Invezz

Marvell-Aktie fällt 8 %: Zahlt sich der $120B-Google-Deal zu spät aus?

Marvell-Aktie fällt 8 %: Zahlt sich der $120B-Google-Deal zu spät aus?
Devesh Kumar
28. Aug. 2026, 12:54 PM

Unterstützt von

Invezz
MRVL (Marvell)

Buy MRVL. Das Quartal übertraf die Erwartungen und der Rechenzentrumsumsatz stieg im Jahresvergleich um 46 %, wobei das Management ein Rechenzentrumswachstum von >60 % in FY2028 anführt. Der Ausverkauf ist größtenteils ein Timing‑Phänomen: Anleger wollten, dass Googles zusätzliches kundenspezifisches Chip‑Umsatzvolumen sofort sichtbar wird, aber das Management sagt, ein Großteil des Nutzens für FY2028 sei bereits eingepreist und der größere zusätzliche Effekt rolle erst in FY2029+ hoch. Das ist eine Neubewertung der Bewertung, nicht ein Einbruch der KI‑Nachfrage. Key risk: Das Google‑Programm skaliert langsamer oder später als erwartet (oder wird verschoben), sodass die zusätzlichen Umsätze in FY2029+ nie materialisieren und die vom Markt bereits bezahlte Prämie unbegründet bleibt.

Kernrisiko: Die Google‑Umsätze aus kundenspezifischen Chips steigen später/langsamer als erwartet, sodass das zusätzliche Wachstum in FY2029+ enttäuscht und die Prämienbewertung nicht gerechtfertigt werden kann.

MRVL vs. KI‑Chip‑Peers (relativer Wert)

Sell MRVL relativ zu NVIDIA/AMD (Long NVDA oder AMD, Short MRVL). Der Markt bestraft MRVL wegen Unsicherheit im Prognosemodell rund um den Google‑Deal, während NVDA/AMD weniger abhängig von der Hochlauf‑Timing‑Narrative eines einzelnen Mega‑Kunden für die kurzfristige Story sind. Sollte der KI‑Capex‑Zyklus intakt bleiben, sollten sich Marvells Fundamentaldaten (Rechenzentrumswachstum) neu bewerten, sobald am 6. Oktober beim Investor Day Klarheit herrscht. Key risk: Marvells Anteile bei kundenspezifischen KI‑Beschleunigern geraten gegenüber den Wettbewerbern ins Stocken, sodass die relative Lücke größer wird und MRVL selbst nach besseren Angaben hinter NVDA/AMD zurückbleibt.

Kernrisiko: MRVL verliert Marktanteile oder Margen bei kundenspezifischen KI‑Beschleunigern, sodass es selbst bei besserer Offenlegung nicht mit NVDA/AMD aufholen kann.

  • Marvell fällt um fast 8 %, da das Timing der Google‑Umsätze Wall Street enttäuscht.
  • Das Geschäftsjahr 2029 wird zum Schlüsseljahr für Marvells große Google‑Chance.
  • Marvells KI‑Wachstum bleibt trotz des starken Kursrückgangs nach den Zahlen intakt.

Die Marvell Technology-Aktie NASDAQ:MRVL fiel am Freitag im vorbörslichen Handel um fast 8 %, da Anleger ein weiteres solides Quartal außer Acht ließen und sich stattdessen darauf konzentrierten, wann sich die enorme Google‑Chance im Bereich KI‑Chips spürbar in den Umsätzen niederschlagen wird.

Der Umsatz im zweiten Fiskalquartal stieg um 37 % auf $2.74 billion und übertraf damit die Erwartungen, während Marvell die Umsatzprognose für das Fiskaljahr 2027 auf etwa $12 billion und für das Fiskaljahr 2028 auf rund $18 billion anhob.

Diese Anhebungen reichten für eine Aktie, die im Jahr 2026 bereits um rund 184 % zugelegt hatte, nicht aus. Das Problem war das Timing: Anleger hatten erwartet, dass die Vereinbarung mit Google kurzfristig deutlich höhere Schätzungsanpassungen erzwingen würde.

