Chinas Immobilienmarkt: Ist der Tiefpunkt in Sicht?

Chinas Immobilienmarkt: Ist der Tiefpunkt in Sicht?
Wajeeh Khan
09. Sept. 2024, 15:40 PM
  • Der Geschäftsführer der SCB spricht von weiteren Problemen auf dem chinesischen Immobilienmarkt.
  • Die Bank of America hat ihre Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum gesenkt.
  • JPM ist nicht davon überzeugt, dass Hypothekenfinanzierungen dem chinesischen Immobilienmarkt helfen könnten.

Chinas Immobiliensektor ist weiterhin in Aufruhr und viele fragen sich, ob das Schlimmste vorbei ist. Laut Bill Winters, CEO von Standard Chartered, ist die Krise möglicherweise noch nicht vorüber.

In einem Interview mit CNBC äußerte Winters seine Vorsicht und merkte an, dass es zwar gelegentlich Anzeichen für eine erhöhte Aktivität gebe, es aber nicht so aussehe, als ob der chinesische Immobilienmarkt preislich wirklich seinen Tiefpunkt erreicht hätte.

Das globale Vertrauen in Investitionen in China sei nach wie vor gering, was in erster Linie auf die anhaltenden Probleme auf dem dortigen Immobilienmarkt zurückzuführen sei, betonte Winters.

Trotz eines gewissen Wirtschaftswachstums zu Beginn dieses Jahres bleiben die Aussichten für den chinesischen Immobilienmarkt – und die Wirtschaft insgesamt – ungewiss.

Chinas Wirtschaft wächst nur um 4,5 Prozent

Nach einem starken Start in das Jahr 2024 mit 5,3 Prozent Wachstum im ersten Quartal verlangsamte sich die wirtschaftliche Dynamik Chinas im zweiten Quartal deutlich auf 4,7 Prozent.

Der Abschwung hat die Sorge vor einer länger anhaltenden Wirtschaftsflaute ausgelöst, insbesondere da China mit Herausforderungen im Immobiliensektor zu kämpfen hat.

Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, hat die chinesische Regierung verschiedene Maßnahmen eingeführt. Dazu gehören die Senkung der Kreditzinsen und die Möglichkeit zur Refinanzierung von Hypothekendarlehen, um die Kreditkosten für Eigenheimbesitzer zu senken.

Diese Schritte reichten jedoch nicht aus, um das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen.

Die Bank of America hat ihre Prognose für Chinas BIP-Wachstum im Jahr 2024 kürzlich von 5,0 % auf 4,8 % gesenkt.

Zudem geht die Investmentbank nun davon aus, dass Chinas Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren nur noch um 4,5 Prozent jährlich wachsen wird. Die frühere Schätzung lag bei 4,7 Prozent.

Kann die Refinanzierung von Hypotheken den chinesischen Immobilienmarkt ankurbeln?

Trotz des wachsenden Drucks hat sich China bislang gegen die Einführung eines massiven Konjunkturpakets gesträubt – vor allem aus Sorge um die steigende Verschuldung des Landes.

Bill Winters ist davon überzeugt, dass die maßvolle Reaktion der chinesischen Regierung zwar kurzfristig unangenehm sein könnte, die Vermeidung exzessiver Anreize der Haushaltslage des Landes auf lange Sicht jedoch zugute käme.

Diese Zurückhaltung könnte allerdings die Erholung des Immobiliensektors verzögern. Standard Chartered ist nicht die einzige Institution, die weitere Abwärtsbewegungen für den chinesischen Immobilienmarkt vorhersagt.

Anfang des Monats äußerte auch Haibin Zhu, Chefvolkswirt für China bei JPMorgan, die Bedenken hinsichtlich der Aussichten für den Immobilienmarkt.

In der Sendung „Squawk Box Asia“ von CNBC erklärte Zhu, dass sich die Immobilienpreise in China vor 2025 wahrscheinlich nicht stabilisieren würden.

Im August gab es laut der China Index Academy nur einen bescheidenen Preisanstieg von 0,11 Prozent für neue Eigenheime (im Juli waren es 0,13 Prozent). Die Preise für weiterverkaufte Eigenheime sanken dagegen im Vergleich zum Vormonat um 0,71 Prozent.

Zhu warnte, dass die Refinanzierung von Hypotheken zwar dazu beitragen könne, die Verbraucherausgaben zu erhöhen, den Immobilienmarkt jedoch wahrscheinlich nicht wiederbeleben werde. Er sagte:

Während China diese wirtschaftlichen Herausforderungen meistert, bleiben die Anleger vorsichtig. Da kein klarer Boden für die Immobilienpreise in Sicht ist und die Regierung keine aggressiven Konjunkturprogramme einführt, könnte der Markt weiterhin von Unsicherheiten heimgesucht werden.

Analysten warnen, dass einige Maßnahmen zwar zu einer Ankurbelung des Konsums führen könnten, eine vollständige Erholung des chinesischen Immobiliensektors jedoch Jahre dauern könnte.