Qualcomm hat Intel wegen einer Übernahme kontaktiert, berichtet WSJ

Qualcomm hat Intel wegen einer Übernahme kontaktiert, berichtet WSJ
Srinibas Rout
21. Sept. 2024, 04:06 AM
  • Ein Deal dieser Größenordnung hätte erhebliche Auswirkungen auf beide Unternehmen und die Chipindustrie.
  • Mit einer Marktkapitalisierung von 188 Milliarden Dollar ist Qualcomm derzeit fast doppelt so viel wert wie Intel.
  • Die Intel-Aktie reagierte positiv auf die Neuigkeiten und stieg nach dem Bericht um 3,3 Prozent.

In einem überraschenden Schritt, der die Halbleiterindustrie umgestalten könnte, hat Qualcomm laut einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal Intel wegen einer möglichen Übernahme kontaktiert.

Die Nachricht folgt auf Intels jüngste Schwierigkeiten, auf dem schnell wachsenden Markt für Chips für künstliche Intelligenz (KI) wettbewerbsfähig zu bleiben, einem Sektor, den Qualcomm aggressiv verfolgt.

Obwohl die Aussichten auf eine solche Fusion weiterhin ungewiss sind, hat sie bereits zu Marktreaktionen geführt: Der Aktienkurs von Intel stieg, der Aktienkurs von Qualcomm fiel.

Ein Deal dieser Größenordnung hätte erhebliche Auswirkungen auf beide Unternehmen und die gesamte Chipindustrie.

Dem WSJ-Bericht zufolge hat Qualcomm, das für seine beherrschende Stellung bei Smartphone-Chips bekannt ist, kürzlich die Übernahme von Intel geprüft, einem traditionsreichen Giganten aus dem Silicon Valley, der bei der Anpassung an die KI-gesteuerte Zukunft der Chipherstellung vor wachsenden Herausforderungen steht.

Intel ist seit langem führend auf dem PC-Chip-Markt, hat jedoch Mühe, im KI-Sektor mit Konkurrenten wie Nvidia und AMD mitzuhalten.

Durch eine Übernahme könnte Qualcomm die umfangreichen Fertigungskapazitäten von Intel nutzen und seine Ambitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz vorantreiben.

Die Intel-Aktie reagierte positiv auf die Neuigkeiten und stieg nach dem Bericht um 3,3 Prozent, während Qualcomm einen Rückgang von 2,9 Prozent hinnehmen musste.

Mit einer Marktkapitalisierung von 188 Milliarden Dollar ist Qualcomm derzeit fast doppelt so viel wert wie Intel und hat damit eine gute Ausgangsposition für eine mögliche Übernahme.

Allerdings dürften die Größe und Komplexität eines solchen Deals insbesondere aufgrund kartellrechtlicher Bedenken erhebliche aufsichtsrechtliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Intels Probleme und verpasste Chancen

Intel hatte in den letzten Jahren mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen, vor allem im Fertigungsbereich.

Das Unternehmen, einst eine dominierende Kraft in der Halbleiterindustrie, ist insbesondere bei der Produktion von KI-Chips hinter seine Konkurrenten zurückgefallen.

Fehltritte, darunter die Entscheidung, auf eine frühe Investition in OpenAI zu verzichten, haben die Schwierigkeiten noch verschärft.

Infolgedessen verlor Intel erhebliche Marktanteile an das taiwanesische Unternehmen TSMC und verpasste das explosive Wachstum bei KI-Chips, von dem Unternehmen wie Nvidia profitierten.

Seit Anfang August dieses Jahres ist der Aktienkurs von Intel um 25 Prozent eingebrochen, nachdem der Konzern Massenentlassungen angekündigt hatte, bei denen über 15 Prozent der Belegschaft abgebaut wurden und die Dividendenzahlung ausgesetzt wurde.

Das Unternehmen versucht derzeit, eine Trendwende herbeizuführen, indem es sich auf KI-Prozessoren konzentriert und sein Geschäft für die Auftragsfertigung von Chips (auch als Foundry bekannt) ausbaut.

Allerdings haben sich diese Bemühungen bislang nicht ausgezahlt, da Intel weiterhin mit dem Übergang zum KI-gesteuerten Chipmarkt zu kämpfen hat.

Qualcomm-Intel-Fusion? Mögliche regulatorische Hürden

Das Geschäftsmodell von Qualcomm unterscheidet sich erheblich von dem von Intel.

Während Intel seine Chips bisher selbst hergestellt hat, vergibt Qualcomm die Produktion an Outsourcing-Anbieter und lizenziert geistiges Eigentum von Arm Holdings.

Dieser deutliche Unterschied könnte Qualcomm einen Vorteil verschaffen, insbesondere da Intel im hart umkämpften KI-Sektor weiterhin schwächelt.

Eine mögliche Fusion von Qualcomm und Intel könnte jedoch mit regulatorischen Herausforderungen verbunden sein.

Größe und Umfang eines solchen Deals würden wahrscheinlich kartellrechtliche Prüfungen nach sich ziehen, insbesondere in den USA und Europa.

Darüber hinaus deuten Berichte darauf hin, dass Qualcomm den Verkauf von Teilen des Intel-Geschäfts an andere Käufer prüfen könnte, um regulatorische Bedenken auszuräumen.

Wird Intel aus dem Dow Jones Industrial Average entfernt?

Zu den Problemen von Intel kommt noch hinzu, dass Analysten und Investoren spekuliert haben, das Unternehmen könne aufgrund seiner schwachen Performance aus dem Dow Jones Industrial Average entfernt werden.

Die Intel-Aktien verloren in diesem Jahr 56 Prozent und sind damit das Unternehmen mit der schlechtesten Performance im Index und dem niedrigsten Aktienkurs im preisgewichteten Dow.

Trotz dieser Schwierigkeiten hat Intel in jüngster Zeit einige Fortschritte bei der Sicherung von Verträgen für seine Gießerei erzielt.

Insbesondere hat sich Amazon Web Services als Kunde für kundenspezifische KI-Chips angemeldet, was einen Hoffnungsschimmer für Intels Erholung darstellt.

Eine Fusion von Qualcomm und Intel wäre einer der größten Deals in der Technologiegeschichte mit weitreichenden Folgen für die Halbleiterindustrie.

Für Qualcomm könnte die Übernahme seine KI-Ambitionen beschleunigen und dem Unternehmen die Kontrolle über Intels umfangreiche Chipherstellungs-Infrastruktur geben.

Für Intel könnte der Deal eine Rettungsleine bei seinen Bemühungen sein, sich inmitten eines erbitterten Wettbewerbs neu zu erfinden.

Angesichts erheblicher regulatorischer Hürden und Marktunsicherheit bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser potenzielle Deal zustande kommt.