Burberry fällt aufgrund Umsatzeinbruchs und Führungswechsel aus dem FTSE 100-Index

Burberry fällt aufgrund Umsatzeinbruchs und Führungswechsel aus dem FTSE 100-Index
Vatsala Gaur
04. Sept. 2024, 22:33 PM
  • Burberry wird im Zuge der vierteljährlichen Neugewichtung des Index in den FTSE 250 wechseln.
  • Der Abstieg der Marke aus dem Index der britischen Large-Cap-Aktien beendet einen 15-jährigen Lauf und spiegelt den zunehmenden Druck wider.
  • Die Marktkapitalisierung von Burberry ist auf 2,34 Milliarden Pfund (3,06 Milliarden Dollar) gesunken.

Das britische Luxusmodehaus Burberry Group ist aus dem renommierten FTSE 100-Index abgestiegen, was für den 168 Jahre alten Einzelhändler einen schweren Schlag darstellt.

Der Ausstieg folgt auf eine schwierige Zeit, die von Umsatzrückgängen und einer Reihe von Führungswechseln geprägt war.

Burberry wird im Zuge der vierteljährlichen Neugewichtung des Index in den FTSE 250 wechseln. Die Änderungen treten am 23. September in Kraft.

Mit dem Abstieg aus dem Index der britischen Large-Cap-Aktien endet für die Marke ein 15-jähriger Erfolgskurs, der den wachsenden Druck unterstreicht, dem sie in einem sich rasch verändernden Luxusmarkt ausgesetzt ist.

Die Marktkapitalisierung von Burberry ist auf 2,34 Milliarden Pfund (3,06 Milliarden Dollar) gesunken, ein starker Kontrast zu seiner früheren Größe.

Infolgedessen werden an den FTSE 100 gebundene Fonds ihre Burberry-Beteiligungen veräußern, was sich weiter auf den Aktienkurs der Marke auswirken wird.

Imagekampf für High-End-Marken

Die Probleme von Burberry gehen über den jüngsten Rückgang des Aktienkurses hinaus, der allein in diesem Jahr um über 53 Prozent gefallen ist.

Burberry, einst ein Symbol für britischen Luxus, hatte in den letzten Jahrzehnten Schwierigkeiten, sein Image als Luxusklasse aufrechtzuerhalten.

Die kultigen Trenchcoats und Karomuster der Marke wurden in den 1990er und 2000er Jahren immer stärker mit der britischen Arbeiterklasse in Verbindung gebracht, was ihre Attraktivität für die gehobene Klasse abschwächte.

Die Bemühungen aufeinanderfolgender CEOs, Burberry als führendes Unternehmen im Luxussegment neu zu positionieren, führten zu gemischten Ergebnissen.

Die hohe Fluktuation in der Führungsspitze – vier CEOs im letzten Jahrzehnt – hat die Unsicherheit noch verstärkt.

Die Ernennung von Joshua Schulman zum CEO im Juli markiert einen möglichen Wendepunkt für die Marke.

Von Schulman, ehemals bei Coach und Michael Kors, wird erwartet, dass er die Strategie von Burberry in Richtung eines erschwinglicheren Luxusmodells verlagert.

„Wir haben uns für eine ‚British Coach‘-Strategie ausgesprochen. Die Ernennung von Josh Schulman, einem ehemaligen CEO von MK und Coach, scheint genau in diese Richtung zu gehen“, sagte Luca Solca, Geschäftsführer bei Bernstein, wie CNBC berichtete.

Der Schritt könnte Kostensenkungen, eine größere Präsenz an Verkaufsstellen und eine stärkere Präsenz bei Off-Price-Händlern mit sich bringen.

Die finanziellen Probleme von Burberry sind offensichtlich: Das Unternehmen meldete im Juli einen Rückgang der vergleichbaren Ladenumsätze im ersten Quartal um 21 %.

Dieser Rückgang führte zur dritten Gewinnwarnung innerhalb eines Jahres und zur Aussetzung der Dividendenzahlungen.

Analysten warnen, dass es ohne eine substanzielle Kurskorrektur zu weiteren Kursrückgängen kommen könnte, was Burberry zu einem potenziellen Übernahmeziel macht.

Abschwung im Luxussektor verschärft Burberrys Probleme

Die Herausforderungen für Burberry sind ein Sinnbild für die größeren Probleme, mit denen die Luxusbranche konfrontiert ist.

Der durch Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit bedingte Rückgang der Verbraucherausgaben hat die Branche hart getroffen.

Der Luxusmarkt in China, ein entscheidender Wachstumsmotor, erlebt eine deutliche Verlangsamung, was die Situation für Marken wie Burberry verschärft.

Im Juli senkte Hugo Boss seine Prognose für das Gesamtjahr nach einem Umsatzrückgang in wichtigen Märkten, darunter China.

Auch Guccis Mutterkonzern Kering gab eine schwache Prognose ab, da die Umsätze im ersten Halbjahr zurückgingen.

Sogar Branchenführer LVMH meldete im zweiten Quartal Umsatzrückgänge, insbesondere in Asien.

Trotz dieser Herausforderungen ist es einigen Ultra-Luxusmarken gelungen, den Sturm zu überstehen.

Cartier-Eigentümer Richemont meldete Rekordumsätze und Hermes konnte im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg von 13 Prozent verzeichnen, was die Widerstandsfähigkeit dieses obersten Marktsegments unterstreicht.

Cole Smead, CEO von Smead Capital Management und Burberry-Investor, sieht inmitten des Turbulenzen eine Chance.

Er meint, Schulmans Strategie könnte Burberry wieder auf Kurs bringen.

„Das alte Sprichwort lautet: Wenn man in Rückstand gerät, dann muss man früh in Rückstand geraten. Burberry ist früh in Rückstand geraten und wir glauben, dass sie ihre wahren Probleme früher in den Griff bekommen werden als die anderen Luxusunternehmen“, sagte Smead im CNBC-Bericht.

Führungswechsel am Horizont

Während sich Burberry auf die nächste Phase unter Schulmans Führung vorbereitet, könnten weitere Veränderungen bevorstehen.

Berichten zufolge arbeitet die Marke mit Headhuntern zusammen, um ihren Vorsitzenden Gerry Murphy zu ersetzen.

Smead deutete an, dass Schulman möglicherweise sowohl den CEO- als auch den Vorsitzendenposten übernehmen könnte, was eine schnellere Umsetzung seiner Strategie ermöglichen würde – ein Schritt, der in US-Unternehmen üblicher ist als in Großbritannien.

Die am 14. November fälligen Halbjahresergebnisse von Burberry werden weitere Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens geben.

Smead glaubt zwar, dass Burberry irgendwann in den FTSE 100 zurückkehren könnte, bezweifelt aber, dass die Unternehmensführung angesichts früherer Probleme mit der finanziellen Weitsicht des Konzerns wieder hohe Dividenden ausschütten wird.

Derzeit steht Burberry vor der doppelten Herausforderung, sich in einem turbulenten Luxusmarkt zurechtzufinden und gleichzeitig zu versuchen, als führende globale Marke wieder Fuß zu fassen.