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Warum warnt die EZB vor einer „Blase“ bei KI-Aktien, und sollten sich Anleger Sorgen machen?

Warum warnt die EZB vor einer „Blase“ bei KI-Aktien, und sollten sich Anleger Sorgen machen?
Srinibas Rout
20. Nov. 2024, 13:43 PM
  • Die EZB stellte fest, dass die US-Aktienmärkte zunehmend von einigen wenigen großen KI-Unternehmen dominiert werden.
  • Diese Abhängigkeit könnte zu Volatilität führen, insbesondere wenn die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt werden.
  • Nach Angaben der EZB hätten die Fonds ihre Barreserven reduziert und seien dadurch anfälliger für Liquiditätsengpässe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vor einer möglichen „Blase“ bei Aktien im Bereich künstliche Intelligenz (KI) gewarnt. Sie warnt, dass die wachsende Abhängigkeit des Marktes von einer Handvoll KI-basierter Unternehmen zu erheblichen finanziellen Störungen führen könnte.

Die Warnung wurde im Rahmen des jüngsten Finanzstabilitätsberichts der EZB ausgesprochen, der am 20. November veröffentlicht wurde.

Übermäßige Abhängigkeit von KI-Unternehmen

Die EZB betonte, dass sich die Aktienmärkte insbesondere in den USA zunehmend auf einige wenige Großunternehmen konzentrieren, die vom KI-Boom profitieren.

Diese Abhängigkeit könnte zu Volatilität führen, insbesondere wenn die Ertragserwartungen der Anleger hinsichtlich dieser Unternehmen nicht erfüllt werden.

„Die Konzentration auf einige wenige große Unternehmen gibt Anlass zur Sorge über die Möglichkeit einer KI-bezogenen Vermögenspreisblase“, heißt es in dem Bericht.

Die EZB warnte zudem, dass eine Korrektur der KI-Aktienbewertungen angesichts der Vernetzung der globalen Aktienmärkte globale Übertragungseffekte auslösen könnte.

Risiken geringer Liquiditätspuffer

Die EZB stellte fest, dass die Fonds ihre Barreserven reduzierten und dadurch anfälliger für Liquiditätsengpässe seien, was die Besorgnis zusätzlich verstärkte.

„Angesichts der relativ geringen liquiden Vermögenswerte und der erheblichen Liquiditätsdefizite bei einigen Arten offener Investmentfonds könnten Liquiditätsengpässe zu erzwungenen Verkäufen von Vermögenswerten führen“, erklärte die Zentralbank.

Solche Szenarien könnten die Preiskorrekturen nach unten in bereits überhitzten Märkten noch verstärken.

Der Bericht beschränkte seine Warnungen nicht auf KI-Aktien.

Er wies auf die mit der Fragmentierung des Handels verbundenen Risiken hin, insbesondere für den Euroraum, da geopolitische Spannungen und Zollpolitiken die wirtschaftliche Stabilität bedrohen.

Zudem sind Euroländer wie Italien und Frankreich mit steigenden Kreditkosten konfrontiert, was die Bedeutung einer umsichtigen Finanzpolitik zur Bewältigung künftiger Schuldenverpflichtungen unterstreicht.

Was es für Anleger bedeutet

Die Bedenken der EZB unterstreichen die Fragilität von Märkten, die von spekulativen Trends wie der KI abhängen.

Angesichts des Risikos einer Überbewertung von KI-Aktien und der Möglichkeit umfassenderer Marktkorrekturen sollten Anleger vorsichtig sein.

Während Notenbanken und Regulatoren weltweit weiterhin wachsam bleiben, dient ihnen die Warnung der EZB als Erinnerung, die Nachhaltigkeit der raschen technologischen Veränderungen an den Finanzmärkten aufmerksam zu beobachten.

Diese jüngste Überprüfung unterstreicht, dass ein empfindliches Gleichgewicht erforderlich ist, um sich in einem Markt zurechtzufinden, in dem die Gefahr besteht, dass durch Innovationen hervorgerufene Begeisterung die grundlegenden Finanzprinzipien in den Schatten stellt.

Goldman Sachs wehrt sich gegen die Vorstellung einer „KI-Blase“

Goldman Sachs argumentiert, dass der jüngste Anstieg der US-Technologieaktien, der durch generative künstliche Intelligenz (KI) angetrieben wird, eher auf soliden finanziellen Fundamentaldaten als auf irrationaler Spekulation beruht.

Laut Peter Oppenheimer, Chief Global Equity Strategist bei Goldman Sachs, rechtfertigen das außergewöhnliche Gewinnwachstum und die Rentabilität dieser Unternehmen ihre Bewertungen, auch wenn einige wenige Hyperscale-Technologieunternehmen den Markt dominieren.

Seit 2010 hat der Technologiesektor 40 Prozent der Rendite am US-Aktienmarkt erwirtschaftet und damit andere Branchen deutlich übertroffen.

Dieser Erfolg beruht auf der Nutzung von Software und Cloud Computing sowie auf einem robusten Nachfragewachstum. Die zunehmende Konzentration der Marktmacht in den Händen einer kleinen Zahl von Unternehmen bringt jedoch auch Risiken mit sich, darunter eine erhöhte Anfälligkeit des Marktes für aktienspezifische Störungen und potenziellen Kartelldruck.

Oppenheimer weist darauf hin, dass radikale Technologien wie die KI tendenziell dem historischen Muster folgen, erhebliche Investitionen und Wettbewerb anzuziehen.

Zwar führen nicht alle zu Blasen, doch führt starker Wettbewerb im Laufe der Zeit häufig zu sinkenden Erträgen. Die kapitalintensive Natur der KI könnte die Margen der heute dominierenden Unternehmen einschränken, und zunehmender Wettbewerb könnte eine neue Welle von Branchenführern hervorbringen.

Goldman Sachs rät Anlegern zur Diversifizierung. Kleinere Technologieunternehmen, Sektoren wie das Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen sowie traditionelle Branchen, die KI-Innovationen umsetzen, bieten möglicherweise ungenutzte Möglichkeiten.

Der Bericht zeigt, wie frühere Technologiezyklen, etwa der Internetboom, das Wachstum auf sekundäre Innovationen wie soziale Medien und Ridesharing verlagerten.

Obwohl KI-Aktien möglicherweise nicht überbewertet sind, warnt Oppenheimer, dass die Marktkonzentration weiterhin ein erhebliches Risiko darstellt. Eine breite Diversifizierung ist unerlässlich, um das Engagement bei einigen wenigen dominanten Akteuren zu reduzieren und gleichzeitig von zukünftigen Innovationen in allen Branchen zu profitieren.