Diese europäischen Aktien könnten angesichts der Auswirkungen von Trumps Zöllen florieren

Diese europäischen Aktien könnten angesichts der Auswirkungen von Trumps Zöllen florieren
Vatsala Gaur
03. Dez. 2024, 13:55 PM
  • Europa ist in hohem Maße auf einen reibungslosen Welthandel angewiesen und läuft Gefahr, erhebliche wirtschaftliche Störungen zu erleiden.
  • Die Unterbewertung europäischer Aktien könnte zu selektiven Gelegenheiten in Sektoren führen, die weniger vom Handel abhängig sind.
  • Die Sektoren Konsumgüter, Versorgungsunternehmen, Technologie und Verteidigung zeigen trotz Herausforderungen vielversprechende Entwicklungen.

Während sich Donald Trump auf eine weitere Amtszeit im Weißen Haus vorbereitet, dürften die von ihm geplanten Zölle auf Importe aus China, Mexiko und Kanada die Dynamik des Welthandels verändern.

Zwar muss Europa möglicherweise mit einer Reihe von US-Zöllen rechnen, doch die größere Sorge der Region gilt den Folgewirkungen der Handelsschranken gegenüber China, einem wichtigen Wirtschaftspartner.

Europa ist in hohem Maße auf einen reibungslosen Welthandel angewiesen und läuft Gefahr, erhebliche wirtschaftliche Störungen zu erleiden.

Die Zölle drohen einen Kontinent zusätzlich zu belasten, der bereits mit hohen Energiepreisen, Inflationsdruck und schleppendem Wachstum zu kämpfen hat, das durch den anhaltenden Konflikt zwischen Russland und der Ukraine noch verschärft wird.

Dennoch könnten sich bestimmte Aktien und Sektoren trotz der größeren wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa weiterhin positiv entwickeln, insbesondere weil die unterbewerteten Aktien der Region das Potenzial zeigen, den Abstand zu ihren US-Pendants zu verringern, berichtet Barron’s.

Europas Anfälligkeit für Handelsstörungen

Das europäische Wirtschaftsmodell hängt in erheblichem Maße vom Export ab: Etwa 20 Prozent der Ausfuhren der Europäischen Union und Großbritanniens gehen in die USA.

Für Luxusgüter wie Louis-Vuitton-Handtaschen von LVMH, Ferrari-Autos oder den Scotch-Whisky Talisker von Diageo könnten die Kosten im Falle der Einführung von Zöllen steigen.

Analysten weisen jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen der Zölle auf europäische Waren begrenzt sein könnten.

Ein Großteil der europäischen Exporte sind Dienstleistungen, die von Zöllen ausgenommen sind. Zahlreiche hochkarätige Waren wie Autos der Marke Volkswagen werden in den USA hergestellt und wären daher von Zöllen ausgenommen.

Die größere Bedrohung für Europa geht jedoch von möglichen Störungen der globalen Lieferketten und Handelskonflikten aus.

Matthew Gilman, europäischer Aktienstratege bei UBS, betont: „Die Folgewirkungen der Zölle auf das globale Wachstum und die Endnachfrage geben Anlass zu großer Sorge.“

Chinesische Vergeltungsmaßnahmen könnten die Herausforderungen verschärfen

Eine große Sorge Europas besteht darin, dass es zu Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten kommen könnte, insbesondere China, das seine Exporte möglicherweise auf andere Regionen, darunter auch Europa, verlagern könnte.

Der Zustrom chinesischer Waren, wie er etwa bei Elektrofahrzeugen zu beobachten ist, könnte den Wettbewerb verschärfen und die Preise drücken, was den Druck auf die europäischen Hersteller weiter erhöhen würde.

Martin Todd, Fondsmanager bei Federated Hermes, betont die Sensibilität Europas gegenüber den Entwicklungen in China.

„Europa ist stark von der chinesischen Fertigungs- und Wirtschaftsentwicklung abhängig. Jegliche Störung durch Zölle könnte die bestehenden Herausforderungen verschärfen“, stellte er fest.

Trumps Zölle könnten Chancen für unterbewertete europäische Märkte eröffnen

Die Herabstufung der UBS-Prognose für den Euro STOXX 50-Index für 2024 unterstreicht die Unsicherheit rund um europäische Aktien.

Der Index hat in diesem Jahr lediglich um 7 Prozent zugelegt, verglichen mit dem Anstieg des Dow Jones Industrial Average um 19 Prozent, was die wirtschaftlichen Gegenwinde auf dem Kontinent widerspiegelt.

Doch während Trumps Zolldrohungen die bereits bestehenden Schwachstellen noch verstärken, könnten sie auch zu einer Anpassung der europäischen Märkte führen und konträre Anleger anlocken.

Die Unterbewertung europäischer Aktien könnte zu vereinzelten Gelegenheiten führen, insbesondere in Sektoren, die weniger vom Welthandel abhängig sind.

Europäische Aktien werden mit dem 14-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, ein erheblicher Abschlag gegenüber US-Aktien, die im Durchschnitt mit dem 22-Fachen ihrer Gewinne gehandelt werden.

Analysten sehen Chancen bei im Vergleich zu US-amerikanischen Aktien unterbewerteten europäischen Aktien.

Aktien, die trotz Zollherausforderungen vielversprechend sind

Trotz der drohenden Herausforderungen sind einige europäische Sektoren vielversprechend.

Basiskonsumgüter: Die Basiskonsumgüter dürften trotz Zöllen auf Waren wie Scotch stabil bleiben, da die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln von Unternehmen wie Unilever und Nestlé weiterhin bestehen wird.

Der iShares MSCI Europe Consumer Staples ETF (ESIS) ist in diesem Jahr um 5 % gefallen und blieb damit hinter dem Zuwachs des STOXX Europe 600 von 5,8 % zurück.

Versorger: Die Energiewende in Europa bleibt ein wichtiges Thema.

Unternehmen wie die französische EDF und die deutsche E.ON könnten von langfristigen Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien profitieren.

Allerdings könnten sinkende Erdgaspreise, möglicherweise aufgrund eines Endes des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, ein Risiko für diese Aktien darstellen.

Technologie: Der europäische Technologiesektor konnte zwar nicht mit dem US-Wachstum mithalten, doch Unternehmen wie SAP und Infineon bieten solides Potenzial.

Ihr geringeres Profil im Vergleich zu den Giganten des Silicon Valley macht sie für konträre Investoren attraktiv.

Verteidigung : Trumps Rhetorik über eine Reduzierung der US-Militärunterstützung für Verbündete könnte zu höheren Verteidigungsausgaben in Europa führen.

Unternehmen wie das französische Unternehmen Thales, das deutsche Unternehmen ThyssenKrupp und das britische Unternehmen BAE Systems könnten von einer Erhöhung der Militärbudgets der einzelnen Länder profitieren.

Die Performance dieser Unternehmen war schlechter als die der US-Rüstungsaktien und sie bieten eine Wachstumschance in einem unabhängigeren Europa.