Europäische Regierungen wägen Vermögenssteuern ab, da die Ungleichheit zunimmt

Europäische Regierungen wägen Vermögenssteuern ab, da die Ungleichheit zunimmt
Diya Poddar
22. Sept. 2025, 09:57 AM
  • Direkte Vermögensabgaben bringen aufgrund der Abschirmung von Vermögenswerten und Schlupflöchern oft bescheidene Einnahmen.
  • Ökonomen schlagen vor, Kapitalgewinne und Dividenden als gerechtere und effizientere Alternativen zu besteuern.
  • Frankreich debattiert über eine Abgabe von 2 Prozent für die Superreichen und erwägt Maßnahmen zur Eindämmung der Steuervermeidung.

Die europäischen Regierungen, die mit angespannten Budgets konfrontiert sind, stehen unter Druck, Wege zu finden, um die Einnahmen zu erhöhen und gleichzeitig die Ungleichheit zu bekämpfen.

Die Diskussion über Vermögenssteuern ist wieder auf den Tisch gekommen, aber die Geschichte zeigt, dass direkte Abgaben auf Vermögen oft nur bescheidene Einnahmen generieren und vor erheblichen Herausforderungen stehen.

Ökonomen und politische Entscheidungsträger verweisen stattdessen auf andere Steuerinstrumente wie Kapitalgewinne, Erbschaftsabgaben und Austrittsgebühren, um vermögende Privatpersonen effektiver anzusprechen.

Vermögenssteuern bringen bescheidene Einnahmen

In der Schweiz, Spanien und Norwegen gibt es derzeit Vermögenssteuern, wobei Frankreich und Großbritannien darüber diskutieren, ob sie diesem Beispiel folgen sollten.

Die Daten zeigen jedoch, dass diese Maßnahmen in der Regel nur einen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.

Ein Grund dafür ist, dass wohlhabende Steuerzahler ihr Vermögen leicht abschirmen können. Sie verschieben sie oft in Unternehmen, Trusts oder befreite Kategorien wie Antiquitäten, während andere Gelder ins Ausland in Steueroasen überweisen.

Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Länder mit einer Vermögenssteuer in den letzten 35 Jahren stetig gesunken ist.

Steuerexperten weisen darauf hin, dass diese Abgaben nicht nur begrenzte Einnahmen bringen, sondern auch viele der reichsten Personen nicht erfassen.

An der Spitze können die 0,0001 % der Verdiener in Ländern wie Frankreich und den Niederlanden wenig oder gar keine Steuern zahlen, indem sie Vermögenswerte in Holdinggesellschaften parken.

Kapitalerträge bieten Alternativen

Immer mehr Beweise deuten darauf hin, dass die Fokussierung auf Kapitalerträge sowohl höhere Erträge als auch mehr Gerechtigkeit erzielen könnte.

Kapitalgewinne und Dividenden, bei denen es sich um Gewinne aus dem Verkauf von Vermögenswerten oder Kapitalerträge handelt, werden oft zu niedrigeren Sätzen besteuert als Löhne.

In Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien, Südkorea und Japan unterliegen Kapitaleinkünfte pauschalen und vergleichsweise niedrigen Zinssätzen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat auf die günstige Behandlung von Kapitalgewinnen als Hauptgrund dafür hingewiesen, dass wohlhabende Privatpersonen mit niedrigeren effektiven Steuersätzen konfrontiert sind.

Im Gegensatz dazu werden Arbeitseinkommen oft stärker besteuert, was zu einem Ungleichgewicht im System führt.

Internationale Gremien wie der IWF und die OECD argumentieren, dass eine bessere Besteuerung von Kapitaleinkommen sowohl gerechter als auch effizienter ist als die direkte Besteuerung von Vermögensbeständen.

Frankreich debattiert über neuen Steuervorschlag

In Frankreich hat sich die Debatte über die Besteuerung der Superreichen verschärft.

Gabriel Zucman, Professor an der Paris School of Economics, eine führende Stimme in der Erforschung der Vermögensungleichheit, hat im Rahmen der Haushaltsdiskussionen für 2026 eine Abgabe von 2 % auf die reichsten 0,01 % der Bevölkerung vorgeschlagen.

Seine Forschung unterstreicht die Realität, dass viele Milliardäre aufgrund von Ausnahmeregelungen und Vermögensverlagerungsstrategien weniger Steuern zahlen als der Durchschnittsbürger.

Befürworter argumentieren, dass solche Maßnahmen die Gerechtigkeit im Steuersystem wiederherstellen würden, während Gegner davor warnen, dass die Reichen immer noch Wege finden können, direkte Vermögensabgaben zu vermeiden.

Ökonomen gehen davon aus, dass ohne eine Reform der Vermögenssteuern selbst gezielte Vermögenssteuern wahrscheinlich keine signifikanten Ergebnisse bringen werden.

Schlupflöcher und Fluchtwege schließen

Die politischen Empfehlungen konzentrieren sich auch auf die Schließung von Schlupflöchern. Dazu gehört auch die Besteuerung von Kapitalgewinnen, wenn Vermögenswerte vererbt werden oder wenn vermögende Privatpersonen ins Ausland ziehen.

Ausstiegsgebühren, die darauf abzielen, Kapitalflucht in Steueroasen zu verhindern, sind ein Ansatz, der derzeit überprüft wird.

Ein weiterer Vorschlag ist die Abschaffung der Steuerbefreiungen für Veräußerungsgewinne aus Immobilien und anderen Investitionen, die derzeit der Besteuerung entzogen sind.

Internationale Institutionen weisen darauf hin, dass Vermögenssteuern zwar eine Rolle spielen können, die größere Herausforderung jedoch darin besteht, die Steuersysteme so aufeinander abzustimmen, dass das Einkommen effektiver erfasst wird.

Das bedeutet, Kapitalerträge eher wie Arbeitseinkommen zu behandeln und sicherzustellen, dass vermögende Privatpersonen im Verhältnis zu ihren Renditen beitragen.