JPMorgan-Ökonom warnt vor anhaltendem Abschwung auf dem chinesischen Immobilienmarkt

JPMorgan-Ökonom warnt vor anhaltendem Abschwung auf dem chinesischen Immobilienmarkt
Prachi Khanna
03. Sept. 2024, 05:55 AM
  • Der Abschwung auf dem chinesischen Immobilienmarkt hält an, sagt ein Ökonom von JPMorgan.
  • Die Preise für Neubauten stiegen leicht; die Wiederverkaufspreise sanken weiter.
  • Analysten stehen den vorgeschlagenen Maßnahmen zur Hypothekenrefinanzierung skeptisch gegenüber.

Der chinesische Immobilienmarkt hat trotz der jüngsten Konjunkturmaßnahmen der Regierung zur Wiederbelebung des Sektors weiterhin mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen.

Laut Haibin Zhu, Chefvolkswirt für China bei JPMorgan, sind die Schwierigkeiten des Marktes noch lange nicht vorüber und es könne Jahre dauern, bis Stabilität erreicht sei.

Moderate Preiserhöhungen können den Markt nicht ankurbeln

Daten der China Index Academy, die am Samstag veröffentlicht wurden, zeigen, dass der Durchschnittspreis für neue Eigenheime in 100 chinesischen Städten im Juli lediglich um 0,11 Prozent gestiegen ist.

Dies stellt eine Verlangsamung gegenüber dem Wachstum von 0,13 % im Juni dar. Der geringfügige Anstieg der Preise für neue Eigenheime verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt, der noch weit von einer vollständigen Erholung entfernt ist.

Im Gegensatz dazu verzeichneten die Wiederverkaufspreise für Eigenheime einen Rückgang von 0,71 % gegenüber dem Vormonat.

Im vergangenen Jahr sind die Preise für Neubauten und Wiederverkaufsimmobilien erheblich gefallen. Der Durchschnittspreis für Neubauten sank um 1,76 % und der für Wiederverkaufsimmobilien um 6,89 %.

Dieser anhaltende Rückgang unterstreicht die Tiefe der Krise, die den chinesischen Immobiliensektor erfasst hat.

Maßnahmen der Regierung stoßen auf Skepsis

Um die Immobilienkrise zu bewältigen, erwägt China laut Bloomberg einen Plan zur Senkung der Kreditkosten für Eigenheimbesitzer. Der Plan sieht die Refinanzierung von Hypotheken im Volumen von bis zu 5,4 Billionen Dollar vor.

Analysten bezweifeln jedoch weiterhin, dass diese Maßnahme die Kaufstimmung bei Eigenheimkäufen ankurbeln und den Gesamtkonsum steigern wird.

Winnie Wu, Chefstrategin für China-Aktien bei BofA Securities, äußerte sich besorgt darüber, dass niedrigere Hypothekenzinsen zwar den Konsum ankurbeln sollen, aber unbeabsichtigte Folgen haben könnten.

„Manche Leute glauben, dass es den Konsum ankurbeln wird – aber das ist nur die eine Seite der Geschichte“, sagte Wu. Sie erklärte, dass niedrigere Hypothekenzinsen die Banken dazu veranlassen könnten, die Einlagenzinsen zu senken, um ihre Gewinnmargen zu schützen.

Dies wiederum würde zu geringeren Zinserträgen aus privaten Spareinlagen führen und möglicherweise etwaige Vorteile aus niedrigeren Hypothekenkosten zunichte machen.

Refinanzierungsplan dürfte den Immobilienmarkt nicht wiederbeleben

Auch Haibin Zhu von JPMorgan stellte die Wirksamkeit der Refinanzierungspolitik bei der Wiederbelebung des Immobilienmarktes in Frage.

Er wies darauf hin, dass diese Maßnahme zwar den bestehenden Eigenheimbesitzern eine gewisse Erleichterung verschaffen könne, die grundlegenden Probleme, die sich auf die Nachfrage nach neuen Eigenheimen auswirken, jedoch wahrscheinlich nicht gelöst würden.

„Selbst wenn die Hypothekenrefinanzierungspolitik umgesetzt wird, ist sie keine Politik zur Wiederbelebung des Immobilienmarktes“, sagte Zhu. Er betonte, dass die Politik in erster Linie den derzeitigen Eigenheimbesitzern zugute käme und nicht die Nachfrage nach neuen Immobilien ankurbeln würde.

Wu teilte diese Bedenken und erklärte, dass eine Zinssenkung allein kein Allheilmittel für die Probleme des Immobilienmarktes sei. „Zinssenkungen sind nicht die beste Strategie. Die Margen der Banken zu drücken, wird nicht viel bringen“, bemerkte sie.

Wu betonte, dass ein umfassenderer Ansatz erforderlich sei, um der Abwärtsspirale auf dem Immobilienmarkt Einhalt zu gebieten und eine positive Rückkopplungsschleife zur Förderung der wirtschaftlichen Stabilität zu schaffen.

Notwendigkeit wirksamer politischer Lösungen

Die Aussichten für den chinesischen Immobilienmarkt bleiben pessimistisch. Zhu prognostiziert, dass sich die Immobilienpreise vor 2025 wahrscheinlich nicht stabilisieren werden.

Die anhaltende Schwäche des Marktes in Verbindung mit einer Reihe wirkungsloser politischer Maßnahmen lässt darauf schließen, dass dem Sektor große Herausforderungen bevorstehen.

Der chinesische Immobilienmarkt erlebt derzeit einen anhaltenden Abschwung, der durch eine Kombination aus sinkenden Immobilienpreisen und schwächelnder Käuferstimmung noch verschärft wird.

Zwar werden staatliche Initiativen wie die Refinanzierung von Hypotheken in Erwägung gezogen, ihre möglichen Auswirkungen bleiben jedoch ungewiss.

Analysten fordern weiterhin energischere Maßnahmen, um die zugrunde liegenden Probleme anzugehen und eine Erholung des Wohnungssektors zu fördern.

Während China diese wirtschaftlichen Herausforderungen meistert, werden Investoren und politische Entscheidungsträger die Wirksamkeit seiner politischen Maßnahmen aufmerksam beobachten.

Die aktuelle Lage des Immobilienmarktes unterstreicht die Notwendigkeit umfassender Strategien zur Unterstützung der Erholung und zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Sektor.