Trump will Vorschriften für autonome Fahrzeuge lockern: Was das für die Tesla-Aktie bedeutet

Trump will Vorschriften für autonome Fahrzeuge lockern: Was das für die Tesla-Aktie bedeutet
Vatsala Gaur
18. Nov. 2024, 12:24 PM
  • Trumps Übergangsteam priorisiert Vorschriften für selbstfahrende Fahrzeuge, die Teslas Robotaxi-Pläne vorantreiben könnten.
  • Analysten gehen davon aus, dass die Tesla-Aktie im Zuge regulatorischer Änderungen steigen könnte.
  • Mögliche regulatorische Änderungen, die sich positiv auf die gesamte AV-Branche auswirken, einschließlich Waymo und Zoox.

Das Übergangsteam des designierten Präsidenten Donald Trump hat Pläne angedeutet, der Entwicklung eines bundesstaatlichen Rahmens für vollautonome Fahrzeuge Priorität einzuräumen, ein Schritt, der erhebliche Auswirkungen auf Tesla Inc. und seinen CEO Elon Musk haben könnte, berichtete Bloomberg.

Laut Personen, die mit den in der Veröffentlichung zitierten Diskussionen vertraut sind, könnten diese regulatorischen Ambitionen die Landschaft für selbstfahrende Technologien in den Vereinigten Staaten neu gestalten und Teslas Pläne beschleunigen, selbstfahrende Fahrzeuge in großem Maßstab einzusetzen.

Der Vorstoß für neue Regelungen kommt für Musk zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da er sich als wichtiger Verbündeter Trumps und wichtiger Geldgeber für dessen Wahlkampf etabliert hat.

Musk wurde kürzlich gemeinsam mit dem Unternehmer Vivek Ramaswamy zum Leiter des Ministeriums für Regierungseffizienz des designierten Präsidenten ernannt und hat dadurch politischen Einfluss gewonnen, der regulatorische Änderungen beschleunigen könnte.

Pläne in Erwägung

Laut Angaben von Personen mit Kenntnis der Diskussionen, die anonym bleiben möchten, da sie nicht befugt sind, öffentlich zu sprechen, sucht das Trump-Team nach politischen Entscheidungsträgern für das Ministerium, um einen Regulierungsrahmen für selbstfahrende Fahrzeuge zu schaffen, so Bloomberg.

Zwar kann das Verkehrsministerium über die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) Regelungen erlassen, um den Einsatz autonomer Fahrzeuge zu erleichtern, doch um den Weg für eine flächendeckende Einführung selbstfahrender Autos zu ebnen, bedarf es eines Gesetzes des Kongresses.

Zwei Quellen zufolge zielt ein parteiübergreifender Gesetzesvorschlag in der Vorphase darauf ab, bundesweite Richtlinien für autonome Fahrzeuge festzulegen.

Als einer der Kandidaten, die für den Posten des Verkehrsministers in Erwägung gezogen werden, gilt Emil Michael, ein ehemaliger leitender Angestellter von Uber Technologies Inc., der mit Trumps Team und potenziellen Mitarbeitern gesprochen habe, hieß es.

Die Arbeiten befänden sich noch in einem frühen Stadium und die politischen Details müssten noch festgelegt werden, hieß es.

Den Informationen zufolge seien auch die republikanischen Abgeordneten Sam Graves aus Missouri und Garret Graves aus Louisiana für die Leitung des Ministeriums im Gespräch.

Aktuelle Herausforderungen für Teslas AV-Träume

Die bestehenden Bundesvorschriften stellen für Unternehmen wie Tesla, das eine große Anzahl fahrerloser Robotertaxis produzieren will, enorme Herausforderungen dar.

Die derzeitigen Bestimmungen begrenzen die Zahl der selbstfahrenden Fahrzeuge, die ein Hersteller im Rahmen besonderer Ausnahmeregelungen jährlich einsetzen darf, auf 2.500.

Bemühungen, diese Grenze auf 100.000 anzuheben, scheiterten im Kongress wiederholt aufgrund von Blockaden bei der Gesetzgebung.

Die Unterstützung der Trump-Regierung für autonome Fahrzeuge könnte die Hoffnung auf derartige Gesetzesänderungen wieder aufleben lassen.

Zwar verfügt die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) über einen gewissen Spielraum bei der Lockerung von Beschränkungen, doch ein umfassender bundesstaatlicher Rahmen bedarf der Unterstützung durch den Gesetzgeber.

Frühere Bemühungen, darunter einer während Trumps erster Amtszeit, kamen im Repräsentantenhaus durch, scheiterten jedoch im Senat.

