Goldman Sachs senkt Ölpreisprognose angesichts steigender Erwartungen an iranisches Angebot

Goldman Sachs senkt Ölpreisprognose angesichts steigender Erwartungen an iranisches Angebot
Vatsala Gaur
19. Mai 2025, 10:13 AM
  • Goldman Sachs hält trotz höherer BIP-Prognosen an Ölpreisprognosen unterhalb der aktuellen Terminkurse fest.
  • Angesichts von Spekulationen über ein Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran drohen steigende iranische Liefermengen.
  • Trumps mutmaßliche Präferenz für einen Ölpreis um die 40 bis 50 US-Dollar pro Barrel (WTI) beeinflusst die US-amerikanische Energiepolitik.

Goldman Sachs teilte am Sonntag mit, dass das Unternehmen weiterhin eine vorsichtige Haltung zu den Ölpreisen einnimmt und seine Prognosen trotz Anzeichen für ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum unter den aktuellen Terminkursen hält.

Die Investmentbank nannte den wahrscheinlichen Anstieg des iranischen Rohölangebots und einen Anstieg der kommerziellen Lagerbestände der OECD als Faktoren, die die unterstützende Wirkung eines höheren BIP ausgleichen könnten.

Die Bank hat ihre Prognosen für die Ölpreise der Sorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) für den Rest des Jahres 2025 unverändert bei 60 bzw. 56 US-Dollar pro Barrel belassen.

Für 2026 sinkt die Prognose weiter auf 56 US-Dollar für Brent und 52 US-Dollar für WTI, was einem Abschlag von 8 US-Dollar gegenüber den aktuellen Terminpreisen entspricht.

Mögliches US-Iran-Atomabkommen weckt Erwartungen an iranische Öllieferungen

Goldman Sachs hat seine Schätzung für die iranische Rohöllieferung auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag für die zweite Hälfte des Jahres 2025 bis 2026 korrigiert.

Die Aufwärtskorrektur erfolgt im Anschluss an Medienberichte über Fortschritte bei einem möglichen Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran.

Präsident Donald Trump erklärte letzte Woche, dass die beiden Länder kurz vor dem Abschluss eines Abkommens stünden.

Sollte eine Einigung zustande kommen und nachhaltig umgesetzt werden, geht die Bank davon aus, dass das iranische Rohölangebot um mehrere hunderttausend Barrel pro Tag weiter steigen und zusätzlichen Druck auf die Ölpreise ausüben könnte.

Das BIP-Wachstum kurbelt die Nachfrageprognose an, reicht aber nicht aus, um die Preise zu erhöhen.

Trotz der ungünstigen angebotsseitigen Faktoren hat Goldman seine globale Prognose für das Wachstum der Ölnachfrage aufgrund niedrigerer Zölle und einer verbesserten Wirtschaftstätigkeit angehoben.

Die Bank prognostiziert nun für das vierte Quartal 2025 ein Nachfragewachstum von 0,6 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres und 0,4 Millionen im Jahr 2026 – eine Steigerung von 0,3 bzw. 0,1 Millionen Barrel pro Tag gegenüber früheren Schätzungen.

Dennoch reicht diese Aufwärtskorrektur nicht aus, um die Bedenken hinsichtlich des Überangebots auszuräumen, insbesondere angesichts hoher Lagerbestände und der Ungewissheit über die Produktionsstrategie der OPEC.

In einem schwerwiegenderen Szenario, das sowohl eine globale BIP-Verlangsamung als auch eine vollständige Rücknahme der OPEC-Produktionskürzungen beinhaltet, prognostiziert Goldman einen Rückgang des Brent-Öls auf 40 US-Dollar bis Ende 2026.

Trumps Preispräferenz für WTI

Letzte Woche wiesen die Analysten von Goldman Sachs auch auf die fortlaufenden Kommentare von Präsident Trump zu den Ölpreisen in den sozialen Medien hin.

Ihre interne Überprüfung ergab fast 900 Beiträge, die eine deutliche Präferenz für die Beibehaltung von WTI zwischen 40 und 50 Dollar pro Barrel widerspiegelten.

Trump hat in der Regel niedrigere Preise gefordert, wenn der Ölpreis über 50 Dollar steigt, und höhere Preise, wenn er unter 30 Dollar fällt, was mit seinem erklärten Ziel übereinstimmt, die US-amerikanische Energiedominanz aufrechtzuerhalten und die Inflation einzudämmen.

Marktpreise und umfassendere Auswirkungen auf die Energieversorgung

Am frühen Montagmorgen wurden Brent-Rohöl-Futures zu 65,24 US-Dollar pro Barrel gehandelt, während WTI bei 62,38 US-Dollar lag.

Die anhaltenden geopolitischen Veränderungen und die sich verändernde Nachfragedynamik schüren weiterhin die Volatilität auf den globalen Ölmärkten.

Diese Entwicklungen könnten die Energiestrategien von Nationen und Konzernen gleichermaßen beeinflussen, mit potenziellen Auswirkungen auf traditionelle Ölwirtschaften und einer möglichen Beschleunigung der Verlagerung hin zu alternativen Energiequellen.