Boykotte von Coca-Cola und Pepsi aufgrund der Gaza-Krise lassen die Limonadenverkäufe in muslimischen Ländern ansteigen

Boykotte von Coca-Cola und Pepsi aufgrund der Gaza-Krise lassen die Limonadenverkäufe in muslimischen Ländern ansteigen
Vatsala Gaur
04. Sept. 2024, 15:36 PM
  • Die Exporte der ägyptischen Cola-Marke V7 haben sich verdreifacht und die Inlandsverkäufe stiegen um 40 Prozent.
  • In Pakistan machen Cola Next und Pakola mittlerweile 12 Prozent des Erfrischungsgetränkemarktes aus.
  • Westliche Getränkemarken verzeichneten im ersten Halbjahr im Nahen Osten einen Umsatzrückgang von 7 %.

Im Zuge des anhaltenden Gaza-Konflikts kommt es in den mehrheitlich muslimischen Ländern zu einer Umgestaltung des Getränkemarkts durch eine Boykottwelle gegen amerikanische Marken wie Coca-Cola und PepsiCo.

Diese Boykotte, die auf der vermeintlichen US-Unterstützung für Israel beruhen, führen dazu, dass Verbraucher in Ländern wie Ägypten, Pakistan und Bangladesch den Cola-Riesen den Rücken kehren und stattdessen auf lokale Alternativen zurück. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Marktdynamik.

Lokale Limonadenmarken gewinnen an Dynamik

In Ägypten und Pakistan verzeichnen lokale Cola-Marken wie V7, Cola Next und Pakola einen deutlichen Umsatzanstieg und greifen damit den Marktanteil an, den traditionell Coca-Cola und PepsiCo innehaben.

Einem Bericht von Reuters zufolge hat der Boykott diesen regionalen Marken die Möglichkeit gegeben, an Boden zu gewinnen; V7 und Cola Next konnten ihre Marktpräsenz deutlich steigern.

Die Boykotte haben an Zugkraft gewonnen, da Verbraucher in mehreren mehrheitlich muslimischen Ländern ihre Unzufriedenheit mit der US-Außenpolitik und insbesondere mit ihrer Unterstützung für Israel zum Ausdruck bringen.

Diese Stimmung hat sich nach der jüngsten Eskalation der Gewalt im Gazastreifen noch verstärkt und zu einer wachsenden Vorliebe für lokale Marken geführt, die als politisch neutral wahrgenommen werden.

Gegenreaktion der Verbraucher in wichtigen muslimischen Ländern

In Ägypten sind die Umsätze von Coca-Cola dieses Jahr drastisch eingebrochen, während die lokale Marke V7 aus der Situation Kapital schlug und ihre Exporte im gesamten Nahen Osten verdreifachte.

Auch in Bangladesch musste Coca-Cola mit erheblichen Gegenreaktionen rechnen, die zur Einstellung einer Werbekampagne führten, die als unsensibel gegenüber dem anhaltenden Konflikt erachtet wurde.

Auch das Wachstum von PepsiCo in der Region ist ins Stocken geraten und das Unternehmen hat angesichts der zunehmenden Spannungen Mühe, seine Marktposition zu behaupten.

Auch pakistanische Verbraucher haben sich der Boykottbewegung angeschlossen.

Lokale Marken vs. westliche Marken

Die Boykottbewegung hat lokalen Limonadenmarken erhebliche Vorteile gebracht und ihnen ermöglicht, Marktanteile in Regionen zu gewinnen, die lange Zeit von westlichen Unternehmen dominiert wurden.

In Pakistan beispielsweise erfreuen sich Cola Next und Pakola wachsender Beliebtheit.

Berichten zufolge machen diese Marken inzwischen rund 12 Prozent des Marktes für Erfrischungsgetränke aus; vor Beginn des Boykotts lag ihr Marktanteil bei 2,5 Prozent.

Ähnlichen Erfolg hatte auch die ägyptische Cola-Marke V7.

Sein Gründer, Mohamed Nour, ein ehemaliger Coca-Cola-Manager, berichtete, dass sich die Exporte von V7 in diesem Jahr verdreifacht hätten und die Inlandsverkäufe in Ägypten um 40 Prozent gestiegen seien.

Dieses Wachstum unterstreicht eine allgemeine Verschiebung der Verbraucherpräferenzen hin zu lokalen Produkten, insbesondere solchen, die als unbeeinflusst von westlichen politischen Assoziationen wahrgenommen werden.

In Pakistan positioniert sich Cola Next strategisch als patriotische Alternative zu westlichen Limonaden, mit einem Slogan, der seine lokalen Wurzeln betont: „Weil Cola Next pakistanisch ist.“

Dieser Marketingansatz fand bei den Verbrauchern Anklang und führte zu einer hohen Nachfrage und Produktionsherausforderungen für die Marke.

Auswirkungen auf Coca-Cola und PepsiCo

Die Boykotte hatten zweifellos Auswirkungen auf Coca-Cola und PepsiCo, insbesondere auf Schlüsselmärkten im Nahen Osten.

Laut NielsenIQ gingen die Umsätze westlicher Getränkemarken in der Region im ersten Halbjahr um 7 % zurück. PepsiCo, das in seiner Division Afrika, Nahost und Südasien Wachstum verzeichnete, musste nach der Eskalation im Gazastreifen einen starken Rückgang der Getränkeumsätze hinnehmen.

Auch die Leistung von Coca-Cola in Ägypten, wo das Unternehmen zuvor ein stetiges Wachstum verzeichnete, erlitt einen Dämpfer: Die Verkaufszahlen gingen im ersten Halbjahr um zweistellige Prozentsätze zurück.

Als Reaktion darauf betonten sowohl Coca-Cola als auch PepsiCo, dass sie keine Militäroperationen in Israel oder anderen Ländern finanzieren.

Trotz dieser Zusicherungen hatten die Boykotte jedoch Auswirkungen auf die Umsätze und Marktanteile des Unternehmens in bestimmten Regionen.

Während die unmittelbaren Auswirkungen der Boykotte offensichtlich sind, warnen Experten vor möglichen langfristigen Konsequenzen für Coca-Cola und PepsiCo.

Der Bruch mit etablierten Konsumgewohnheiten könnte es diesen Marken erschweren, ihre verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen.

Da die Verbraucher auf günstigere, lokal produzierte Alternativen umsteigen, dürfte die Attraktivität dieser Marken weiter steigen, insbesondere in wirtschaftlich angeschlagenen Ländern wie Pakistan, Ägypten und Bangladesch.