Kann China ein BIP-Wachstum von unter 5% akzeptieren? People's Daily sagt ja

Kann China ein BIP-Wachstum von unter 5% akzeptieren? People's Daily sagt ja
Srinibas Rout
04. Dez. 2024, 09:29 AM
  • Der Leitartikel der People's Daily betont, dass Chinas Strategie inzwischen stärker auf qualitatives Wachstum ausgerichtet sei.
  • Der Leitartikel warnt davor, der Geschwindigkeit den Vorrang vor Wachstum zu geben.
  • Die chinesische Führung hat erkannt, dass der wirtschaftliche Aufschwung weder schnell noch einfach vonstatten gehen wird.

Laut einem Leitartikel der staatlichen Zeitung People's Daily verlagert China seinen Schwerpunkt von starren BIP-Wachstumszielen auf nachhaltigere und qualitativere wirtschaftliche Verbesserungen.

Im Gegensatz zu ihrer üblichen Betonung der Erreichung bestimmter Wachstumsraten wies die Regierung darauf hin, dass ein Wirtschaftswachstum von unter 5% inzwischen akzeptabel sei.

Dieser Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen hat, zu denen eine anhaltende Krise im Immobiliensektor und eine steigende Verschuldung der lokalen Regierungen gehören.

Chinas Wirtschaft kommt nur schwer in Schwung

Anfang des Jahres hatte sich China ein BIP-Wachstumsziel von „rund 5 Prozent“ gesetzt. Doch die Wirtschaft konnte aufgrund eines lang anhaltenden Abschwungs im Immobiliensektor, der die allgemeine Wirtschaftstätigkeit stark belastete, nur schwer in Schwung kommen.

Darüber hinaus sind die lokalen Regierungen mit einer hohen Verschuldung belastet, was die Bemühungen zur Ankurbelung des Wachstums zusätzlich erschwert.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat Peking seit September eine Reihe von Konjunkturmaßnahmen umgesetzt, die allerdings nur bescheidene Ergebnisse erbrachten.

Viele Ökonomen argumentieren, dass zusätzliche politische Unterstützung unabdingbar sei, um die Wirtschaft anzukurbeln und das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.

Die Sorgen werden zudem durch globale Unsicherheiten verstärkt, insbesondere durch die anhaltenden Handelsspannungen mit den USA, wobei die Zolldrohungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump als erhebliches Hindernis für die wirtschaftliche Erholung Chinas angesehen werden.

Der Leitartikel der People's Daily betont, dass sich Chinas Wirtschaftsstrategie inzwischen stärker auf qualitatives Wachstum konzentriert - also auf Verbesserungen der Qualität der Wirtschaftsaktivitäten und langfristige Stabilität - und nicht mehr nur auf das Streben nach hohen quantitativen Wachstumszahlen.

Chinas Führung hat eingeräumt, dass die wirtschaftliche Erholung nicht einfach sein wird

Der Leitartikel warnt davor, dem Wachstum zuliebe der Geschwindigkeit den Vorzug zu geben, und betont, dass eine rücksichtslose Expansion und wahllose Projektinitiierung dem Zukunftspotenzial des Landes schaden könnten.

Darin wird argumentiert, dass eine auf nachhaltigem Wachstum basierende Wirtschaft einer Wirtschaft vorzuziehen sei, die lediglich auf kurzfristige Gewinne aus ist.

Die chinesische Führung hat erkannt, dass der wirtschaftliche Aufschwung weder schnell noch einfach vonstatten gehen wird.

Der Leitartikel wies darauf hin, dass Wirtschaftswachstum zwar wichtig sei, der Schwerpunkt jedoch auf der Schaffung einer stabilen Grundlage für langfristigen Wohlstand liegen sollte und nicht auf der Verwirklichung einer bestimmten Wachstumszahl.

Die Erklärung spiegelt zudem eine Verschiebung der politischen Prioritäten wider und signalisiert, dass ein ausgewogenerer und vorsichtigerer Ansatz für die sich entwickelnde Wirtschaftslandschaft Chinas besser geeignet sein könnte.

Der Kommentar warnte außerdem vor globalen wirtschaftlichen Risiken und verwies auf die zunehmende Instabilität der internationalen Märkte und die Möglichkeit erhöhter geopolitischer Spannungen.

Der Leitartikel verwies subtil auf Maßnahmen der USA, darunter die laufenden Bemühungen, den technologischen Fortschritt und die Handelspraktiken Chinas einzuschränken, die zu einem Gefühl wirtschaftlicher Unsicherheit in China beigetragen haben.

Trotz der Bemühungen der Regierung wird in dem Leitartikel auch anerkannt, dass der Binnenkonsum nach wie vor schwach sei und sich die Stabilisierung der Investitionen als zunehmend schwierig erweise.

Diese Faktoren sowie eine alles andere als solide Konjunkturerholung deuten darauf hin, dass der chinesischen Wirtschaft eine schwierige Zeit bevorsteht.

Zwar ist China nach wie vor bestrebt, sein Wirtschaftswachstum auf einen nachhaltigeren Weg zu lenken, doch ist klar, dass der Weg zur Erholung länger und komplexer sein könnte als ursprünglich erwartet.