Geopolitische Turbulenzen verzögern Australiens Ressourcen-Ausblick

Geopolitische Turbulenzen verzögern Australiens Ressourcen-Ausblick
Rivanshi Rakhrai
10. Apr. 2026, 13:03 PM
  • Australien verschiebt den Energieausblick aufgrund geopolitischer Volatilität und Unsicherheit.
  • Australien verschiebt den Energieausblick aufgrund geopolitischer Volatilität und Unsicherheit.
  • Versorgungsunterbrechungen bei Kraftstoffen und Preisschwankungen schüren Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit.

Australien hat die Veröffentlichung seines quartalsweisen Ressourcen- und Energieausblicks erstmals verschoben, da extreme Volatilität infolge des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran Prognosen rasch veraltet erscheinen lasse, sagte ein Regierungssprecher am Freitag gegenüber Reuters.

Die Verzögerung erfolgt in einer Phase wachsender politischer Belastung in der Energiepolitik, unter anderem Forderungen nach einer Sondersteuer auf Gewinne aus LNG-Exporten, während einige Bergbauunternehmen weiterhin mit Dieselversorgungsproblemen kämpfen.

Prognose auf Juni verschoben, Unsicherheit trübt Ausblick

Das Resources and Energy Quarterly, herausgegeben vom Office of the Chief Economist, sollte ursprünglich Ende März veröffentlicht werden, wird nun jedoch Ende Juni herausgegeben.

Der Bericht enthält in der Regel drei Zwei-Jahres-Prognosen zu Australiens wichtigsten Bergbau- und Energieexporten sowie eine umfassendere fünfjährige makroökonomische Prognose.

Nach Angaben eines Sprechers des Department of Industry, Science and Resources „wurden die fünfjährigen Prognosen zur Produktion und zu den Exporten australischer Ressourcen und Energie daher bis etwa Ende Juni 2026 verschoben, um ein klareres Bild des geopolitischen, wirtschaftlichen und handelspolitischen Hintergrunds zu ermöglichen.“

Das REQ ist ein zentrales Dokument, das historische, aktuelle und prognostizierte Exportmengen und -werte für wichtige Rohstoffe darlegt und gleichzeitig globale Nachfrageentwicklungen sowie aufkommende Markttreiber bewertet.

Seine Projektionen werden zudem als Eingangsgröße für Australiens Bundeshaushalt verwendet, der im Mai ansteht.

LNG-Einnahmen steigen angesichts der Ölpreis-Volatilität

In der Vorauflage Mitte Dezember prognostizierte das REQ, die Exporterlöse aus Bergbau und Energie würden im Geschäftsjahr 2025–26 gegenüber dem Vorjahr um 5% auf A$369 billion ($260.48 billion) sinken, bevor sie im Folgejahr weiter auf A$354 billion zurückgehen.

Die jüngsten Entwicklungen haben den Ausblick jedoch deutlich verändert, insbesondere für LNG-Exporte.

Für Australien wird ein starker Anstieg der LNG-Einnahmen erwartet, der weitgehend durch den Anstieg der globalen Ölpreise getrieben wird.

Mehr als 75% der LNG-Exportverträge sind an Ölpreise gekoppelt, typischerweise mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten, während Spot-Ladungen derzeit zu Rekordpreisen verkauft werden.

Gleichzeitig haben steigende Dieselpreise die Produktionskosten einiger Bergbauunternehmen erhöht und belasten damit die operativen Margen.

Debatte um Sondersteuer gewinnt an Bedeutung

Der Anstieg der LNG-Erlöse hat die Steuerdebatte neu entfacht, wobei einige Gruppen eine 25%-Sondersteuer auf sogenannte Übergewinne fordern.

Berichte des ABC im vergangenen Monat deuteten darauf hin, dass Australiens Treasury einen solchen Vorschlag prüft, obwohl die Regierung keine offiziellen Pläne bestätigt hat.

Sorge um Energiesicherheit verstärkt sich

Die globalen Ölmarkte haben in den letzten Wochen starke Schwankungen erlebt. Die Preise stiegen im März um rekordverdächtige 50% an, bevor sie am Mittwoch nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe durch US-Präsident Donald Trump um fast 20 $ pro Barrel fielen.

Die Preise haben sich seitdem teilweise erholt, während die Unsicherheit über den fragilen Waffenstillstand, Lieferbedenken aus Saudi-Arabien und Störungen des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus weiterbestehen.

Der andauernde Konflikt hat zudem Schwachstellen im australischen Energiesicherheitsrahmen offengelegt.

Die Regierung sieht sich wachsender Kritik wegen ihrer Abhängigkeit von importierten raffinierten Kraftstoffen ausgesetzt, insbesondere da sich Versorgungsunterbrechungen und Preisspitzen seit Ausbruch des Kriegs gegen den Iran Ende Februar verschärft haben.

Da die Volatilität auf den globalen Energiemärkten anhält, scheinen politische Entscheidungsträger Vorsicht walten zu lassen und verschieben entscheidende Prognosen, bis sich ein klareres geopolitisches und wirtschaftliches Bild abzeichnet.