Siemens übernimmt Altair Engineering für 10,6 Milliarden Dollar und stärkt damit seinen Geschäftsbereich Industriesoftware

Siemens übernimmt Altair Engineering für 10,6 Milliarden Dollar und stärkt damit seinen Geschäftsbereich Industriesoftware
Diya Poddar
31. Okt. 2024, 09:52 AM
  • Durch die Übernahme dürfte der Digitalumsatz von Siemens um 8 % steigen und im Geschäftsjahr 2023 einen Zuwachs von rund 600 Millionen Euro bewirken.
  • Siemens geht davon aus, dass Altair den Gewinn pro Aktie innerhalb von zwei Jahren steigern und den Jahresumsatz langfristig von 500 Millionen auf eine Milliarde Dollar erhöhen wird.
  • Siemens konkurriert mit Rockwell Automation, Emerson Electric und ABB im 21,5 Milliarden Dollar schweren Industriesoftwaresektor.

Siemens AG, Deutschlands Industrieriese, übernimmt das US-Unternehmen Altair Engineering im Rahmen eines 10,6-Milliarden-Dollar-Deals. Dies ist die größte Akquisition von Siemens seit 2020.

Siemens möchte seinen Geschäftsbereich Industriesoftware durch die Integration der hochentwickelten Simulationssoftware von Altair stärken, die die Produktleistung in realen Szenarien vorhersagt.

Die Übernahme steht im Einklang mit der Strategie von Siemens, seine digitalen Fähigkeiten über den traditionellen Industriebetrieb hinaus auszubauen und den Fokus auf die Kombination digitaler und physischer Systeme zur Optimierung der Prozesse in Fabriken, Zügen und Gebäuden zu verstärken.

Es wird erwartet, dass die Transaktion innerhalb von zwei Jahren nach Abschluss der Transaktion, voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2025, einen positiven Ergebnisbeitrag für Siemens liefert.

Mit der Simulationstechnologie von Altair erwartet Siemens im Geschäftsjahr 2023 eine Steigerung seines digitalen Umsatzes um 8 % oder rund 600 Millionen Euro.

Die längerfristigen Aussichten der Übernahme gehen von einem jährlichen Umsatz von 500 Millionen US-Dollar aus, der sich aufgrund der steigenden Nachfrage nach Industriesoftware möglicherweise auf über eine Milliarde US-Dollar verdoppeln könnte.

Mithilfe der Software von Altair kann Siemens Hersteller besser dabei unterstützen, Produkte digital zu testen, und Branchen wie der Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie der Konsumgüterindustrie dabei unterstützen, die Produktentwicklung zu beschleunigen.

Siemens-Altair Engineering-Deal

Der Übernahmepreis von 113 US-Dollar pro Aktie entspricht einem Aufschlag von 18,7 Prozent auf den Altair-Aktienkurs vom 21. Oktober, also vor der Bekanntgabe des möglichen Verkaufs.

Die Prämie unterstreicht das Engagement von Siemens, seine Präsenz im Industriesoftwaresektor, dessen Wert weltweit auf 21,5 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, auszubauen.

Durch die Übernahme von Altair kann Siemens künftig effektiver gegen Branchenriesen wie Rockwell Automation, Emerson Electric und ABB antreten und seine Position auf dem Markt für Industriesoftware stärken.

Da Siemens seinen Marktanteil in der industriellen Automatisierung erhöhen möchte, bietet die starke Präsenz von Altair in den USA einen strategischen Wert.

Siemens-Chef Roland Busch hat angedeutet, dass das Unternehmen sein Software- und Digitalangebot in den USA ausbauen will, um die schwächere Entwicklung auf dem chinesischen Markt auszugleichen.

Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas betonte in einem aktuellen Interview, dass Software-Akquisitionen eine Möglichkeit seien, das Automatisierungsgeschäft von Siemens auszubauen, insbesondere in den USA, wo die Nachfrage nach intelligenten Fertigungslösungen steigt.

Die Software von Altair entspricht der Strategie von Siemens, Hardware mit hochmoderner Software zu kombinieren und so die Effizienz der Produktionslinien, Infrastruktur und Transportlösungen von Siemens zu steigern.

Der Fokus von Siemens auf Fabrikautomatisierung und digitale Transformation dürfte durch die Produktsuite von Altair deutlich gestärkt werden, da sie Herstellern erweiterte Möglichkeiten bietet, Produkte zu simulieren und zu testen, bevor sie auf den Markt kommen.

Die Übernahme unterstützt zudem die umfassendere Vision von Siemens, eine „digital-physische Konvergenz“ aller seiner Produkte und Dienstleistungen zu ermöglichen.

Die Transaktion dürfte sich voraussichtlich bis 2027 positiv auf den Gewinn je Aktie (EPS) von Siemens auswirken, also zwei Jahre nach dem voraussichtlichen Abschluss der Transaktion im Jahr 2025.

Dieser Zeitrahmen spiegelt den Fokus von Siemens auf langfristige Profitabilität durch Investitionen in die digitale Transformation und industrielle Automatisierung wider.

Die Technologie von Altair wird für die digitale Offensive von Siemens von entscheidender Bedeutung sein und es dem Unternehmen ermöglichen, einen größeren Anteil am 21,5 Milliarden US-Dollar schweren Markt für Industriesoftware zu erobern.