EUR/USD: Gefährdeter Euro sinkt nach dem EZB-Protokoll

EUR/USD: Gefährdeter Euro sinkt nach dem EZB-Protokoll
  • Das EUR/USD-Paar sank, nachdem die EZB das Protokoll der Anfang des Monats erfolgten Sitzung veröffentlichte.
  • Der Ausschuss beließ die Einlagezinsfazilität unverändert bei -0,50% und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 0,25%.
  • Die Bank verpflichtete sich auch, die quantitative Lockerung so lange wie nötig fortzusetzen.

Die EUR/USD-Paarung fiel um mehr als 50 Basispunkte, als Investoren über das Protokoll der letzten EZB-Sitzung nachdachten. Zum Teil war dieser Rückgang auch auf die allgemeine Schwäche des US-Dollars zurückzuführen, der um 35 Basispunkte anstieg.

ECB Minutes
EUR/USD sinkt nach dem EZB-Protokoll

EUR/USD reagiert auf EZB-Protokoll

Der Euro schwächte sich gegenüber seinen wichtigsten Konkurrenten ab, nachdem die EZB das Protokoll ihrer Anfang des Monats abgehaltenen Sitzung veröffentlicht hatte. Der Euro-Index, der die Stärke des Euro gegenüber einem Korb von Währungen misst, fiel um 0,30%.

Das Protokoll begann mit dem Überblick über den Finanzmarkt. Die Beamten debattierten über die sich ausweitenden Spreads von Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen. Die am stärksten betroffenen Anleihen kamen aus hoch verschuldeten Ländern wie Spanien und Italien. Nach dem Treffen verringerte sich der Spread aufgrund der von Macron und Merkel erzielten Finanzierungsvereinbarung.

Die Mitglieder diskutierten auch die Auswirkungen des „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) auf den Unternehmenssektor. Dabei sprachen sie auch über die Verwerfungen an der Börse und in der Gesamtwirtschaft. Während die Aussichten für die Wirtschaft düster waren, hat der Aktienmarkt in den meisten europäischen Ländern sprunghaft angestiegen.

In der nächsten Sitzung debattierten die Mitglieder über das globale Umfeld und den Euroraum. Zu letzterem stellten sie fest, dass die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal aufgrund der Sperren um 3,8 Prozent geschrumpft sei. Sie sagten auch voraus, dass das 2. Quartal schlechter ausfallen werde. Infolgedessen gehen die Mitglieder nun davon aus, dass das BIP der Region in diesem Jahr zwischen 5% und 12% schrumpfen wird.

EZB steht fest zu QE (quantitative Lockerung)

Insgesamt kamen die Mitglieder überein, die Bedingungen für die angestrebten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO 111) zu lockern. Darüber hinaus entfernten sie die Obergrenze für den Kauf von 750 Milliarden Vermögenswerten in einem Tempo von 20 Milliarden pro Monat. Zur quantitativen Lockerung hieß es in der Erklärung:

„Der EZB-Rat war voll und ganz bereit, den Umfang des PEPP zu erhöhen und seine Zusammensetzung anzupassen, und zwar so viel wie nötig und so lange wie nötig.“

Bei der Versammlung beschlossen die Mitglieder, die Zinssätze unverändert zu lassen. Sie begründeten dies mit den Worten:

„Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität würden unverändert bei 0,00%, 0,25% bzw. -0,50% bleiben. Der EZB-Rat erwartete, dass die Leitzinsen der EZB auf ihrem gegenwärtigen oder niedrigeren Niveau bleiben würden, bis sich die Inflationsaussichten robust auf ein Niveau angenähert haben, das ausreichend nahe bei, aber unter 2% innerhalb seines Projektionshorizonts liegt.“

Das EZB-Protokoll kam einen Tag, nachdem die Daten über die Produktions- und Dienstleistungsaktivitäten der Region eine Verbesserung zeigten. Der PMI für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor stieg auf 39,5 bzw. 28,7. Dies war besser als die Werte des Vormonats von 33,4 bzw. 12,0.

Technischer Ausblick EUR/USD

EUR/USD
EUR/USD technische Analyse

Das EUR/USD-Paar wird bei 1,0900 gehandelt, was leicht unter dem exponentiell gleitenden 50-Tage- und 100-Tage-Durchschnitt auf der Wochen-Chart liegt. Auch die Volatilität, gemessen an der Average True Range (ATR), ist auf den höchsten Stand seit 2017 angestiegen. Außerdem bewegt sich das EUR/USD-Paar seit Februar 2018 in einem Abwärtstrend. Es besteht daher die Möglichkeit, dass sich der Abwärtstrend fortsetzt.

Von Crispus Nyaga
Crispurs Nyaga ist ein Finanzanalyst und Trader mit über 7 Jahren an Erfahrung in der Branche. Er durfte bereits etliche Beiträge für die weltweit führenden Finanzmarken beitragen, darunter Seeking Alpha, MarketWatch, Forbes und Investing.com. Crispus verfügt über ein ausgezeichnetes Verständnis der globalen makroökonomischen und geopolitischen Elemente, ist ein begeisterter Golf Spieler und lebt derzeit in Nairobi mit seiner Frau, Sohn und seinem Neffen.
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