Bank von Russland könnte Leitzins trotz Anzeichen einer Konjunkturabschwächung beibehalten

Bank von Russland könnte Leitzins trotz Anzeichen einer Konjunkturabschwächung beibehalten
Prachi Khanna
13. Sept. 2024, 08:40 AM
  • Die Bank von Russland wird den Leitzins bei der nächsten Sitzung wahrscheinlich bei 18 % belassen.
  • Die Inflation verlangsamt sich leicht, was sich auf die Aussichten für die Geldpolitik auswirkt.
  • Analysten diskutieren das Potenzial künftiger Zinserhöhungen angesichts gemischter Konjunktursignale.

Die Bank von Russland wird bei ihrer bevorstehenden Sitzung am Freitag ihren Leitzins voraussichtlich bei 18 % belassen, da aktuelle Wirtschaftsdaten auf eine mögliche Verlangsamung der Inflation und der Einzelhandelsnachfrage hindeuten.

Dieser Schritt würde auf eine deutliche Zinserhöhung im Juli folgen und spiegelt die anhaltenden Sorgen hinsichtlich des Inflationsdrucks und der wirtschaftlichen Stabilität wider.

Inflationstrends deuten auf eine mögliche Pause bei der geldpolitischen Straffung hin

Die Zentralbank hat mit einer hohen Inflation zu kämpfen, die sich seit letztem Jahr als schwer unter Kontrolle erwies. Jüngste Zahlen zeigen jedoch eine leichte Verlangsamung der jährlichen Inflation, die von 9,13 Prozent im Juli auf 9,05 Prozent im August sank.

Dieser Rückgang markiert die erste Verlangsamung der Inflation in diesem Jahr. Laut Daten des Statistischen Bundesamts und des Wirtschaftsministeriums sank auch das monatliche Preiswachstum auf den niedrigsten Stand seit Ende 2022.

Trotz dieser Anzeichen liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert der Bank von Russland von 4%.

Dieser anhaltende Inflationsdruck könnte zusammen mit den Auswirkungen der Staatsausgaben auf die Einzelhandelsnachfrage im weiteren Jahresverlauf zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik führen.

Analysten wägen Potenzial für weitere Zinserhöhungen ab

Die meisten von Bloomberg befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins unverändert bei 18% belassen wird, um die Auswirkungen der Zinserhöhung vom Juli einzuschätzen.

Oleg Kuzmin, Ökonom bei Renaissance Capital, meint, eine Pause bei den Zinserhöhungen würde es der Zentralbank ermöglichen, die Auswirkungen ihrer vorherigen Erhöhung zu bewerten.

Er weist außerdem darauf hin, dass im weiteren Jahresverlauf möglicherweise weitere Zinserhöhungen erforderlich sein könnten, wenn sich die Inflation nicht ausreichend abschwächt.

Bei ihrer Sitzung im Juli erhöhte die russische Notenbank den Leitzins zum ersten Mal in diesem Jahr um 200 Basispunkte und verwies damit auf die Besorgnis über eine mögliche Stagflation - eine Kombination aus hohen Preisen und geringem Wirtschaftswachstum.

Seitdem konzentriert sich die Notenbank in ihrer Rhetorik auf die Bekämpfung der überhitzten Konjunktur und die Beobachtung von Desinflationstrends.

Unterschiedliche Ansichten zur künftigen Geldpolitik

Obwohl erwartet wird, dass die Zentralbank den Zinssatz stabil hält, glauben einige Analysten, dass eine Zinserhöhung weiterhin möglich ist.

Vizegouverneur Alexey Zabotkin hat angedeutet, dass die Bank eine weitere Zinserhöhung in Erwägung ziehen könnte, sollte der Inflationsdruck anhalten.

Seine Kommentare lassen darauf schließen, dass die Zentralbank noch immer über die angemessene Reaktion auf die anhaltende wirtschaftliche Lage nachdenkt.

Bloomberg Economics weist darauf hin, dass die Zentralbank vor einem Balanceakt zwischen der Kontrolle der Inflation und der Steuerung der Wirtschaftstätigkeit stehe.

Aktuelle Daten zeigen einen Rückgang des Geschäftsvertrauens und eine Verlangsamung der Produktionserwartungen der Unternehmen, was die Entscheidung der Zentralbank beeinflussen könnte.

Steigende Erwartungen von Verbrauchern und Unternehmen, ein schwächerer Rubel und ein zunehmendes Kreditwachstum bei Unternehmen machen den Entscheidungsprozess allerdings komplexer.

Erwartungen von Haushalten und Unternehmen beeinflussen politische Aussichten

Die Inflationserwartungen der privaten Haushalte steigen weiter und erreichten im letzten Monat 12,9 Prozent. Auch die Geschäftserwartungen sind gestiegen, und die Kreditvergabe an Unternehmen ist weiterhin robust.

Diese Faktoren verstärken die Unsicherheit darüber, ob der aktuelle Leitzins seinen Höchststand erreicht hat oder ob weitere Erhöhungen erforderlich sind.

Die Zentralbank hat eingeräumt, dass sie ihr Inflationsziel zum fünften Mal in Folge verfehlen wird. Ihre revidierte Inflationsschätzung für dieses Jahr liegt bei 6,5 bis 7 Prozent, während die Prognose des Wirtschaftsministeriums mit 7,3 Prozent sogar noch höher ausfällt.

Mögliche Szenarien für die kommende Zinsentscheidung

Dmitry Polevoy, Anlagedirektor bei Astra Asset Management, meint, die Entscheidung der Zentralbank, den Zinssatz bei 18 Prozent zu belassen, könne ein Zeichen dafür sein, dass sie für künftige Erhöhungen bereit sei.

Er skizziert drei mögliche Szenarien: Beibehaltung des Zinssatzes, Erhöhung auf 19% oder sogar 20%. Die beiden letztgenannten Optionen gelten als weniger wahrscheinlich, bleiben aber Teil der Diskussion.

Während sich die Bank von Russland auf ihre Entscheidung vorbereitet, werden die Marktteilnehmer die Haltung der Zentralbank zu den Zinssätzen und ihren Ansatz zur Steuerung von Inflation und Wirtschaftswachstum aufmerksam beobachten.