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Schaeffler kündigt 4.700 Stellenabbau in Europa an, Betriebsergebnis sinkt um 45 %

Schaeffler kündigt 4.700 Stellenabbau in Europa an, Betriebsergebnis sinkt um 45 %
Diya Poddar
05. Nov. 2024, 14:26 PM
  • In Deutschland stehen die größten Kürzungen bevor: 2.800 Arbeitsplätze an zehn Standorten sind gefährdet.
  • Restrukturierung im Zusammenhang mit der Vitesco-Fusion mit dem Ziel, bis 2029 jährliche Einsparungen von 290 Millionen Euro zu erzielen.
  • Der Gewinn lag mit 187 Millionen Euro unter den Erwartungen der Analysten (gegenüber der Prognose von 209,4 Millionen Euro).

Der deutsche Maschinen- und Autoteilehersteller Schaeffler hat Pläne zur Entlassung von 4.700 Mitarbeitern in ganz Europa angekündigt. Die Hauptlast trägt dabei Deutschland, da der Konzern auf dem schwierigen Automobilmarkt einem zunehmenden Druck ausgesetzt ist.

Zu dieser Entscheidung kam Schaeffler, nachdem das Betriebsergebnis des Konzerns im dritten Quartal um fast 45 Prozent eingebrochen war. Sie unterstreicht die Schwierigkeiten, mit denen die europäische Automobilbranche angesichts steigender Produktionskosten, zunehmender globaler Konkurrenz und der anhaltenden Umstellung auf Elektrofahrzeuge konfrontiert ist.

Warum baut Schaeffler Stellen ab?

Die Entscheidung von Schaeffler ist auf das schwierige Umfeld in der europäischen Automobilindustrie zurückzuführen, die unter steigenden Produktionskosten, Lieferkettenproblemen und einem zunehmenden Druck zur Umstellung auf Elektrofahrzeuge leidet.

Das Unternehmen wies darauf hin, dass die Entlassungen im Rahmen eines umfassenderen Transformationsplans erfolgen, der auf eine Rationalisierung der Betriebsabläufe und eine Anpassung an die Marktnachfrage abzielt.

Der mit dem Elektroantriebsspezialisten Vitesco fusionierte Automobilzulieferer hat seine Belegschaft auf 120.000 Mitarbeiter aufgestockt.

Die Fusion veranlasste Schaeffler zudem zu einer Überprüfung seiner Betriebsstruktur, die zu geplanten Verwaltungskürzungen zur Steigerung der Effizienz führte.

Wie hoch sind die Einsparungen für Schaeffler hierdurch?

Schaeffler geht davon aus, dass durch den Stellenabbau bis Ende 2029 jährliche Einsparungen von rund 290 Millionen Euro erzielt werden können. Die Kosten für den Umbau belaufen sich zunächst auf 580 Millionen Euro.

Diese Einsparungen sind von entscheidender Bedeutung, da das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit stärken und der sinkenden Nachfrage in wichtigen Märkten, insbesondere in Europa und China, begegnen möchte.

In Deutschland dürften die Auswirkungen am deutlichsten sein: An zehn Standorten ist ein Stellenabbau von 2.800 Stellen geplant.

Die restlichen Kürzungen werden sich auf verschiedene europäische Standorte erstrecken, darunter auch zwei Standortschließungen, deren genaue Festlegung noch offen ist.

Schaeffler kündigte an, dass 1.000 dieser Stellen durch natürliche Fluktuation oder Stellenverlagerung abgebaut werden sollen. Damit beläuft sich die Nettoentlassungsrate auf 3.700 Stellen – das entspricht rund 3,1 Prozent der Belegschaft.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen von Schaeffler sank im Zeitraum Juli bis September auf 187 Millionen Euro und verfehlte damit die durchschnittliche Analystenprognose von 209,4 Millionen Euro.

Die düsteren Finanzergebnisse des Unternehmens spiegeln die Ergebnisse anderer Automobilzulieferer wider, darunter der schwedischen SKF und der französischen Valeo, die ihre schwache Leistung ebenfalls auf die schwache Nachfrage in Europa und China zurückführten.

Die europäische Automobilindustrie muss sich in einem komplexen Umfeld bewegen, das durch hohe Arbeits- und Energiekosten gekennzeichnet ist. Dies gilt insbesondere für Deutschland, wo diese Faktoren zu den höchsten in Europa gehören.

Volkswagen, Europas größter Autobauer, erwägt sogar die Schließung einiger deutscher Werke, während das Unternehmen mit den Gewerkschaften über eine vorgeschlagene Lohnkürzung von 10 % verhandelt.

Der Personalabbau bei Schaeffler spiegelt einen allgemeinen Trend in der Branche wider, da die Unternehmen Kostensenkungsmaßnahmen mit der Notwendigkeit langfristiger Innovationen in Einklang bringen müssen, um den sich ändernden Marktanforderungen gerecht zu werden.

Der Trend zu Elektrofahrzeugen und die Notwendigkeit einer effizienten, emissionsarmen Produktion treiben diesen Wandel voran und setzen traditionelle Hersteller und Zulieferer unter Druck, ihre Betriebsabläufe zu rationalisieren.

Die Umstrukturierung folgt auf die strategische Fusion von Schaeffler mit Vitesco, die die Kompetenzen des Unternehmens im Bereich Elektromobilität stärken soll.

Da das Unternehmen mit sinkender Nachfrage und Rentabilität zu kämpfen hat, sind die Entlassungen Teil einer aggressiven Strategie, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und sich an einen sich entwickelnden Markt anzupassen.

Durch die Reduzierung administrativer Rollen und die Konsolidierung von Ressourcen möchte Schaeffler seine Widerstandsfähigkeit erhöhen und den Anforderungen der sich schnell verändernden Automobillandschaft gerecht werden.