Großbritannien scheitert im globalen Technologierennen, sagt ehemaliger Arm-CEO; fordert Umdenken bei Investoren
- Warren East, der ehemalige CEO von Arm, sagt, dass Großbritannien Schwierigkeiten habe, seine Technologieunternehmen zu halten und zu vergrößern.
- Die großen Kapitalpools in den USA ziehen britische Technologieunternehmen an, die expandieren möchten.
- Britische Technologieunternehmen verlagern ihren Sitz häufig ins Ausland oder lassen sich dort notieren, was zu einem Verlust wirtschaftlicher Vorteile führt.
Laut Warren East, dem ehemaligen CEO des britischen Chipdesign-Unternehmens Arm, hinkt Großbritannien bei seinen Bemühungen hinterher, Technologieunternehmen weltweit zu kommerzialisieren.
In seiner Rede auf der Cambridge Tech Week betonte East, dass die mangelnde Risikobereitschaft der Anleger und ein schwaches Kapitalmarktumfeld das Potenzial Großbritanniens zur Expansion seiner Technologieunternehmen behindern.
Er argumentierte, dass Großbritannien zwar stark in Sachen Innovation sei, die Unfähigkeit, diese Innovationen auf globaler Ebene effektiv zu kommerzialisieren, jedoch einen großen Rückschlag für die Technologieambitionen des Landes darstelle.
Britische Technologieunternehmen stehen vor Wachstumshürden
Großbritannien ist seit langem ein Zentrum für technologische Innovationen, doch es fällt dem Land schwer, seine Technologieunternehmen zu halten und auszubauen.
Ein Hauptgrund dafür sei laut Warren East das Fehlen robuster Kapitalmärkte und einer unzureichenden Risikobereitschaft der Anleger im Land.
Der frühere CEO von Arm wies darauf hin, dass erfolgreiche Technologieunternehmen sich häufig für eine Standortverlagerung oder Börsennotierung in günstigeren Umfeldern wie den USA entscheiden, wo sie Zugang zu größeren Kapitalpools und einer aggressiveren Risikobereitschaftskultur haben.
Dieser Trend führt zu einer Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte und schränkt damit Großbritanniens Möglichkeiten ein, eine weltweit führende Führungsposition im Technologiebereich einzunehmen.
Im Jahr 2023 entschied sich beispielsweise Arm, ein zentraler Akteur in der globalen Halbleiterindustrie, für eine Notierung am Nasdaq in den USA und nicht an der Londoner Börse.
Die Entscheidung wurde als schwerer Schlag für die britischen Politiker angesehen, die mehr Börsengänge von Technologieunternehmen im Inland anziehen wollten.
Obwohl Arm ein in Großbritannien gegründetes Unternehmen ist, war der Schritt des Unternehmens in die USA auf die Strategie von SoftBank und die allgemeine Dynamik der Kapitalmärkte zurückzuführen, die die USA gegenüber Großbritannien bevorzugte.
Großbritannien vs. USA: Risikobereitschaft der Anleger
East erwähnte auch die erheblichen Unterschiede in der Risikobereitschaft britischer und amerikanischer Investoren und machte diese als Hauptursache für die schlechte Bilanz Großbritanniens bei der Kommerzialisierung von Technologieunternehmen aus.
Er betonte, dass es in Großbritannien nicht darum gehe, Start-ups zu gründen, sondern vielmehr darum, sie zu vergrößern.
Anders als Großbritannien verfügen die USA über weitaus größere Kapitalpools, die bereit sind, Risiken bei wachstumsstarken Technologieunternehmen einzugehen. Damit sind sie für expandierende Unternehmen ein attraktiverer Standort.
Um dem entgegenzuwirken, schlug East vor, dass Großbritannien seine Kapitalmarktregeln ändern müsse, um mehr Investitionen von Pensionsfonds in Technologie-Startups zu fördern.
Er argumentierte, dass derartige Änderungen die Risikobereitschaft steigern und die notwendigen Mittel bereitstellen könnten, um das Wachstum innovativer Unternehmen zu fördern.
Er warnte, dass sich Unternehmen nicht leisten könnten, ewig auf Regulierungsreformen zu warten und stattdessen nach alternativen Strategien suchen müssten, um im gegenwärtigen Umfeld erfolgreich zu sein.
"Allgemeine Geschichte"
Die britische Regierung und die Finanzinstitute drängen auf Änderungen der Kapitalmarktregulierung, um Großbritannien für Technologieunternehmen attraktiver zu machen.
Einer der Vorschläge sieht vor, Pensionsfonds mehr Investitionen in wachstumsstarke Technologie-Start-ups zu gestatten, was dem Technologie-Ökosystem den dringend benötigten Schub verleihen könnte.
Zwar seien gewisse Fortschritte zu erwarten, doch East wies darauf hin, dass diese Änderungen nicht garantiert seien. Unternehmen sollten sich nicht ausschließlich auf regulatorische Änderungen verlassen, um ihr Wachstum sicherzustellen.
Trotz dieser Bemühungen bleibt die Herausforderung groß.
Da die USA nach wie vor ein günstigeres Umfeld für Technologieunternehmen bieten, dürfte es für Großbritannien ohne substanzielle Veränderungen schwierig werden, seine Position als weltweit führender Technologiekonzern zurückzuerobern.
Ein weiterer kritischer Punkt, den East anspricht, ist der häufige Export britischer Innovationen zur Kommerzialisierung in andere Länder.
Er beschrieb es als eine „gängige Geschichte“, bei der in Großbritannien erzielte technologische Durchbrüche später anderswo genutzt werden.
Dieser Verlust an Innovation schwächt nicht nur die Position Großbritanniens auf dem globalen Technologiemarkt, sondern begrenzt auch die Wirtschaftswachstumsaussichten des Landes.
East betonte, dass innerhalb der Investorengemeinschaft ein Paradigmenwechsel notwendig sei, um wachstumsstarke Technologieunternehmen in Großbritannien zu unterstützen und zu halten.
Kann Großbritannien aufholen?
Mit Blick auf die Zukunft äußerte East vorsichtigen Optimismus, dass Großbritannien seine Erfolgsbilanz bei der Bindung und Skalierung von Technologieunternehmen verbessern könne.
Er betonte, dass es wichtig sei, dass sowohl Investoren als auch politische Entscheidungsträger umgehend Maßnahmen ergreifen, um ein günstiges Umfeld für das Wachstum von Technologieunternehmen zu schaffen.
Auch wenn er kein Patentrezept hat, ist East überzeugt, dass die Förderung einer stärkeren Risikobereitschaft unter britischen Investoren entscheidend dazu beitragen könnte, dass der britische Technologiesektor weltweit an Bedeutung gewinnt.
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