Warum droht Trump mit zusätzlichen Zöllen auf Europa und ist er ernst damit?

Warum droht Trump mit zusätzlichen Zöllen auf Europa und ist er ernst damit?
Diya Poddar
20. Dez. 2024, 10:23 AM
  • Das EU-Instrument gegen Zwang ermöglicht Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Handelsbeschränkungen.
  • US-LNG macht über 50 % der europäischen Gaseinfuhren aus.
  • Trump fordert NATO-Mitglieder auf, ihre Verteidigungsausgabenziele einzuhalten.

Der gewählte US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union erneut mit Zöllen gedroht, falls die Mitgliedstaaten ihre Einkäufe von amerikanischem Öl und Gas nicht erhöhen.

Die über Truth Social abgegebene Erklärung signalisiert Trumps Absicht, die Energieexporte zu nutzen, um das langjährige Problem des Handelsdefizits zwischen den USA und der EU anzugehen.

Da die USA der weltweit größte Rohölproduzent und ein führender Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG) sind, stellt diese Bedrohung die EU vor erhebliche Handlungsnotwendigkeiten.

Trumps harte Haltung kommt nur etwas mehr als einen Monat vor seiner Amtseinführung zum Ausdruck, während er zu einem hochkarätigen Besuch in Paris weilte, um die Wiedereröffnung der Kathedrale Notre Dame zu feiern. Dabei waren die Handelsspannungen ein zentrales Gesprächsthema.

EU bereitet sich auf neue US-Handelsmaßnahmen vor

Europäische Beamte bereiten sich angesichts der turbulenten Handelspolitik der vorherigen Trump-Regierung auf erneute Spannungen vor.

Im Jahr 2017 verhängte Trump Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium unter Berufung auf Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit und überraschte damit den Block.

Seitdem hat die EU ihre Handelsdoktrin überarbeitet und robuste Mechanismen zur Bekämpfung erpresserischer Praktiken eingeführt.

Mit dem kürzlich von der EU verabschiedeten Instrument gegen Zwang kann die Europäische Kommission Vergeltungszölle oder andere Strafmaßnahmen gegen politisch motivierte Handelsbeschränkungen verhängen.

Dieses Instrument ist Teil einer umfassenderen Strategie zum Schutz der Interessen des Blocks angesichts der herausfordernden Handelsdynamik.

Die Verordnung über staatliche Beihilfen ermöglicht es der Kommission, ausländische Unternehmen, die von unlauteren staatlichen Beihilfen profitieren, von der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen oder Fusionen innerhalb der EU auszuschließen.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sprach diese Vorbereitungen im vergangenen Monat bei einem Treffen der G7-Staaten in Italien an.

Sie betonte, dass Europa bereit sei, entschlossen zu reagieren, wenn Trump einen „America First“-Ansatz verfolgt, und unterstrich damit die Entschlossenheit des Blocks, angesichts des äußeren Drucks an der Einheit festzuhalten.

Die USA sind ein wichtiger Energielieferant für Europa.

Die USA bleiben ein wichtiger Energielieferant für Europa. Im vergangenen Jahr entfielen über die Hälfte der Gasimporte der EU auf amerikanisches Flüssiggas (LNG).

Diese Importe waren von entscheidender Bedeutung, um die Abhängigkeit des Blocks von russischer Energie nach dem Ukraine-Konflikt zu verringern.

Trumps Forderungen nach höheren Einkäufen unterstreichen jedoch die zugrunde liegenden Spannungen in den transatlantischen Handelsbeziehungen.

Die USA haben sich auch zu einem wichtigen Rohöl-Exporteur entwickelt und beliefern Märkte in ganz Europa und Asien.

Trumps Rhetorik unterstreicht den Fokus seiner Regierung auf die Nutzung von Energieexporten als Mittel zur Behebung des Handelsungleichgewichts.

Obwohl Europa ein wichtiges Ziel für amerikanisches Öl und Gas ist, fügen Trumps Drohungen mit Zöllen einer ohnehin schon heiklen Handelsbeziehung eine weitere Komplikation hinzu.

Trumps Beschwerden gehen über die Energiepolitik hinaus. Er hat Europa für unzureichende Verteidigungsausgaben und das anhaltende Handelsdefizit mit den USA kritisiert.

Sein Ansatz, den er während seiner vorherigen Amtszeit als „harte Liebe“ bezeichnete, deutet auf eine wahrscheinlich Fortsetzung der konfrontativen Handelspolitik hin.

Meint Trump das ernst?

Die EU steht vor der entscheidenden Herausforderung, ihre Beziehungen zur neuen US-Regierung zu gestalten.

Trumps Rhetorik in Verbindung mit seinen früheren Handlungen lässt darauf schließen, dass sich Handelskonflikte schnell verschärfen könnten, wenn Europa seinen Forderungen nicht nachkommt.

Die verstärkten Handelsabwehrmaßnahmen und die einheitliche Haltung des Blocks bieten eine gewisse Beruhigung, doch das Konfliktpotenzial bleibt hoch.

Die Reaktion Europas wird sich wahrscheinlich darauf konzentrieren, wirtschaftliche Interessen mit geopolitischen Realitäten in Einklang zu bringen.

Als größter Abnehmer von US-LNG verfügt die EU über erhebliche Verhandlungsmacht, doch Trumps Bereitschaft, Zölle zu erheben, unterstreicht die Risiken einer übermäßigen Abhängigkeit von einem einzigen Energiepartner.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Trumps harte Taktik zu einer tieferen transatlantischen Kluft oder zu einer neu ausgehandelten Handelsdynamik führen wird, von der beide Seiten profitieren.