleme seiner Wirtschaft, wie etwa die Schwierigkeiten im Immobiliensektor, angehen muss.

Ein stärkerer Fokus auf die Steigerung des Konsums könnte China dabei helfen, seine Exportabhängigkeit zu überwinden und einige der Belastungen abzubauen, die sich im vergangenen Jahr aufgebaut haben.

Was ist mit dem Rest der Welt?

Weltweit prognostiziert der IWF für 2024 und 2025 ein Wachstum von 3,2 Prozent und liegt damit leicht unter seinen Schätzungen vom Juli.

Dieser Ausblick wird durch eine Mischung aus Chancen und Risiken in verschiedenen Regionen getrübt.

So wurden etwa die Wachstumsprognosen für Lateinamerika nach oben korrigiert; für Brasilien verbessern sich die Aussichten aufgrund des starken privaten Konsums und der Investitionen.

Es wird erwartet, dass die brasilianische Wirtschaft im Jahr 2024 um 3 % wächst, was eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Schätzungen darstellt.

Anderen Regionen geht es jedoch nicht so gut.

In der Eurozone wird im Jahr 2024 ein Wachstum von lediglich 0,8 Prozent erwartet, da im deutschen verarbeitenden Gewerbe und in Italien weiterhin Probleme bestehen.

Auch Japan muss mit einem Abschwung seiner Wachstumsaussichten rechnen: Der IWF hat seine Prognose für 2024 aufgrund von Versorgungsengpässen und nachlassenden Vorteilen im Tourismus nach der Pandemie auf 0,3 Prozent gesenkt.

Trotz dieser Herabstufungen prognostiziert der IWF für Japan im Jahr 2025 eine Erholung aufgrund steigender Reallöhne und stärkerer Verbraucherausgaben.

Schwellenmärkte wie Indien bleiben Lichtblicke in der Weltwirtschaft.

Der IWF geht davon aus, dass Indiens BIP im Jahr 2024 um 7 % wachsen wird und das Land damit seine Position als eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften behaupten wird.

Dies ist teilweise auf eine Verschiebung der globalen Fertigungstrends zurückzuführen, da immer mehr Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten von China weg zu verlagern.

Auch wenn Indiens Gesamtwachstum weiterhin stark ist, ist es dennoch eine Herausforderung, sicherzustellen, dass dieses Wachstum der breiten Bevölkerung zugute kommt.

Was sind die wichtigsten Risiken und Chancen?

Insgesamt erscheinen die weltweiten Konjunkturaussichten stabil, es bestehen jedoch gewisse Gefahren.

Der IWF hat mehrere potenzielle Risiken identifiziert, die die Wachstumsaussichten gefährden könnten. Dazu gehören geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und die Volatilität der Finanzmärkte.

Besonders entscheidend bleiben dabei die Beziehungen zwischen den USA und China, wobei Zölle und Handelspolitik voraussichtlich nicht nur die bilateralen Beziehungen, sondern auch die globale Wirtschaftslandschaft im Allgemeinen beeinflussen werden.

Darüber hinaus ist der IWF besorgt über die steigende globale Verschuldung, die bis Ende 2024 die Marke von 100 Billionen US-Dollar erreichen dürfte. Für viele Volkswirtschaften stellt dies eine große Herausforderung dar, insbesondere für jene mit begrenztem haushaltspolitischen Spielraum.

Der IWF rät den Ländern, ihre Schuldendynamik zu stabilisieren und eine sorgfältige Haushaltskonsolidierung vorzunehmen, um plötzliche, marktgetriebene Anpassungen zu vermeiden.

Wie Gourinchas anmerkt, „wird eine Verschiebung der Anpassung lediglich dazu führen, dass letzten Endes eine umfassendere Korrektur nötig wird“, was die Notwendigkeit einer proaktiven Wirtschaftssteuerung unterstreicht.

Diese Herausforderungen bieten aber auch Chancen. Länder wie Brasilien könnten durch kontinuierliche Investitionen in die Infrastruktur und soziale Programme ihr Wachstum aufrechterhalten.

Für China könnte eine Verlagerung hin zu einem konsumorientierten Wachstum einen Teil des wirtschaftlichen Drucks lindern und einen ausgewogeneren Weg für die Zukunft eröffnen.

Der IWF sieht zudem Potenzial in den weltweiten Bemühungen um eine Umstellung auf grüne Energien. Diese könnte neue Wachstumschancen für Volkswirtschaften eröffnen, die bereit sind, in nachhaltige Technologien zu investieren.

Der Weg nach vorn

Die globalen Wirtschaftsaussichten für 2024 werden stark davon abhängen, wie wichtige Länder ihre Herausforderungen bewältigen, insbesondere angesichts der bevorstehenden politischen Unsicherheiten.

Die USA sind in einer starken Position, doch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen könnten die Handels-, Steuer- und Umweltpolitik sowie die Haltung des Landes zu den anhaltenden geopolitischen Konflikten verändern.

Gleichzeitig muss sich China mit tiefer liegenden Problemen auf seinem Immobilienmarkt auseinandersetzen und Wege finden, die Konsumausgaben anzukurbeln, wenn das Land seine Stabilität bewahren will.

Mit Blick auf das Jahr 2025 erwartet der IWF eine leichte Verbesserung: Das weltweite Wachstum dürfte auf 3,2 Prozent steigen.

Dies hängt jedoch von der Fähigkeit der Länder ab, sich an veränderte Bedingungen anzupassen.

Die USA müssen ihre Haushaltspolitik ausbalancieren, während China bei seinen innenpolitischen Reformen echte Fortschritte erzielen muss.

Regionen wie Europa und Japan müssen sich auch auf ihre strukturellen Probleme konzentrieren, um Schritt zu halten.

Ob das Jahr 2024 einen stetigen Aufschwung oder ein Jahr mit erhöhten Risiken markiert, wird die Entwicklung bis 2025 und darüber hinaus prägen.