Gibt es eine Gewinnblase? KI‑Boom schürt Debatte um US‑Aktienbewertungen
KI-Sentiment: 58/100 Bullisch
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Kaufen Sie Micron Technology (MU) und erhöhen Sie die Gewichtung in einem Halbleiter‑Basket (z. B. SOXX). Der Artikel weist auf weiterhin unterstützende KI‑/Speicher‑Angebotsknappheit bis 2026–2027 hin; die Capex‑Aufstockung läuft zwar jetzt an, die Produktion geht jedoch später online – daher können Gewinnaufwärtsrevisionen weiter die Erwartungen übertreffen, während der Markt vor einer „Gewinnblase“ warnt. Sekundäreffekt: Solange die Speicherknappheit anhält, bleibt die nachgelagerte Nachfrage nach KI‑Hardware profitabel, was die Stimmung für Halbleiter und Multiples über die größten Namen hinaus anhebt.
Kernrisiko: Die Speicherangebotserweiterungen erfolgen schneller als erwartet (Capex‑Umsetzungen 2027/2028 führen früher zu Überversorgung), was die Preise drückt und Gewinnaufwärtsrevisionen umkehrt.
Verkaufen Sie Nasdaq‑100‑Exposures (z. B. QQQ) und rotieren Sie in eine stärker diversifizierte Large‑Cap‑Value/Quality‑Mischung (z. B. VTV oder QUAL). Die Konzentration der „KI Big 10“ ist dotcom‑ähnlich (41 % des S&P 500) und das CAPE liegt >40, daher hängt weiteres Aufwärtspotenzial davon ab, dass Gewinne weiter aufgewertet werden. Sekundäreffekt: Stellt sich die Ausweitung des Gewinnwachstums als ins Stocken geraten heraus, werden die konzentrierten Gewinner zuerst entwertet, was die Indexperformance drücken kann, auch wenn die aggregierten „Gewinne“ nicht kollabieren.
Kernrisiko: Gewinnaufwärtsrevisionen weiten sich weiter aus und die Multiples halten, sodass konzentrierte KI‑Leader weiter outperformen und der De‑Risking‑Trade underperformt.
- Das Gewinnwachstum stützt erhöhte US‑Aktienbewertungen.
- KI‑Ausgaben treiben die Gewinne, bergen aber wachsende Risiken.
- Analysten sind uneins, ob sich eine Gewinnblase bildet.
Während US‑Aktien weiterhin in der Nähe von Rekordständen gehandelt werden, diskutieren Investoren erneut, ob sich die Märkte in einer Blase befinden.
Hohe Bewertungen und anhaltende geopolitische Spannungen haben die Sorge genährt, dass Aktien von den Fundamentaldaten entkoppelt sein könnten.
Immer mehr Marktstrategen argumentieren jedoch, dass die wichtigere Frage nicht ist, ob es eine Aktienblase gibt, sondern ob sich eine Gewinnblase bildet.
Die Unterscheidung ist bedeutsam, weil Unternehmensgewinne weiterhin die Erwartungen übertreffen.
Die Gewinnerwartungen sind sektorenübergreifend stark gestiegen, was höhere Bewertungen rechtfertigt, obwohl einige Investoren davor warnen, dass die aktuellen Schätzungen schwer aufrechtzuerhalten sein könnten.
Das Gewinnwachstum beschleunigte stärker als frühere Erholungen
Wall‑Street‑Analysten prognostizieren laut Bloomberg‑Daten ein Gewinnwachstum von rund 25 % für 2026 und fast 18 % für 2027.
Mehrere Investoren weisen darauf hin, dass das Tempo der Gewinnaufwärtskorrekturen zu den stärksten seit der Erholung nach der Pandemie gehört.
Die Technologiebranche führt die Aufwärtsrevisionen an; die Gewinnerwartungen sind in diesem Jahr um mehr als 30 % gestiegen.
Auch die Kommunikationsdienste verzeichneten Aufwärtsrevisionen von über 20 %, während sich die Gewinnerwartungen im Energiesektor aus sektorspezifischen Gründen erhöht haben.
Wichtig ist, dass Analysten sagen, das Gewinnwachstum weite sich über die wenigen Mega‑Cap‑Tech‑Firmen hinaus auf andere Branchen aus.