Auch Versuche, auf AV ausgerichtete Gesetzentwürfe mit anderen Vorschlägen zusammenzuführen, kamen während der Amtszeit von Präsident Biden ins Stocken, hauptsächlich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über den Haftungsschutz für Hersteller.

Teslas Weg nach vorn und der Wettbewerb auf dem AV-Markt

Die ehrgeizigen Pläne von Tesla basieren auf seinem Full Self-Driving (FSD)-System, das derzeit als Fahrerassistenzsystem der Stufe 2 eingestuft wird.

Trotz jahrelanger Versprechen hat FSD noch immer keine echte Autonomie erreicht. Alle 160 bis 320 Kilometer kommt es zu kritischen Sicherheitseingriffen.

Um praktikable Robotertaxis einsetzen zu können, muss diese Zahl um ein Vielfaches steigen.

Musk geht optimistisch davon aus, dass Tesla bis Mitte 2025 in Texas und Kalifornien über die Fähigkeit zum autonomen Fahren verfügen wird, obwohl er in der Vergangenheit den Zeitplan immer wieder geändert hat.

Die Schaffung eines föderalen AV-Rahmens könnte auch anderen Robotaxi-Entwicklern wie Waymo und Zoox Türen öffnen.

Das zu Alphabet gehörende Unternehmen Waymo hat seinen Robotaxi-Betrieb in Großstädten wie San Francisco, Los Angeles und Phoenix ausgeweitet, während Amazons Zoox mit Tests in Las Vegas und San Francisco begonnen hat.

Teslas Aktienausblick im Zuge regulatorischer Veränderungen

Die Tesla-Aktie reagierte positiv auf mögliche regulatorische Impulse und stieg am Sonntagabend auf Handelsplattformen wie Robinhood um über 5 %, als sich die Nachricht von Trumps Interesse an selbstfahrenden Autos verbreitete.

Analysten haben sich in der jüngsten Vergangenheit optimistisch geäußert, dass Teslas Vision für autonomes Fahren einen positiven Wertzuwachs für den Aktienkurs des Unternehmens bedeuten würde, und die Verwirklichung von Trumps Plänen könnte diese Chance eröffnen.

Analysten bei Morgan Stanley unter der Leitung von Adam Jonas hatten bereits früher argumentiert, dass Tesla aufgrund des mutigen Engagements bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge und seiner firmeneigenen Robotaxi-Plattform einen anhaltenden Aufschwung erleben könnte, wenn Musk seinen politischen Einfluss effektiv einsetzt.

Analysten sind überzeugt, dass Teslas autonome Technologie der „große Durchbruch“ sein könnte, der das Unternehmen zu einem führenden Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz macht.

Das optimistischste Szenario von Morgan Stanley prognostiziert einen Anstieg der Tesla-Aktie auf 500 Dollar.

Das Unternehmen ist überzeugt, dass Tesla aufgrund seiner Expertise in den Bereichen künstliche Intelligenz, Daten und vertikale Integration in einer einzigartigen Position ist, vom Wachstum des AV-Marktes zu profitieren.

Dan Ives, Analyst bei Wedbush, teilt den Optimismus von Morgan Stanley.

Ives prognostiziert, dass die Marktkapitalisierung von Tesla in den nächsten 12 bis 18 Monaten von 1 Billion auf 1,5 Billionen oder sogar 2 Billionen Dollar steigen könnte. Grund dafür seien die FSD-Technologie und die bevorstehende Markteinführung des Cybercabs, des selbstfahrenden Fahrzeugs von Tesla.

Er betonte, dass unter Trumps Führung die Regulierung von autonomen Fahrzeugen deutlich günstiger werden könnte, wodurch das „regulatorische Spinnennetz“ reduziert würde, das Teslas Fortschritt bisher behindert habe.

RBC Capital Markets hat außerdem seinen Ausblick für Tesla revidiert und das Kursziel von 323 auf 387 US-Dollar angehoben.

Die Bank verwies auf ihr wachsendes Vertrauen in die AV-Fähigkeiten von Tesla und die durch die vertikale Integration erzielten betrieblichen Vorteile.

Besonders ermutigt zeigten sich die RBC-Analysten von ihrem Rundgang durch Teslas Giga-Anlage in Texas, bei dem die Fortschritte des Unternehmens bei der Skalierung seiner autonomen Technologien präsentiert wurden.

Sie wiesen auch darauf hin, dass Tesla aufgrund seines praxisorientierten Ansatzes bei der Entwicklung von Software, Hardware und künstlicher Intelligenz einen Wettbewerbsvorteil gegenüber etablierten Automobilherstellern habe.