Deutschland senkt Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2025 auf nur 0,3 Prozent: „Die Diagnose ist ernst“

Deutschland senkt Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2025 auf nur 0,3 Prozent: „Die Diagnose ist ernst“
Srinibas Rout
29. Jan. 2025, 17:27 PM
  • Auch die Bundesbank hatte ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2025 auf 0,2 % gesenkt.
  • Anfang dieses Monats ergaben die jährlichen BIP-Daten einen Rückgang der deutschen Wirtschaft um 0,2 % im Jahr 2024.
  • Die Wirtschaftsdaten des vierten Quartals werden voraussichtlich am Donnerstag veröffentlicht.

Die deutsche Regierung hat am Mittwoch ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 auf nur 0,3 % nach unten revidiert und dabei ernsthafte Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten des Landes geäußert.

Robert Habeck, Wirtschafts- und Klimaminister des Landes, betonte die Schwere der Situation während einer Pressekonferenz und erklärte:

Obwohl er auf einige positive Anzeichen wie die wachsende Nachfrage nach Krediten hinwies, betonte Habeck, dass „Deutschland in der Stagnation steckt“, was auf einen breiteren wirtschaftlichen Kampf hindeutet.

Die jüngste Prognose bedeutet eine deutliche Reduzierung gegenüber der im Oktober prognostizierten Wachstumsrate von 1,1 %.

Es deckt sich weitgehend mit den Prognosen großer Finanzinstitute, darunter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der seine Prognose Anfang des Monats ebenfalls nach unten korrigiert und für Deutschland für 2025 nur ein Wachstum von 0,3 % prognostiziert.

Die Bundesbank hatte ihre Prognose für das gleiche Zeitraum ebenfalls auf ein Wachstum von 0,2 % gesenkt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die Lage dagegen pessimistischer und prognostiziert für 2025 einen Rückgang von 0,1 Prozent, was das dritte Jahr in Folge mit negativem Wachstum für das Land bedeuten würde.

Anfang dieses Monats ergaben die jährlichen BIP-Daten einen Rückgang der deutschen Wirtschaft um 0,2 % im Jahr 2024 nach einem Rückgang um 0,3 % im Jahr 2023.

Obwohl die Quartalszahlen des Bruttoinlandsprodukts schwach ausfielen, konnte das Land bisher eine technische Rezession vermeiden, die als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit wirtschaftlichem Rückgang definiert wird.

Gründe für den Niedergang Deutschlands

Habeck nannte mehrere Faktoren, die zu der Abwärtskorrektur beigetragen haben, darunter die Unfähigkeit der derzeitigen Regierung, ihre Wachstumsinitiativen aufgrund des vorzeitigen Endes ihrer Amtszeit vollständig umzusetzen.

Er verwies auch auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit den bevorstehenden Bundestagswahlen sowie auf geopolitische Risiken, insbesondere im Hinblick auf die mögliche Wiederauferlegung von US-Zöllen nach der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Weiße Haus.

Das deutsche Wirtschaftsministerium erklärte in einem Bericht, dass die Binnenwirtschaft zwar kurzfristig wahrscheinlich ein schwaches Wachstum aufweisen werde, aber das Potenzial für eine Erholung bestehe, da die Inflation abnehme, die Realeinkommen steigen und die wirtschaftliche Ausrichtung klarer werde.

Die Regierung prognostiziert, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 verbessern werden und ein Wachstum von 1,1 % für das Jahr 2026 erwartet wird.

Die bevorstehende Bundestagswahl in Deutschland

Die Bundestagswahl in Deutschland, die für den 23. Februar angesetzt ist, folgt auf den Zusammenbruch der Regierungskoalition im November.

Der Zeitpunkt der Wahl hat weitere Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ausgelöst.

Sowohl Habeck als auch Finanzminister Jörg Kukies haben auf strukturelle Herausforderungen hingewiesen, mit denen die deutsche Wirtschaft konfrontiert ist, darunter Arbeitskräftemangel, übermäßige Bürokratie und Unterinvestitionen.

Der Finanzminister betonte, dass restriktive Finanzpolitik das Wachstum behindert habe und Deutschland systematisch in kritische Sektoren unterinvestiert habe.

Die BIP-Daten der Regierung für das vierte Quartal werden voraussichtlich am Donnerstag veröffentlicht. Vorläufige Schätzungen deuten auf einen Rückgang von 0,1 % im letzten Quartal des Jahres 2024 hin.

Die Inflation wird im Jahr 2025 voraussichtlich im Durchschnitt 2,2 % betragen, nachdem sie im vergangenen Sommer kurzzeitig unter das 2 %-Ziel der Europäischen Zentralbank gefallen war.