Der schnelle Anstieg der Gewinnerwartungen hat zudem dazu beigetragen, dass sich die Aktienbewertungen nicht so schnell ausweiten wie die Aktienkurse.
US‑Aktien werden derzeit bei etwa dem 20‑fachen der erwarteten zukünftigen Gewinne gehandelt, so Bloomberg‑Daten.
Obwohl erhöht, liegt dieses Multiple unter den Niveaus der Erholung 2020 und deutlich unter den Bewertungen der Dotcom‑Blase.
„Wir befinden uns mitten im stärksten Zyklus von Gewinnaufwärtsrevisionen seit dem Rohstoff‑Superzyklus“, sagte Arun Sai, Senior Multi‑Asset‑Stratege bei Pictet Asset Management, gegenüber der Financial Times.
Einige Investoren warnen, eine Gewinnblase könne entstehen
Nicht alle halten die aktuellen Gewinnerwartungen für nachhaltig.
Ben Inker, Co‑Leiter der Asset Allocation bei GMO, sagte, die Prognosen für die kommenden Jahre seien ungewöhnlich schnell gestiegen.
Die Schätzungen für die Gewinne des nächsten Jahres sind in nur sechs Monaten um fast 20 % gestiegen und damit so schnell wie zuletzt 2021.
„Was uns im Markt bevorsteht, ist die Erkenntnis, dass diese Prognosen nicht eintreten werden“, sagte Inker.
Capital Economics warnte diese Woche ebenfalls, dass „KI‑bezogene Aktienmärkte an einen Punkt geraten könnten, an dem Gewinnerwartungen und Annahmen zu Investitionsausgaben schwer aufrechterhaltbar werden“ und eine Korrektur „einen breit angelegten Rücksetzer am Aktienmarkt auslösen“ könne.
Sarah Ketterer, CEO von Causeway Capital Management, merkte zudem an, dass niedrige Bewertungsmultiplikatoren nicht unbedingt attraktive Kaufgelegenheiten bedeuten, wenn Unternehmen sich dem Gewinnmaximum nähern.
Der Halbleiterzyklus bleibt zentral in der Debatte
Ein Großteil der aktuellen Diskussion dreht sich um Halbleiter, wo die außerordentliche Nachfrage durch künstliche Intelligenz Rekordgewinne befeuert hat.
Die Branche war historisch sehr zyklisch.
Unternehmen wie Micron Technology haben in früheren Spitzengewinnphasen mit sehr niedrigen Gewinnmultiplikatoren gehandelt, weil Investoren mit einer späteren Überversorgung rechneten.
Dieser Zyklus erscheint kurzfristig anders, da die Angebotsengpässe weiterhin erheblich sind.
Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. hat ein Wachstum der Investitionsausgaben von rund 40 % skizziert, während Samsung Electronics plant, 73 Milliarden USD (ca. 63,7 Milliarden €) in Investitionen und Forschung und Entwicklung zu stecken.
Auch SK Hynix und Micron bauen ihre Produktionskapazitäten aus.
Vieler dieser zusätzlichen Fertigungskapazitäten wird jedoch erst 2027 oder 2028 in Betrieb gehen.
Daher werden die aktuellen Angebotsknappheiten voraussichtlich in den nächsten 12 bis 18 Monaten die Gewinne weiter stützen.
Die Umsätze der Speicherindustrie veranschaulichen das Ausmaß der Expansion.
Der Sektor erzielte im Jahr 2025 etwa 200 Milliarden USD (ca. 174,5 Milliarden €) Umsatz, die Prognosen deuten auf rund 600 Milliarden USD (ca. 523,4 Milliarden €) in 2026 und fast 800 Milliarden USD (ca. 697,8 Milliarden €) in 2027 hin.
Trotzdem sind manche Analysten der Ansicht, dass die langfristigen Gewinnerwartungen bereits zu optimistisch sein könnten.
KI‑Ausgaben stützen breitere Unternehmensgewinne
Über die Halbleiterfirmen hinaus verweisen Analysten auf eine weitere wichtige Entwicklung.
