Deutsches Anlegervertrauen sinkt im September weiter, da sich die Wirtschaftsprobleme verschärfen

Deutsches Anlegervertrauen sinkt im September weiter, da sich die Wirtschaftsprobleme verschärfen
Deepali Singh
17. Sept. 2024, 13:48 PM
  • Die am Dienstag veröffentlichten neuesten Daten des ZEW-Instituts unterstreichen die zunehmenden Sorgen.
  • Der Erwartungsindex, der die Aussichten der Anleger misst, sank im September deutlich auf 3,6.
  • Dieser unerwartete Einbruch übertraf die Prognosen der Ökonomen bei weitem, die einen leichten Rückgang von 19 auf 17 vorhergesagt hatten.

Die industrielle Hochburg Deutschlands steht vor wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen, da das Vertrauen der Anleger rapide abnimmt und ein dunkler Schatten auf die Zukunft der größten Volkswirtschaft Europas wirft.

Der rapide Rückgang der Stimmung ist das jüngste Anzeichen dafür, dass die deutsche verarbeitende Industrie – die lange als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galt – mit zunehmender Unsicherheit konfrontiert ist.

Die jüngsten Daten des ZEW-Instituts, die am Dienstag veröffentlicht wurden, unterstreichen die wachsenden Sorgen. Der Erwartungsindex, der die Aussichten der Anleger misst, fiel im September deutlich von 19,2 im August auf 3,6.

Dieser unerwartete Einbruch übertraf die Prognosen der Ökonomen bei weitem, die einen leichten Rückgang auf 17 vorausgesagt hatten. Gleichzeitig sank der Index der aktuellen Lage auf -84,5, was die schlechte Stimmung weiter verdeutlichte.

Dieser drastische Wandel kommt zu einer Zeit, in der die großen Industrieunternehmen vor schwierigen Entscheidungen stehen. So kündigte Intel Corp. kürzlich eine zweijährige Verzögerung seines geplanten Fabrikprojekts an, was Zweifel an der Attraktivität Deutschlands als Produktionsstandort aufkommen lässt.

„Die Hoffnung auf eine schnelle konjunkturelle Trendwende schwindet rasch“, sagte Achim Wambach, Präsident des ZEW-Instituts, in einer Erklärung.

Er wies darauf hin, dass sich die Konjunkturaussichten zwar in der gesamten Eurozone eingetrübt hätten, der Rückgang in Deutschland jedoch noch ausgeprägter sei und eine weitere Reihe entmutigender Entwicklungen darstelle.

Geldpolitik schafft es nicht, das Vertrauen der Anleger zu stärken

Die Europäische Zentralbank hat kürzlich zum zweiten Mal in kurzer Folge die Kreditzinsen gesenkt.

Die US-Notenbank dürfte bei ihrer Sitzung am Mittwoch ähnliche Schritte unternehmen und damit eine weitere weltweite Lockerung der Geldpolitik signalisieren.

Allerdings, so ZEW-Präsident Achim Wambach, „scheinen die meisten Befragten die Zinsentscheidung bereits in ihre Erwartungen einkalkuliert zu haben“, was darauf schließen lässt, dass dieser Schritt kaum einen Wandel der wirtschaftlichen Gesamtstimmung bewirken dürfte.

Nach einem Jahr der wirtschaftlichen Kontraktion im Jahr 2023 haben die Ökonomen begonnen, ihre Prognosen für das laufende Jahr anzupassen. Viele prognostizieren nun eine Stagnation oder sogar einen leichten Rückgang.

Während die schwache Nachfrage auf den internationalen Märkten weiterhin eine große Herausforderung darstellt, belasten auch tiefer liegende strukturelle Probleme die deutsche Wirtschaft. Sie steckt seit dem zweiten Quartal dieses Jahres in Schwierigkeiten, als ein überraschender Rückgang der Produktion die Anfälligkeit ihres Industriesektors offenlegte.

Trotz steigender Löhne bleiben die Konsumausgaben schwach, was die Wirtschaft zusätzlich belastet.

Deutsche Automobilriesen stehen vor Herausforderungen

Der verarbeitende Sektor als Hauptmotor der deutschen Wirtschaft wurde hart getroffen.

Der Automobilriese Volkswagen AG gab vor kurzem Pläne bekannt, einen langjährigen Tarifvertrag aufzukündigen und erwägt als Reaktion auf die sinkende Nachfrage sogar die Schließung inländischer Produktionsstätten.

Auch BMW musste seine Gewinnprognose nach unten korrigieren, nachdem das Unternehmen wegen möglicherweise fehlerhafter Bremsen 1,5 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen hatte.

Zu diesen zählen eine ungünstige demografische Entwicklung, anhaltend hohe Energiekosten und die zunehmende Konkurrenz aus China.

In einem Interview mit Bloomberg betonte Robin Winkler, Ökonom bei der Deutschen Bank, den Ernst der Lage und sagte:

Er fügte hinzu, dass die Erwartungen für die Zukunft zwar weiterhin einigermaßen hoffnungsvoll seien, die optimistischen Aussichten vom Anfang des Jahres jedoch weitgehend verflogen seien und ein anspruchsvoller Weg vor uns liege.

Die zunehmenden Rückschläge deuten darauf hin, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft länger dauern und schwieriger sein könnte als erwartet. Und für die großen Industrienationen ist keine unmittelbare Besserung in Sicht.