Die Geschichte zeigt, dass republikanische Siege kurzfristig nicht gut für Gold sind

Die Geschichte zeigt, dass republikanische Siege kurzfristig nicht gut für Gold sind
Sayantan Sarkar
12. Nov. 2024, 10:27 AM
  • Seit der Wahl einer republikanischen Regierung im Jahr 1976 ist der Goldpreis im Schnitt um 4,5 Prozent gesunken.
  • Aufgrund politischer Unsicherheiten waren die Goldpreise im Vorfeld des Wahltags stark angestiegen.
  • Die Silberpreise fallen trotz der gestiegenen Nachfrage durch den Ausbau der Solarkapazitäten in allen Ländern.

Der Ausverkauf auf dem Goldmarkt setzte sich diese Woche fort, da der Dollar nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024 stieg.

Analysten glauben jedoch, dass der Rückgang des Goldpreises nicht nur auf Trumps Wahlsieg zurückzuführen ist.

Analysten bei Heraeus wiesen darauf hin, dass Wahlsiege der Republikaner in der Vergangenheit kein gutes Zeichen für die kurzfristigen Preisziele von Gold gewesen seien.

Nach Trumps letztem Wahlsieg im Jahr 2016 sei es zu einem Rückgang des Goldpreises um 11,6 Prozent gekommen, werden Heraeus-Analysten in einem Bericht von Kitco.com zitiert.

Preisrutsch nicht nur auf Trump zurückzuführen

Analysten von Heraeus wiesen zudem darauf hin, dass Trumps Wahlsieg nicht der einzige Grund für den aktuellen Niedergang des Goldpreises sei.

„Seit 1976 hat die Wahl einer republikanischen Regierung innerhalb von 60 Tagen zu einem durchschnittlichen Rückgang des Goldpreises um 4,5 Prozent geführt, verglichen mit einem durchschnittlichen Anstieg von 3,8 Prozent bei einem Sieg der Demokraten“, heißt es in einem Bericht von Heraeus.

„Die wahrscheinliche Mehrheit im Repräsentantenhaus und die bestätigte republikanische Kontrolle im Senat erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung konservativer Wirtschaftspolitik und verringern die Unsicherheit hinsichtlich der geopolitischen Ausrichtung, jedoch nicht hinsichtlich der Details.“

Allerdings dürften Trumps radikale Maßnahmen auch den Goldpreis belasten.

Es wird erwartet, dass der designierte Präsident die Zölle auf sämtliche Importwaren in die USA, insbesondere aus China, erhöht.

Man geht davon aus, dass die erhöhten Zölle nicht nur zu einem Anstieg der Inlandspreise führen, sondern auch den Inflationsdruck in der Wirtschaft erhöhen werden.

In einem solchen Szenario wäre die US-Notenbank gezwungen, ihren Zinssenkungszyklus zu verlangsamen.

Das erhöhte Zinsniveau belastet den Goldpreis, da das gelbe Metall im Gegensatz zu Anleihen keine Zinsen abwirft.

Goldpreisentwicklung rund um die US-Wahlen

In den Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 am 5. November waren die Goldpreise stark gestiegen.

Die Preise an der COMEX hatten eine Reihe neuer Rekordhöhen erreicht und vor dem Wahlausgang erstmals die Marke von 2.700 bzw. 2.800 Dollar pro Unze überschritten.

Der Preisanstieg war vor allem auf die politische Unsicherheit auf dem Markt zurückzuführen. Die Attraktivität des gelben Metalls als sicherer Hafen nahm stark zu, was den steilen Preisanstieg befeuerte.

Analysten von Heraeus sagten, dass eine etwaige Verlangsamung der Zinssenkungen durch die US-Notenbank sich langfristig positiv auf den Goldpreis auswirken könnte.

„Der Zinssenkungskurs der Federal Reserve – der am Donnerstag um die erwarteten 25 Basispunkte angepasst wurde – muss möglicherweise gebremst oder geändert werden, wenn die Inflation steigt. Dieses Ergebnis würde die Nachfrage nach sicheren Häfen auf etwas längerfristigere Sicht unterstützen.“

Nach der Wahl ist der Dollar jedoch stark gestiegen, was den Rohstoffmarkt unter Druck setzt. Ein stärkerer Dollar macht in Greenback gehandelte Rohstoffe für ausländische Käufer teurer.

Unterdessen belastete der Anstieg des Bitcoin-Preises am Montag auch den Goldpreis.

Erweiterung der Solarkapazität steigert die Silbernachfrage

Silber dürfte in der Solarindustrie weiterhin gefragt sein. Die zunehmende Solarkapazität und ein Technologiewandel dürften die Nachfrage nach dem grauen Metall steigern.

„Letzte Woche forderte der britische National Energy System Operator (NESO) die britische Regierung auf, bis 2030 über eine Solarkapazität von 47 GW in Großbritannien zu verfügen“, erklärten Analysten von Heraeus gegenüber Kitco.com.

„Die britische Solarkapazität erreichte Ende Juli 2024 17 GW (Quelle: Department for Energy Security and Net Zero). Die im Juli 2024 verzeichnete Kapazität war 1,2 GW höher als im Juli 2023. Um die Ziele von NESO zu erfüllen, muss Großbritannien seine jährliche Solarstromausbaurate also fast vervierfachen.“

Den Analysten zufolge übertrifft das Wachstum beim Ausbau der Solarkapazität in Deutschland das in Großbritannien. In China hingegen ist das Wachstum in beiden oben genannten Ländern weitaus größer.

Doch trotz dieser mittel- und langfristigen Wachstumsprognosen sind die Silberpreise seit letzter Woche ebenso verhalten wie die Goldpreise.

„Wie bei den übrigen Edelmetallen ist der Silberpreis letzte Woche gesunken und fiel wieder unter 32 Dollar pro Unze“, hieß es in einem Bericht von Heraeus.

Auch am Dienstag fielen die Preise weiter. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels lagen die Preise an der COMEX um 0,6 % niedriger bei 30,435 USD.