Große Technologiekonzerne wie Alphabet, Meta Platforms und Microsoft horten nicht länger nur Bargeld durch Aktienrückkäufe und Bilanzausweitung.
Stattdessen investieren sie erhebliche Mittel in KI‑Infrastruktur, insbesondere Rechenzentren.
Analysten schätzen, dass Investitionen in Rechenzentren inzwischen mehr als 2 % des US‑Bruttoinlandsprodukts durch neue Investitionsausgaben ausmachen.
Diese Investitionen erzeugen breitere wirtschaftliche Aktivität, indem sie Nachfrage nach Bauleistungen, Elektroinstallationen, Logistik und industriellen Materialien schaffen.
Der daraus resultierende volkswirtschaftliche Multiplikatoreffekt hat zur Verbesserung der Gewinne in Branchen außerhalb der Technologie beigetragen.
Das hat eine ungewöhnliche Ausgangslage geschaffen: Zwar bleibt die Konsumnachfrage durch höhere Kreditkosten unter Druck, zugleich stärken sich die Unternehmensgewinne.
Konzentration und Bewertungen bleiben Warnsignale
Trotz verbesserter Gewinne bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Markt‑Konzentration.
Laut Bank of America entfallen die „KI Big 10“ inzwischen auf rund 41 % des S&P 500, eine Konzentration vergleichbar mit Technologie‑ und Telekommunikationsunternehmen zur Dotcom‑Zeit.
Zu der Gruppe gehören Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Apple, Tesla, Broadcom, Micron und Advanced Micro Devices.
Der Nasdaq Composite stieg im zweiten Quartal 2026 um 21,4 % und verzeichnete damit das stärkste Quartal seit der Erholung nach der Pandemie.
Die Gewinne wurden weitgehend durch fortgesetzte Investitionen in KI‑Infrastruktur, Halbleiterfirmen und die Begeisterung rund um die Börsennotierung von SpaceX angetrieben.
Einige Strategen verweisen außerdem auf traditionelle Bewertungskennzahlen als Hinweis auf überdehnte Märkte.
Das zyklisch bereinigte Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (CAPE), bekannt durch Ökonom Robert Shiller, ist für den S&P 500 über 40 gestiegen.
Analyst Joachim Klement von Panmure Liberum argumentiert, dass sich die heutigen Bedingungen von der Dotcom‑Blase unterscheiden, weil die führenden KI‑Firmen heute erhebliche Gewinne erwirtschaften.
Er warnt jedoch zugleich, dass Investoren womöglich für Gewinne, die selbst ungewöhnlich hoch sind, bereits Prämien bezahlen.
Wichtige Risiken, die Investoren beobachten
Trotz der starken Gewinndynamik beobachten Investoren weiterhin mehrere potenzielle Risiken.
Inflation bleibt ein Hauptanliegen. Jegliche erneute Beschleunigung des Preisdrucks könnte die Federal Reserve veranlassen, die Zinsen länger höher zu halten, was die Finanzierungskosten erhöht und die Verbrauchernachfrage dämpft.
Auch die Ölpreise bleiben eine wichtige Variable. Steigende Energiekosten würden die Gewinne der Energieproduzenten stützen, könnten aber Konsumenten und Unternehmen im Großteil der Wirtschaft belasten.
Das größte Marktrisiko bleibt jedoch ein Abschwung des Gewinnwachstums selbst.
Fallen die Gewinne deutlich unter die aktuellen Erwartungen, während Investoren gleichzeitig die Multiplikatoren reduzieren, die sie zu zahlen bereit sind, könnten Märkte sowohl Gewinn‑Downgrades als auch Multiple‑Kompression gleichzeitig erleben.
Investoren beobachten auch aufmerksam, ob sich die Gewinnstärke über die Technologiebranche hinaus ausweitet und ob die KI‑bezogenen Investitionsausgaben ausreichend bleiben, um die aktuellen Erwartungen zu rechtfertigen.
Vorläufig stützen die Unternehmensgewinne weiterhin erhöhte Aktienbewertungen.
Ob diese Erwartungen nachhaltig sind, wird letztlich entscheiden, ob der heutige Markt berechtigten Optimismus darstellt – oder die frühen Phasen einer Gewinnblase.
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