Europäische Zentralbank senkt erneut Leitzinsen und korrigiert Wachstumsprognosen nach unten

Europäische Zentralbank senkt erneut Leitzinsen und korrigiert Wachstumsprognosen nach unten
Noris Soto
12. Sept. 2024, 17:51 PM
  • Die EZB senkt den Einlagezinssatz um 25 Basispunkte auf 3,50 %.
  • Die Inflationsprognosen für 2024–2026 bleiben stabil, für später in diesem Jahr wird jedoch mit einem leichten Anstieg gerechnet.
  • Die Wirtschaftswachstumsprognose für 2024 wurde nach unten auf 0,8 % korrigiert, mit einer schrittweisen Verbesserung bis 2026.

Um die Konjunktur anzukurbeln, kündigte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Senkung des Einlagezinssatzes um 25 Basispunkte auf 3,50 % mit Wirkung zum 18. September 2024 an.

Diese Entscheidung spiegelt die anhaltenden Bemühungen der EZB wider, die Geldpolitik positiv zu beeinflussen und das Wirtschaftswachstum innerhalb der Eurozone anzukurbeln.

Neben der Senkung des Einlagesatzes hat die EZB auch weitere Leitzinsen angepasst: Der Zinssatz für die Primärrefinanzierungsgeschäfte wird nun auf 3,65% festgelegt, während der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 3,90% gesenkt wird.

Die Zinsspanne zwischen den Hauptrefinanzierungsgeschäften und dem Zinssatz für die Einlagefazilität beträgt 15 Basispunkte, die Spanne zwischen der Spitzenrefinanzierungsfazilität und den Hauptrefinanzierungsgeschäften bleibt unverändert bei 25 Basispunkten.

Ziel dieser Anpassung ist es, die Kreditmargen der Banken zu erhöhen und dadurch die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln und das Verbrauchervertrauen zu stärken.

Anpassungen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP)

Zusätzlich zu den Zinsänderungen kalibriert die EZB ihre Vermögensverwaltungsstrategien neu.

Das APP-Portfolio verringert sich, da das Eurosystem die Reinvestition von Tilgungszahlungen aus fällig werdenden Vermögenswerten einstellt.

Dieser strategische Wandel bedeutet einen Schritt in Richtung Wahrung der Währungsstabilität bei gleichzeitiger schrittweiser Umkehr der bisherigen expansiven Politik.

Darüber hinaus hat die EZB die Reinvestition von Tilgungsbeträgen aus dem Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) eingestellt, wobei sich die Portfolioreduzierung im Durchschnitt um 7,5 Milliarden Euro pro Monat beläuft.

Die Reinvestitionen im Rahmen des PEPP dürften bis Ende 2024 abgeschlossen sein und einen Übergang zu einer normalisierteren Geldpolitik widerspiegeln.

Die EZB überwacht die Rückzahlungen der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) genau.

Diese genaue Prüfung ist von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Auswirkungen der Liquidität auf die Banken der Eurozone und die allgemeine wirtschaftliche Gesundheit und verdeutlicht den proaktiven Ansatz der EZB bei der Steuerung des Finanzsystems.

Der EZB-Rat ist weiterhin entschlossen, ein breites Spektrum an Maßnahmen zu ergreifen, um die Inflationsziele zu erreichen und gleichzeitig die wirtschaftliche Erholung der Eurozone zu unterstützen.

Lagarde und de Guindos zu politischen Entscheidungen

EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Vizepräsident Luis de Guindos kündigten die Zinssenkung um 25 Basispunkte an und betonten, dass die Entscheidung auf einer überarbeiteten Einschätzung der Inflationsaussichten und der Wirksamkeit der Geldpolitik beruhe.

Lagarde erklärte:

Lagarde wies darauf hin, dass die Gesamtinflation den Prognosen zufolge im Jahr 2024 durchschnittlich 2,5 %, im Jahr 2025 2,2 % und im Jahr 2026 1,9 % betragen werde, die Kerninflation jedoch voraussichtlich von 2,9 % im Jahr 2024 auf 2,0 % im Jahr 2026 sinken werde.

Trotz eines vorübergehenden Anstiegs der Inflation infolge vorangegangener Energiepreisrückgänge bleibt das Lohnwachstum hoch, der Druck auf die Arbeitskosten lässt jedoch nach, und die Gewinne dämpfen die Auswirkungen auf die Inflation.

Die EZB prognostiziert für 2024 ein schwaches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, das sich bis 2025 auf 1,3 Prozent und bis 2026 auf 1,5 Prozent verbessern soll.

Die Zentralbank bleibt ihrer Verpflichtung treu, die restriktiven Leitzinsen beizubehalten, die zur Erreichung ihres mittelfristigen Inflationsziels von zwei Prozent erforderlich sind. Dabei verwendet sie einen datengestützten Ansatz, um die optimale Höhe und Dauer der geldpolitischen Beschränkungen zu bestimmen.