Ford streicht 4.000 Stellen in Europa, davon 800 in Großbritannien

Ford streicht 4.000 Stellen in Europa, davon 800 in Großbritannien
Diya Poddar
20. Nov. 2024, 18:11 PM
  • Die Mehrzahl dieser Entlassungen wird Funktionen in der Verwaltung, im Support und in der Produktentwicklung betreffen.
  • Fords Ankündigung erfolgt zu einer Zeit, in der der europäische Markt für Elektrofahrzeuge mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen hat.
  • Chinesische Automobilhersteller bauen ihre Präsenz in der Region aggressiv aus.

Die Ford Motor Company hat Pläne bekannt gegeben, bis Ende 2027 in ganz Europa 3.800 Stellen abzubauen, da das Unternehmen mit den Herausforderungen der Elektrifizierung und der zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Hersteller von Elektrofahrzeugen (EV) zu kämpfen hat.

Die Mehrzahl dieser Entlassungen wird Funktionen in der Verwaltung, im Support und in der Produktentwicklung betreffen; auch einige Positionen in der Produktion sind gefährdet.

Trotz der umfassenden Änderungen bestätigte das Unternehmen, dass seine britischen Kraftwerke in Dagenham und Halewood davon nicht betroffen seien.

Die Umstrukturierung ist Teil der Strategie von Ford, als Reaktion auf die geringer als erwartete Nachfrage nach Elektrofahrzeugen eine schlankere und kostengünstigere Struktur zu schaffen.

Der Automobilhersteller plant, diese Reduzierungen durch freiwillige Maßnahmen zu erreichen und so die Beeinträchtigung der Belegschaft auf ein Minimum zu reduzieren.

Herausforderungen auf dem Elektroautomarkt setzen Ford unter Druck

Fords Ankündigung erfolgt zu einer Zeit, in der der europäische Markt für Elektrofahrzeuge mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen hat.

Chinesische Autohersteller weiten ihre Präsenz in der Region aggressiv aus und bieten Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen an, die etablierten Marken Konkurrenz machen.

Gleichzeitig sind die Verbraucher besorgt wegen der hohen Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen, der Bedenken hinsichtlich der Reichweite und der unzureichenden öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Ford hat betont, dass zur Lösung dieser Probleme eine stärkere Zusammenarbeit mit Regierungen und anderen Interessengruppen erforderlich sei.

Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass gezielte Anreize und Investitionen von entscheidender Bedeutung sind, um die Akzeptanz bei den Verbrauchern zu fördern und den Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen zu unterstützen.

Neue Vorschriften erhöhen den Druck auf Hersteller

Im Rahmen ihrer umfassenden Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels müssen die britischen Automobilhersteller strenge, von der Regierung vorgegebene Zielvorgaben für den Verkauf von Elektrofahrzeugen einhalten.

Ab 2024 müssen die Hersteller sicherstellen, dass 22 % aller verkauften Neuwagen emissionsfreie Fahrzeuge sind.

Dieser Anteil soll schrittweise steigen und bis 2030 80 % und bis 2035 100 % erreichen.

Werden diese Quoten nicht eingehalten, drohen den Herstellern empfindliche Geldbußen: Für jedes nicht-emissionsfreie Fahrzeug, das über dem zulässigen Grenzwert verkauft wird, müssen sie mit einer Strafe von 15.000 Pfund rechnen.

Trotz dieser ehrgeizigen Ziele äußerte die britische Automobilindustrie, vertreten durch die Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT), Zweifel daran, ob die Vorgabe für 2024 erfüllt werden kann.

Branchenführer argumentieren, dass ohne stärkere Anreize und eine verbesserte Infrastruktur die Skepsis der Verbraucher den Umstieg auf Elektrofahrzeuge behindern könnte.

Fords Investition in den europäischen Markt

Ford hat massiv in seine europäischen Niederlassungen investiert, um den gesetzlichen Vorschriften nachzukommen und eine wettbewerbsfähige Produktpalette an Elektrofahrzeugen zu entwickeln.

Das Unternehmen hat vor Kurzem eine Reihe neuer Elektromodelle vorgestellt, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten sind.

Angesichts des wirtschaftlichen Drucks auf die Haushaltseinkommen ist sich Ford darüber im Klaren, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um die Nachfrage anzukurbeln.

Laut SMMT haben die Hersteller allein in diesem Jahr insgesamt 2 Milliarden Pfund in Preissenkungen und andere Maßnahmen investiert, um die Verkäufe von Elektrofahrzeugen in Großbritannien anzukurbeln.

Branchenkenner warnen jedoch, dass derartige Bemühungen ohne langfristige staatliche Unterstützung nicht nachhaltig seien.

Treffen mit britischen Beamten unterstreicht Dringlichkeit

Angesichts dieser Herausforderungen haben Ford und andere Automobilhersteller den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern gesucht.

Führungskräfte trafen sich vor Kurzem mit der britischen Verkehrsministerin Louise Haigh, um regulatorische Rahmenbedingungen und Strategien zur Erreichung der Verkaufsziele zu besprechen.

Das Treffen unterstrich die Notwendigkeit stärkerer Anreize, um Elektrofahrzeuge einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Auch Bedenken hinsichtlich der Infrastruktur wurden geäußert. Die Hersteller wiesen darauf hin, dass erhebliche Lücken im öffentlichen Ladenetz ein großes Hindernis für die Einführung von Elektrofahrzeugen darstellen.

Branchenvertreter forderten verstärkte Investitionen in Ladestationen, insbesondere in ländlichen und unterversorgten Gebieten, um die wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen auf Großbritanniens Straßen zu unterstützen.

Die Umstrukturierung von Ford spiegelt allgemeinere Trends in der europäischen Automobilindustrie wider, wo die Unternehmen unter enormem Druck stehen, von Verbrennungsmotoren auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

In Deutschland macht der Automobilsektor etwa 5 % der Wirtschaft aus, was unterstreicht, wie viel mit der Umstellung auf Elektrifizierung auf dem Spiel steht.

Während die Hersteller diese Veränderungen bewältigen, ist die Zusammenarbeit zwischen Branchenakteuren, Regierungen und anderen Interessengruppen von entscheidender Bedeutung.

Für Ford hängt der Erfolg seiner europäischen Aktivitäten davon ab, in einem sich rasch entwickelnden Markt das richtige Gleichgewicht zwischen Innovation, Kosteneffizienz und Attraktivität für den Verbraucher zu finden.