Brasilien steht vor einer düsteren fiskalischen Zukunft, da die Verschuldung voraussichtlich 100 % des BIP übersteigen wird

Brasilien steht vor einer düsteren fiskalischen Zukunft, da die Verschuldung voraussichtlich 100 % des BIP übersteigen wird
Noris Soto
25. Juni 2025, 17:46 PM
  • Brasiliens Haushaltsziele für 2026 gelten unter der derzeitigen Politik als "unerreichbar", warnt die dem Senat nahestehende IFI.
  • Die Staatsverschuldung wird bis 2030 voraussichtlich 100 % des BIP erreichen und bis 2035 auf fast 125 % ansteigen.
  • Strukturreformen sind dringend erforderlich, um das Ausgabenwachstum einzudämmen und die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren.

Die Haushaltslage Brasiliens verschlechtert sich rapide, so eine strenge Einschätzung der Independent Fiscal Institution (IFI), einer technischen Beratungsorganisation, die dem Bundessenat angegliedert ist.

Der 101. Finanzbericht (RAF) des IFI deutet darauf hin, dass die für 2026 festgelegten Haushaltsziele "unerreichbar" werden, wenn sich der derzeitige Trend der öffentlichen Finanzen fortsetzt.

Der Bericht hebt die sich verschlechternde Haushaltslage des Landes hervor und erklärt, dass strukturelle fiskalische Veränderungen "dringend" erforderlich seien.

Ohne sie wird Brasilien unter einer wachsenden Staatsverschuldung, einem zunehmenden fiskalischen Druck und einem Rückgang der Investitionsfähigkeit der Regierung leiden.

Nach Angaben des IFI sind dringende Maßnahmen erforderlich, um den fiskalischen Rahmen des Landes zu schützen und eine Schuldenbeschleunigung zu verhindern.

Primärdefizit und Ausgabentrends heizen Schuldenschub an

Trotz der von der Regierung für 2025 angekündigten Haushaltskürzungen in Höhe von 20,7 Mrd. R$ wird das Primärdefizit voraussichtlich immer noch 83,1 Mrd. R$ erreichen.

Sie wird dieses Defizit direkt zur Bruttostaatsverschuldung hinzufügen und die ohnehin schon marode Haushaltslage noch verschlimmern.

Trotz aller Anpassungen prognostiziert der Bericht dann einen starken Anstieg der Bruttoverschuldung in Brasilien.

Die Verschuldung soll von 77,6 % des BIP im Jahr 2025 auf 100 % im Jahr 2030 und 124,9 % bis 2035 steigen.

Solche Projektionen verstärken die Entfremdung der Fiskalpolitik von der makroökonomischen Tragfähigkeit.

Besonders besorgniserregend ist jedoch ein Trend bei den Primärausgaben, die bis 2035 voraussichtlich von 18,9 % auf 20,4 % des BIP steigen werden.

In der Zwischenzeit wird erwartet, dass die Einnahmen stagnieren oder noch weiter sinken werden, was die Lücke vergrößert und zusätzlichen Druck auf die Finanzstruktur ausübt.

Die Regierung kämpft darum, das Haushaltsdefizit einzudämmen

Nach Angaben des IFI wären zusätzliche 30,9 Mrd. R$ an Haushaltsmitteln erforderlich, um die Hälfte des Haushaltsziels für 2025 zu erreichen, was mit dem Haushaltsplan der derzeitigen Regierung unvereinbar wäre.

Die Institution warnt davor, dass das Ziel auch mit diesen zusätzlichen Anstrengungen nur "bis zum Äußersten" und nur unter Ausnutzung des im fiskalischen Rahmen verankerten Toleranzspielraums erreicht werden könne.

Dies würde jedoch nicht ausreichen, um den Anstieg der Verschuldung zu stoppen.

Aufruf zu nationalem Dialog und strukturierten Reformen

Die IFI-Studie zeigt, dass das derzeitige Steuersystem nicht nachhaltig ist und die langfristige Lebensfähigkeit der Wirtschaftsstruktur des Landes in Frage stellt.

"Die Projektionen zeigen die Unhaltbarkeit des derzeitigen Fiskalregimes und stellen das Überleben des aktuellen fiskalischen Rahmens in Frage", heißt es in der Studie.

Um das wachsende wirtschaftliche Ungleichgewicht anzugehen, fordert die Institution ein umfassendes nationales Gespräch, das den Nationalkongress, die Exekutive und die Zivilgesellschaft einbezieht.

Nach Auffassung des IFI ist eine solche Beteiligung von entscheidender Bedeutung, um einen Konsens über einen Strukturwandel zu erzielen, der mittel- bis langfristig das Haushaltsgleichgewicht wiederherstellen kann.

Ohne solche Reformen dürfte die Kombination aus steigenden Ausgaben und stagnierenden Einnahmen Brasilien in ein restriktiveres Haushaltsklima zwingen.

In diesem Szenario würden nicht nur die mittelfristigen Ziele unerreichbar, sondern die Staatsverschuldung würde weiter steigen, was das Vertrauen der Anleger und die Fähigkeit der Regierung, auf künftige Wirtschaftskrisen zu reagieren, untergraben würde.