Wall Street erwartete, dass Google früher zum Tragen kommt

Der aufschlussreichste Austausch fand auf der Ergebnis-Telefonkonferenz von Marvell statt.

JPMorgan-Analyst Harlan Sur fragte, warum das potenziell $120B schwere Google‑Programm in den Erwartungen für das Fiskaljahr 2028 nicht deutlicher zum Ausdruck komme.

„Ich dachte eigentlich, dass sich das im Geschäftsjahr 2028 zeigen würde“, sagte Sur laut dem von MarketBeat veröffentlichten Transkript des Calls.

Er merkte an, dass Marvell offenbar weiterhin nur etwa $5 billion bis $6 billion an kundenspezifischen Chip‑Umsätzen für das Kalenderjahr 2027 anpeilt.

CEO Matt Murphy entgegnete, dass Umsätze aus Programmen, die bereits laufen, in den Zahlen für das nächste Jahr enthalten seien, wohingegen neuere Programme im Fiskaljahr 2029 deutlich stärker beitragen sollten.

Diese Unterscheidung hilft, den Ausverkauf am Freitag zu erklären.

Anleger hatten die Vereinbarung mit Google als Anlass gesehen, Marvells Wachstumstrajectory sofort deutlich nach oben zu korrigieren. Das Management deutete hingegen an, dass ein Großteil des bestehenden Nutzens für das Fiskaljahr 2028 bereits in den Prognosen enthalten sei.

Der Markt hatte effektiv einen Teil des künftigen Google‑Erfolgs vorweg in Marvells gegenwärtiger Bewertung eingepreist, bevor die Umsätze tatsächlich eintrafen.

Das Geschäftsjahr 2029 wird zum entscheidenden Jahr

Murphy sagte den Analysten, dass der größere zusätzliche Effekt im Fiskaljahr 2029 und darüber hinaus sichtbar werden solle, und kündigte mehr Details für den Investor Day von Marvell am 6. Oktober an.

Das ließ die Analysten versuchen, eine ungewöhnlich große Lücke in ihren Modellen zu überbrücken.

Ben Reitzes von Melius Research sagte, Anleger würden „einfach damit ringen“ und fügte hinzu, dass „diese Zahlen gewaltig sind.“

Sein Punkt war klar: Eine potenzielle $120B‑Chance, verteilt über etwa sechseinhalb Jahre, impliziert ein gewaltiges jährliches Umsatzvolumen. Anleger wissen jedoch weiterhin nicht, wie viel davon zusätzlich ist, wann einzelne Programme hochgefahren werden oder welche Margen sie bringen werden.

Marvell hat dem Markt daher zwar die Größe des Preises genannt, aber noch nicht genug Details zum Weg dargelegt, wie man ihn realisieren will.

Ein 8%-Ausverkauf kippt die KI‑These nicht

Die enttäuschende Reaktion bedeutet nicht, dass Marvells zugrunde liegendes KI‑Geschäft geschwächt ist.

Der Umsatz im Rechenzentrumsbereich stieg im Quartal im Jahresvergleich um 46 % auf $2.17 billion, und das Management erwartet, dass die Rechenzentrumsverkäufe im Fiskaljahr 2028 um mehr als 60 % wachsen werden.

Bob O’Donnell, Chefanalyst bei TECHnalysis Research, sagte Reuters, die Erwartungen an kundenspezifische KI‑Beschleuniger würden „der Realität vorauslaufen.“

Das erklärt, wie ein Quartal mit Beat-and‑Raise dennoch zu einem deutlichen Kursrückgang führen kann.

Citi erklärte, man sei durch Marvells Rechenzentrums‑Ausblick ermutigt, während Morgan Stanley anmerkte, die Aktie reagiere tendenziell stärker auf Änderungen in langfristigen Prognosen als auf einzelne Quartalszahlen.

Melius hob am Freitag außerdem das Kursziel von $325 auf $350 an und argumentierte, Google, Microsoft und KI‑Konnektivität blieben bedeutende langfristige Chancen.

Der Google‑Deal könnte sich letztlich als so groß erweisen, wie die Optimisten erwarten. Das kurzfristige Problem ist jedoch, dass Anleger bereits für einen Teil dieser Zukunft bezahlt haben.